Partnerschaft als Signal

Anlässlich der Neuproduktion Rigoletto, die von dem in München ansässigen Mobilfunkanbieter O2 als Sponsor unterstützt wird, unterhielten sich dessen Vorsitzender der Geschäftsführung Rudolf Gröger und Staatsintendant Sir Peter Jonas im Vorfeld der Premiere. Ein Gespräch über Innovation, Ideen und die besten Köpfe.



Seit März 2004 ist O2 bereits Mitglied des Premium Circle der Bayerischen Staatsoper, nun engagieren Sie sich auch noch als exklusiver Sponsor der Rigoletto-Neuproduktion. Wie kam es zu dieser intensiven Partnerschaft?

Gröger Als erfolgreiches Unternehmen wollen wir mit Engagements wie diesem der Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten, etwas zurückgeben. Wir halten Kunstformen wie die Oper für ein besonders schützenswertes Gut, und so haben wir das Angebot gerne angenommen, uns hier zu betätigen. Das ist unsere Hauptmotivation.

Welchen Nutzen bringt diese Partnerschaft für die Bayerische Staatsoper, Sir Peter?

Jonas Für uns haben solche Partnerschaften zwei sehr unterschiedliche, aber wichtige Vorteile: Natürlich können wir, wie heutzutage fast jede künstlerische Institution, die finanzielle Unterstützung gut gebrauchen. Zum anderen ist die Partnerschaft an sich ein Vorteil, weil sie eine Solidarität der Wirtschaft mit der Kultur symbolisiert und wir auf diese Weise eine Lobby bekommen. Und wir brauchen eine Lobby, wir brauchen unsere industriellen Partner gerade in schwierigen Zeiten, in denen die Unterstützung für Kunst zunehmend zur Diskussion gestellt wird.

Welche Vorteile hat das für O2?

Gröger Als Münchner Unternehmen mit über tausend Mitarbeitern hier sind wir natürlich an der Attraktivität des Standorts sehr interessiert. In den kommenden Jahren wollen wir neue Mitarbeiter für uns gewinnen, dabei ist auch das kulturelle Angebot Münchens wichtig, weil es die Stadt für die "besten Köpfe", um die es letzten Endes auch in unserem Business geht, reizvoll macht. Gleichzeitig möchten wir die Möglichkeit wahrnehmen, unseren Mitarbeitern die Oper näher zu bringen, indem wir ihnen Karten zur Verfügung stellen. So können sie in der Rigoletto-Aufführung das Alltagsgeschäft für ein paar Stunden vergessen und diese Kunst genießen.

Von beiden Seiten wird das Wort "Partnerschaft" hoch gehandelt. Welche Gemeinsamkeiten gibt es denn zwischen einem Mobilfunkanbieter auf der einen Seite und der Bayerischen Staatsoper auf der anderen?

Jonas Die größte Gemeinsamkeit heißt "Innovation". Obwohl die Bayerische Staatsoper auf eine über 350jährige Geschichte zurückblicken kann, ist doch jede neue Opernproduktion ein Prototyp, mit dem Musik neu interpretiert und eine Geschichte neu erzählt wird. Wir sind also ständig mit Innovation beschäftigt. Wie Ihr Unternehmen (wendet sich zu Rudolf Gröger) eben auch.

Apropos Innovation: Gab es bei Ihnen, Rudolf Gröger, Bedenken, das Regiekonzept von Doris Dörrie könnte zu modern sein?

Gröger O2 ist dafür bekannt, dass wir erfrischend anders sind, und das wollen wir ja auch. Ich denke Doris Dörrie wird mit ihrer Interpretation sicherlich auch neue Perspektiven eröffnen, deshalb freue ich mich darauf. Wir haben ja auch schon anderes von ihr gesehen, wie die großen Handys bei Turandot in Berlin, und lassen uns jetzt einfach mal überraschen.

Diese neuen Perspektiven interessieren uns natürlich auch jetzt schon. Wie wird die Neuinszenierung denn aussehen?

Jonas Das kann ich Ihnen nicht sagen. Eine Neuinszenierung ist ein Prototyp, eine Oper existiert zunächst ja nur als Buch, als Partitur. Sie muss jedesmal neu interpretiert werden. Wir wissen also nicht, wie Doris Dörries Rigoletto am Ende aussehen wird. Wir wissen zwar etwas über die Ideen hinter dem Konzept, aber wie alle Prototypen wird die Oper bis zum letzten Tag nicht ganz fertig sein. Am Premierentag ist sie dann eine Überraschung, aber zuvor ist alles Spekulation.

Rudolf Gröger, wie passen die vielen verschiedenen Engagements von O2 zusammen. Da ist der Bambi, Fußball, die Kanuten bei den olympischen Spielen, PowerChild, jetzt die Oper…

Gröger Die Kunden von O2 kommen aus allen Bereichen unserer vielgestaltigen Gesellschaft. Deshalb ist es auch wichtig und notwendig, mit unseren gesellschaftlichen Aktivitäten breit gefächert aufzutreten und in verschiedenen Sparten tätig zu sein: Zum einen sicherlich beim Sport, wo wir mit Fußball und olympischen Spielen bestimmte Highlights gefördert haben, zum anderen aber auch im weitesten Sinne des Wortes bei der Kultur, sei es mit Veronica Ferres, die im Moment die deutsche Filmschauspielerin ist, oder mit der Oper.

Sir Peter, Sie nicken zustimmend. Sehen Sie Ihre Klientel genauso breit gefächert?

Jonas Absolut. Wir haben in den letzten zwölf Jahren hier an der Bayerischen Staatsoper viel dafür getan, zugänglich zu sein. Diese Zugänglichkeit bedeutet, dass wir jede Ecke unserer Gesellschaft erreichen wollen. Insofern sind wir uns in unseren Themen und Zielen sehr ähnlich: so wie Kommunikation und ihre technologische Zukunft Themen von O2 sind, wird in der Oper die Kommunikation zwischen uns als Menschen heute immer wieder thematisiert und inszeniert.

Warum betreibt O2 Sponsoring?

Gröger Als wir uns vor drei Jahren über Nacht den neuen Namen O2 gegeben haben, mussten wir neu starten. Keiner kannte uns, keiner wusste, wer oder was O2 ist. Deshalb waren Konzepte zu entwicklen, um den Namen schnell bekannt zu machen. Der Name sollte nicht nur in der klassischen Werbung, sondern auch durch andere Engagements positioniert werden. Dabei haben wir den schnellsten Markenaufbau aller Zeiten am deutschen Markt vollbracht: in den letzten drei Jahren haben wir eine gestützte Markenbekanntheit von 97% erreicht, und ich denke schon, dass unsere diversen Sponsoring-Konzepte einen wesentlichen Beitrag hierzu geleistet haben.

Hat denn bereits ein Wirtschaftunternehmen eine Neuinszenierung gesponsort? Warum ist das aus Ihrer Sicht so wichtig?

Jonas Diese Art des Sponsoring gab es bei uns schon bei diversen Produktionen. Allerdings versuchen wir jedesmal, das Verhältnis etwas enger zu gestalten und etwas weiter weg vom reinen Sponsoring, stärker hin zu einer echten Partnerschaft zu kommen. Das ist, wie gesagt, in finanzieller Hinsicht wichtig. Gleichzeitig ist Partnerschaft aber auch ein bedeutsames gesellschaftspolitisches Signal. Es ist ein Signal für die Politik, dass kulturelle Institutionen nicht alleine da stehen, sondern ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind und von Unternehmen, die die Zukunft unserer Gesellschaft in den Händen halten, unterstützt werden. Diese Allianzen zu bilden, ist für uns wichtig, und es hat sich gezeigt, dass sie sich positiv auf die Oper, die Kunst, die Gesellschaft und auch auf die Wirtschaft auswirken.

Interview: Markus Othmer

Rudolf Gröger (rechts) im Gespräch mit Staatsintendant Sir Peter Jonas:
"Wir halten Oper für ein besonders schützenswertes Gut."