Zum Tod von Carlos Kleiber

Das seltsame Verwirrspiel um die Nachricht vom Tod Carlos Kleibers ähnelte so sehr dem Leben des Ausnahme- Dirigenten, dass es schwer fiel, sie zu glauben, zumal die  Bestätigung durch die Familie noch immer aussteht. Wir wollten den Wahrheitsgehalt dieser Nachricht bezweifeln und müssen jetzt wohl doch akzeptieren, dass Carlos Kleiber am 13. Juli 2004 in Slowenien, der Heimat seiner unlängst verstorbenen Frau, gestorben ist.

An keinem anderen Opernhaus hat sich Carlos Kleiber so lange zu Hause gefühlt wie an der Bayerischen Staatsoper.
Seit seinem Debüt am 13. Januar 1968 mit dem Rosenkavalier von Richard Strauss, dirigierte  in den folgenden 20 Jahren über 260 Opernaufführungen und Akademiekonzerte des Bayerischen Staatsorchesters. Allein die Zahl seiner Dirigate und die Regelmäßigkeit seiner Auftritte zwischen 1968 und 1988 beweist, dass der als schwierig geltende für eine lange Zeit seiner Karriere sich mit größerem Einsatz für den „normalen“ Opern- und Konzertbetrieb eines Repertoirehauses engagierte als viele seiner jüngeren Kollegen dies heute zu tun bereit sind. Das vom ihm in München am häufigsten dirigierte Werk war der Rosenkavalier (Neuinszenierung von Otto Schenk 1972; 82 Vorstellungen), gefolgt von Johann Strauss’ Die Fledermaus (Neuinszenierung von Otto Schenk 1974; 71 Vorstellungen), Giuseppe Verdis La Traviata (Neuproduktion von Otto Schenk 1975; 41 Vorstellungen), Giuseppe Verdis Otello (Neuinszenierung von John Neumeier 1977; 22 Vorstellungen), Alban Berg Wozzeck (Neuinszenierung von Günther Rennert 1970; 14 Vorstellungen) sowie Vorstellungen von Puccinis La Bohème und der Butterfly. Carlos Kleiber reiste 1974 mit der Bayerischen Staatsoper zum Gesamtgastspiel nach Japan. Mit dem Bayerischen Staatsorchester führte er mehrere Tourneen durch. Das letzte öffentliche Konzert des Bayerischen Staatsorchesters unter der Leitung von Carlos Kleiber fand im April 1996 in Ingolstadt statt.
Die Bayerische Staatsoper trauert um einen Ausnahmemusiker, dem sie herausragende Opernaufführungen und Konzerte zu danken hat, und der ihr musikalisches Niveau über eine lange, glückliche  Periode entscheidend mitgeprägt hat.

Sir Peter Jonas: „Der plötzliche Tod von Carlos Kleiber lässt uns alle sprachlos zurück. Er war ein genialer Mensch, der selbst unter seinen Dirigenten-Kollegen als der wichtigste Dirigent der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anerkannt war. Er war eine Ausnahmeerscheinung in jedem Sinne des Wortes. Die Gedanken der ganzen Bayerischen Staatsoper sind bei seinen Kindern.“

Die Bayerische Staatsoper gedenkt vor der heutigen Festspielaufführung von Glucks Orphée et Euridice im Nationaltheater des großen Dirigenten Carlos Kleiber.

Bayerische Staatsoper
Staatsintendant Sir Peter Jonas
20. Juli 2004 zurück