Geruch - Die unmögliche Enzyklopädie XIII

Geruch - Die unmögliche Enzyklopädie XIII


Die unmögliche Enzyklopädie geht in die 13. Folge! Nach Themen wie sammeln, Feuer oder Erscheinung dreht sich dieses Mal alles um die flüchtige Welt der Gerüche. Regelmäßige Besucher dieser Veranstaltungsreihe wissen es bereits: Jede Enzyklopädie lädt ein auf eine außergewöhnliche Entdeckungsreise ins Opernrepertoire und weit darüber hinaus. Experten und Sänger der Bayerischen Staatsoper treten auf, und das jedes Mal an einem ungewöhnlichen Ort. Dieses Mal geht es nach Obergiesing, in die Probenbühne der Bayerischen Staatsoper am McGraw-Graben.

„Zitto: mi pare sentire odor di femmina.“ („Still, mir scheint, ich rieche Weiberduft.“) unterbricht Don Giovanni Leporello kurz bevor Donna Elvira um die Ecke biegt. Dass der Diener sie nicht wittert, mag daran liegen, dass das Geruchsorgan des Herrn besser ausgebildet ist oder dessen Rezeptoren auf Elviras Moleküle empfindlicher ansprechen. Ein Beweis auch der Abhängigkeit unserer Geruchssensitivität vom Hormonstatus.

Gerüche sind flüchtig. Sie entziehen sich konkreter Beschreibbarkeit. Vielleicht haben sie deshalb zunächst nicht viel mit der Bühnenkunst zu tun. Es mag eine Theaterluft geben, und wer sie geschnuppert hat, kann den Brettern für immer verfallen sein.

Auf anderem Weg funktioniert die Verknüpfung der Bilder und Gerüche: unser episodisches Gedächtnis verbindet Düfte mit Orten oder Personen. So lösen sie überfallartig Bilder des Abwesenden aus oder die Erinnerung beschwört halluzinatorische Geruchseindrücke: Aida gedenkt der „profumate rive“, der duftgetränkten Ufer der verlorenen Heimat. Die Rose, die Carmen Don José zugeworfen hat,  „garde toujours sa douce odeur“ und hält so noch im Arrest Josés Begierde auf die fremde Zigeunerin wach. Wozzeck sucht an Marie vergeblich Spuren der Untreue, einen Gestank, dass man „die Engel zum Himmel hinausräuchern könnt“. Der Geruchssinn des Narren hat seherische Kräfte. „Ich riech, ich riech Blut“ prophezeit er das Unglück, lange bevor Wozzeck Marie ersticht und konstatiert eine Fäulnis der ganzen Menschheit, vor der man die Nase nicht mehr verschließen kann.

Bariton Nikolay Borchev
Klavier Richard Whilds
Gäste u.a. Prof. Dr. Dietrich Wabner, N.O.R.A. International
Sebastian Maria Fischenich, Creative Director Humiecki & Graef
Anke Boysen, Rettungshundstaffel des ASB mit Indigo

Moderation
Miron Hakenbeck, Olaf A. Schmitt
Raumgestaltung Marie Pons
Licht Benedikt Zehm
Ton Thomas Rott
Bühnenmeister Manfred Sandner

Geruch - Die unmögliche Enzyklopädie XIII
Mo 15.03.2010, 20 Uhr Karten
Probenräume am McGraw-Graben
Anfahrtsskizze





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