„Tanz tut allen meinen Sinnen gut."

Jörg Mannes: Der Sturm


Der Sturm, das neoklassische Handlungsballett von Jörg Mannes als grandiose Adaption von Shakespeare’s Drama für den Tanz, ist im März erneut im Nationaltheater zu erleben.

Am 26., 27. und 29.03. stehen Prospero, der Held des Stücks, seine Tochter Miranda, der Luftgeist Ariel, der Sklave Caliban und weitere Figuren im Mittelpunkt einer Geschichte um Verrat, Liebe, Großzügigkeit und Verzeihen - grandios umgesetzt in die Sprache des Tanzes.

Wer eigentlich ist Prospero und was hat er erlebt?
Wir schickten Karl-Peter Fürst auf seine Spur. Er hielt den ehemaligen Herzog von Mailand kurz an und lernte dabei einen alten, abgeklärten Herrn von immer noch stürmischem Temperament kennen. Hier Auszüge aus seinem (fiktiven) Interview mit Prospero:

Prospero, verehrter Herzog, hätten Sie gedacht, dass Sie einmal auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters in der Hauptrolle eines Balletts als dessen Held auftauchen?
Warum nicht? Meine Lebensgeschichte war ja durchaus dramatisch.

Allerdings! Sie hätten sich für ihre Erfindung und Verbreitung auch keinen besseren als Shakespeare wünschen können...
Aber die Musik von Bruckner und Sibelius, zu der ich im Bayerischen Staatsballett von Alen Bottaini oder Cyril Pierre getanzt werde, gefällt mir auch sehr gut. Und erst die vielen Luftgeister im Gefolge Ariels, Schwärme von schönen Tänzerinnen... All das zu sehen tut meinen alten Augen, ach was, das tut allen meinen Sinnen gut!

Warum nannte Shakespeare sein Stück eigentlich "Der Sturm"?
Ha, gut! Den Sturm der ersten Szene, der meinen Bruder Alonso und König Antonio mit ihrem Anhang auf meiner Insel stranden ließ, können Sie vergessen. Das war nur ein faktischer Sturm, wenn auch ein gut erfundener. Shakespeare meinte aber mehr den Sturm, den er im Inneren seiner Figuren, seiner selbst und seiner Zuschauer erregte.

Hoheit, lassen Sie uns über Ihr Leben sprechen! Als Herzog von Mailand um ihre Herrschaft betrogen, wurden Sie vom Vertriebenen zum Herrn über eine entlegene Insel, überwanden Ihre Feinde, konnten die Herrschaft spektakulär zurückgewinnen und...
Das ist nicht das Entscheidende: Entscheidend war, dass ich wieder die Herrschaft über mich selbst gewann, mich von meiner Obsession befreite, die mich so viele Jahre des glücklichsten Familienlebens kostete. Völlig unnötig war das!

Immerhin hat es Ihnen doch bleibenden Ruhm und so Unsterblichkeit gebracht.
Zu Recht, zumal wenn man an den heutigen Herrscher in meiner Heimat denkt! So einen hat sich das Volk auch noch frei gewählt!

Bitte, Exzellenz...! Lassen Sie uns so beginnen: Wie konnte es damals passieren, dass Sie aus Mailand verstoßen und auf dem Meer mit Ihrer Tochter dem Untergang preisgegeben wurden?
Zum Teil war es ja meine Schuld: Als der ältere von zwei Brüdern war ich der rechtmäßige Nachfolger auf dem Thron. Solange ich regierte, stand mein Herzogtum wirtschaftlich und kulturell in Blüte. Ich selbst galt als der Beste in den Wissenschaften, die ich mehr liebte als alle Politik. Um mich ihnen ganz widmen zu können, übertrug ich die Regierungsgeschäfte auf meinen Bruder Antonio.

Was war daran so falsch, Hoheit?
Wer an der Spitze eines Staates steht, darf sich dem realen Leben nicht entziehen, um nur noch seine Träume zu verwirklichen. Mein Bruder glaubte, er sei tatsächlich Herzog durch Stellvertretung und weil er nach außen die königliche Rolle versehen hatte samt allen Hoheitsrechten. Daraus wuchs sein intriganter Ehrgeiz.

Was veranlasste Sie dann dazu, nicht nur auf Rache, sondern sogar auf Ihre magischen Kräfte zu verzichten?
Ich hatte alles in der Hand, eine Genugtuung! Doch dann kam Caliban, der Urbewohner dieser Insel, um mich mit Trunkenbolden zu ermorden. Phantastisch übrigens, wie ungestüm Wlademir Faccioni sich im Ballett bewegt! Da merkte ich, dass man das Böse nicht wegzaubern kann, und verlor mein Interesse an Magie. Vor allem aber sah ich an der Begegnung meiner Tochter mit Ferdinand, dem Sohn Alonsos, meines Feindes, wie schön es ist, einem Menschen unvoreingenommen und mit Liebe zu begegnen. Und genau dieses Gefühl drückt im Ballett ein junges Tänzerpaar in aller Einfachheit ergreifend unschuldig aus.

Und was, Hoheit, war der Sturm in Ihrem Inneren?
Wenn man fühlt, dass sich die innere Verhärtung löst, kann man loslassen, wird frei von Obsessionen, fähig zur Versöhnung – und ändert vielleicht sein Leben. Das verkörpert der Tänzer meiner Rolle im Nationaltheater exemplarisch. Doch jetzt entschuldigen Sie mich bitte, der Süden ruft. Hier ist es wirklich viel zu lange kalt!

Erleben Sie Prospero im Sturm. Klicken Sie auf Ballett.TV:


Ballett.TV

Jörg Mannes
Der Sturm
Mittwoch, 24. März 2010, 19.30 Uhr Karten
Freitag, 26. März 2010, 19.30 Uhr Karten
Montag 29. März 2010, 19.30 Uhr Karten
Montag 5. April 2010, 18.00 Uhr Karten
Mittwoch 5. Mai 2010, 19.30 Uhr Karten





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