Das schlaue Füchslein - Inhaltsangabe

Das schlaue Füchslein: Juliane Banse, Stella Doufexis

Das schlaue Füchslein

Leoš Janáček

 

Da gab es einen Förster, der hatte eine gute, fleißige Frau, zwei halbwüchsige Jungen und lebte mit ihnen in einer kleinen Försterei, zu der außer einem alten Hund auch ein paar Hühner samt Hahn und einige Kaninchen gehörten. Nach der Arbeit traf er sich gern mit dem Pfarrer und dem Schulmeister des Dorfes im Wirtshaus, um mit ihnen Karten zu spielen und das eine oder andere Glas zu trinken.

 

Erster Akt

Wieder einmal ist der Förster auf dem Heimweg von seiner Stammtischrunde. Da er sich müde fühlt - vielleicht auch, weil er ein bißchen zu viel getrunken hat, was seine Frau nicht unbedingt merken soll - beschließt er, im Wald noch eine kurze Rast zu machen. Er legt sich hin und schläft sofort ein. Der Wald um ihn ist voller Leben. Ein Fuchskind macht seinen ersten selbstständigen Ausflug und sieht sich plötzlich einem Frosch gegenüber, der gerade eine Mücke fangen will. Der Frosch macht einen erschrockenen Satz und landet auf dem Förster, wovon dieser erwacht. Er bemerkt sofort das Fuchskind, packt es und nimmt es mit nach Hause.

Das Leben des Füchsleins in der Försterei ist unerfreulich. Von der Hausfrau wird es nur mißmutig geduldet, der Dackel macht plumpe Annäherungsversuche, und die Kinder quälen es. Als das Füchslein einen der Buben ins Bein beißt, bindet der Förster das Tier an. Dabei spürt er plötzlich eine große Zärtlichkeit für diesen Wesen. Und da es inzwischen Nacht wird, gerät er in einen Zustand zwischen Wachsein und Träumen, in dem sich das Füchslein für ihn in ein junges Mädchen verwandelt, ähnlich der jungen Frau, die er damals geheiratet hat. Der neue Tag bringt die Wirklichkeit zurück.

Das Füchslein beobachtet  die Hühner, die unter dem Kommando des Hahns stumpfsinnig  Eier legen. Angewidert von diesem unterwürfigen Verhalten versucht es, die Hennen zu überzeugen, daß sie für ihre eigenen Rechte kämpfen müßten. Ohne Erfolg!  Da täuscht es seinen Tod vor - und Hahn und Henne fallen auf diesen Trick herein. Das Füchslein beißt allen die Kehle durch. Chaos in der Försterei. Der Förster greift ein und schlägt zu. Im letzten Augenblick gelingt es dem Füchslein, in den Wald zu entkommen.

 

Zweiter Akt

Das Füchslein genießt die wiedergewonnene Freiheit. Es entdeckt einen Dachsbau und beginnt, den Hausherrn zu verhöhnen, kräftig unterstützt von den Tieren des Waldes. Der Dachs wird aus seinem Bau vertrieben.

Die drei Stammtischbrüder - Förster, Pfarrer und Schulmeister - spielen wieder einmal Karten, und da sie schon einiges getrunken haben, reden sie viel - besonders von früheren Zeiten. Der Förster macht sich über den Schulmeister lustig, weil der nie Glück bei den Frauen hat. Dieser rächt sich, indem er den Förster boshaft nach der entlaufenen Füchsin fragt. Der Pfarrer, der wegen einer Liebschaft zwangsversetzt wird, muß das Dorf verlassen.

Auf dem nächtlichen Heimweg hält der stark angeheiterte Schulmeister eine Sonnenblume, hinter der sich das Füchslein verbirgt, für das von ihm begehrte Mädchen Terynka. Auch der Pfarrer spürt die geheimnisvolle Gegenwart der Füchsin, und die Erinnerungen an seine unglückliche Liebe werden wieder in ihm wach. Der betrunkene Förster schreckt beide aus ihren Träumen auf. Er ist auf der Suche nach seinem Füchslein. Obwohl er es liebt, schießt er. Doch die Schüsse gehen ins Leere, das Tier kann ihm zum zweiten Mal entkommen.

Das Füchslein ist zur Füchsin herangewachsen. Eines Tages entdeckt es in der Nähe seines Baus einen jungen Fuchs, der ihm auf Anhieb gefällt. Auch der Fuchs ist entzückt von der jungen Füchsin und macht ihr höfliche Komplimente. Sie erzählt prahlerisch von ihrer Kindheit in der Försterei und ihren dort vollbrachten Heldentaten. Schließich macht der Fuchs seiner Angebeteten eine Liebeserklärung, und sie verschwinden gemeinsam im Fuchsbau. Die wachsame Nachbarin Eule hat alles beobachtet und macht ihrer Entrüstung über das unmoralische Treiben des Füchsleins lautstark Luft. Die Affäre bleibt nicht ohne Folgen. Als die Füchsin dem Fuchs erklärt, daß sie Nachwuchs erwarte, lassen sich beide vom Specht trauen. Der Wald feiert. Plötzlich endet die Hochzeit: Menschen durchqueren den Wald.

 

Dritter Akt

Der Geflügelhändler Haraschta streift durch die Gegend, seine große Leidenschaft ist das Wildern. Als er auf einen toten Hasen stößt, will er diesen sofort mitnehmen. Der Förster überrascht ihn. Haraschta versucht abzulenken und erzählt stolz und vergnügt von seiner bevorstehenden Hochzeit mit Terynka. Der Förster vermutet, daß sein Füchslein den Hasen gerissen hat. Er will es wieder fangen und stellt eine Falle auf.

Familie Fuchs hat sich inzwischen vergrößert. Beim Herumtollen im Wald bemerken die Fuchskinder die Falle und werden von ihren Eltern gewarnt. Fuchs und Füchsin sind stolz auf ihren Nachwuchs und träumen von weiteren Kindern. Haraschta bemerkt das Füchslein und denkt sofort an einen Muff für Terynka. Bei dem Versuch, die ihn provozierende Füchsin zu jagen, fällt er auf die Nase. Die Füchse machen sich über sein Geflügel her. Wütend erschießt Haraschta die Füchsin.

Die Stammtischrunde ist kleiner geworden. Der Schulmeister ist verzweifelt über die Heirat der Terynka, dem Förster geht das Verschwinden der Füchsin sehr nahe. Beide vermissen den Pfarrer und spüren, daß sie älter geworden sind. Den Förster zieht es wieder in den Wald.

Dort erinnert er sich an seine Jugend und die erste Zeit seiner Ehe. Anders als seine Freunde verfällt er nicht in Sentimentalität. Er kann immer noch träumen und hat plötzlich offene Sinne für die Schönheit der Natur, die ihn umgibt. So sieht er wieder vor sich, wonach er ständig auf der Suche war: sein geliebtes Füchslein. Auch der kleine Frosch ist wieder da. Aber es handelt sich schon um die nächste und übernächste Generation. Das Leben geht immer weiter, und wo etwas zu Ende gegangen ist, entsteht Neues. Der Förster begreift diesen ewigen Kreislauf der Natur. Der Wald um ihn ist voller Leben ...

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