Medusa - Inhaltsangabe

Cynthia Jansen Sabina von Walther

Medusa

Arnaldo de Felice

 

„Schlangenschwanz“
Ein Mädchen ringt mit sich und ihren inneren Stimmen. Sie steht auf der Türschwelle eines Saals, in dem ein Empfang stattfindet und beobachtet in einem nahen Feldlager einen jungen Soldaten.

 

1. Bild
Der junge Soldat kann nicht schlafen. Er wird von Vorahnungen und Eindrücken der im Krieg zerstörten Stadt geplagt. Die zufällige Begegnung mit einer Frau lässt er in Gedanken Revue passieren.
Das Mädchen wandelt sich zur jungen Frau, die beim Empfang für einen Staatsanwalt, der gegen Ungerechtigkeiten ankämpft, den Mittelpunkt bildet. Ihre Eltern hat sie im Krieg verloren und ist nun Erbin der Besitztümer. Die Oberflächlichkeit der Gäste quält sie. Man möchte eine Verbindung der jungen Frau mit dem Staatsanwalt verhindern. Im Saal betrachtet sich die junge Frau zum ersten Mal in einem Spiegel, dann geht sie umher. Sie kehrt zum Spiegel zurück, wo sie der Staatsanwalt im Spiegelbild sieht. Ihre Blicke kreuzen sich. Sie kommen sich näher und beginnen zu tanzen.

„Schlangenkörper“
Ein überraschender Anschlag auf den Staatsanwalt hat diesen tödlich verletzt. Die Frau steht der Situation fassungslos gegenüber.

 

2. Bild
Die junge Frau reift zur Frau. Die Vorstellung vom Tod ihres Geliebten und die Erinnerungen an jenen Mann verlassen sie keinen Augenblick. Es scheint ihr, als habe sich alles innerhalb weniger Augenblicke zugetragen, in Wirklichkeit sind Jahre vergangen. Die Frau findet keine Ruhe. Sie lebt im Dunkeln des Wahnsinns, in einer Höhle der Einsamkeit.

Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und erlebte Gefühle überlagern sich. Die Frau durchlebt den Empfang erneut. Anstelle des Staatsanwalts sieht die Frau einen jungen italienischen Soldaten. Er sieht dem Anwalt ähnlich, ist aber wesentlich jünger.

Die Frau geht lächelnd auf den jungen Soldaten zu. Sie tauschen gegenseitig Blicke aus. Ungläubig erlebt die Frau das Aufflammen einer neuen Liebe und bittet um ein Wiedersehen. Sie verliert den jungen Soldaten aus den Augen und hält ihn für tot.

„Schlangenkörper 2“
Die Frau verwandelt sich zu Medusa. Perseus steigt in die Höhle hinab.

 

3. Bild
Medusa liegt schlafend am Boden. Als sie aus dem Schlaf erwacht, ist Perseus wie verwandelt vor Leidenschaft und Begierde. Er kann nur ihre Schultern sehen. Medusa ist sich ihrer weiblichen Reize bewusst und wartet auf Perseus. Sie will ihn zwingen, sie anzuschauen, fordert Liebe.

Ein einziger Blick genügt ihr nun, um zu töten. Doch das in Perseus Augen reflektierte Spiegelbild ihres Gesichts, der Anblick ihrer durch den Schmerz verursachten Wandlung, die Erinnerung an das Mädchen, das an der Schwelle zum Leben die Liebe kennen gelernt hatte und nun das Spiegelbild jenes Ungeheuers, das sich am Tod berauscht, lassen Medusas Macht gegen sie selber richten, sodass sie zu Stein erstarrt.

„Schlangenkopf“
Weit entfernt von der zerstörten Stadt entspringen der enthaupteten Steinfigur der Medusa zwei Wasserquellen.

 

4. Bild
Die Frau nähert sich einer der Quellen. Sie beugt sich über das Wasser und betrachtet ihr Spiegelbild.
Sie vergleicht sich mit der zerstörten Stadt. Ihre inneren Stimmen werden wieder – sie ist nur noch Schmerz.

Die Frau erfährt, dass der junge Soldat nicht gestorben ist und schöpft nach ihren schmerzvollen Erfahrungen von Liebe und Verlust wieder Mut, ein neues Leben zu beginnen.

© Bayerische Staatsoper