Chowanschtschina - Inhaltsangabe

Modest Mussorgsky: Chowanschtschina. John Daszak, Doris Soffel Modest Mussorgsky: Chowanschtschina Modest Mussorgsky: Chowanschtschina. Klaus Florian Vogt, Camilla Nylund, Paata Burchuladze

Chowanschtschina

Modest Mussorgsky

 

Vorgeschichte

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts steckt Russland in einer tiefen Regierungs- und Religionskrise. Vor einigen Jahrzehnten hat die offizielle Kirche eine Reform durchgeführt, bei der Kirchenbücher korrigiert und Rituale geändert wurden. Der Großteil der Gläubigen nahm diese Reform nicht an. Diese Menschen wurden Altgläubige oder auch Schismatiker (Raskolniki) genannt, von der offiziellen Kirche ausgeschlossen und verfolgt. Nach dem Tod des Zaren Fjodor gab es keinen erwachsenen Thronfolger; auf den Thron wurden die beiden Halbbrüder Ivan und Peter gesetzt, die zu zwei verfeindeten Lagern gehörten. Da sie noch minderjährig waren, wurde Peters Halbschwester und Gegnerin Sofia Regentin. Ihre Hauptstütze wurden die Strelitzen, die Palastgarde, deren Anführer Fürst Iwan Chowansky war und die zum größten Teil aus Altgläubigen bestand. Um alleinherrschende Regentin zu werden, provozierte Sofia die Strelitzen zu einem Aufstand, während dessen im Verlauf einer einzigen Nacht der Großteil von Peters Familie und Vertrauten niedergemetzelt wurde.


Erster Akt

Die Strelitzen schwelgen in Erinnerung an ihren Aufstand in der Nacht zuvor. Doch der Bojar Schaklowity bereitet mit Hilfe des Schreibers eine Denunziation ihres Anführers Fürst Iwan Chowansky vor, der eine Verschwörung gegen Zar Peter plant und die Unterstützung der Moskauer Bevölkerung genießt.
Andrej, der Sohn Iwan Chowanskys, bedrängt Emma, ein Mädchen aus der deutschen Vorstadt. Die Altgläubige Marfa, Andrejs frühere und nun von ihm verlassene Geliebte, versucht, sie zu schützen. Fürst Chowansky will Emma für sich selbst haben und befiehlt den Strelitzen, sie festzunehmen, doch Andrej leistet Widerstand. Dossifej, der geistige Führer der Altgläubigen, versucht, Vater und Sohn Chowansky zu versöhnen. Er beauftragt Marfa, sich um Emma zu kümmern, und erinnert alle daran, dass jeden Augenblick der öffentliche Streit über den Glauben zwischen den Altgläubigen und den Anhängern der offiziellen Kirche ausbrechen kann.

 

Zweiter Akt

Fürst Golizyn, ein wichtiges Mitglied der Regierung und Oberbefehlshaber der Armee, erhält einen Liebesbrief der Zarewna Sofia, deren Liebhaber er ist. In Erwartung eines heimlichen Treffens mit Iwan Chowansky und Dossifej, in dem es um den Sturz Zar Peters und die Aufteilung der Macht gehen wird, ruft Golizyn Marfa zu sich, die ihm schon öfters wahrgesagt hat und ihm nun seinen baldigen Untergang und das Ende aller Hoffnungen auf den Sieg prophezeit. Um öffentliches Aufsehen zu vermeiden, befiehlt Golizyn, Marfa heimlich zu ermorden. Chowansky trifft ein und beginnt sofort Streit mit ihm, erinnert ihn an militärische Misserfolge und an für Chowansky erniedrigende Beschlüsse Golizyns. Dossifej mahnt, an die Zukunft der Regierung des Reichs zu denken. In ihrem heftigen Zwist kommen die Verschwörer zu keiner gemeinsamen Entscheidung. Das erneute Eintreten Marfas, die von den Truppen Zar Peters vor Golizyns Anschlag gerettet worden ist, unterbricht die Auseinandersetzung, und die unerwartete Ankunft Schaklowitys zerstört die letzte Hoffnung der Verschwörer: Schaklowity, ebenso Liebhaber Sofias wie Golizyn, meldet in deren Namen, dass der Hof um die Verschwörung der Chowanskys weiß, die von Zar Peter als "Die Sache Chowansky" (= Chowanschtschina) bezeichnet worden ist, und dass eine Untersuchung dieser Verschwörung angeordnet wurde.

 

Dritter Akt

Für ihre selbstlose Liebe zu Andrej wird Marfa von einigen strengen Altgläubigen attackiert, die diese Liebe als sündhaft verurteilen. Dossifej verteidigt Marfa gegen diese Angriffe. Marfa gesteht Dossifej, wie sehr ihre Leidenschaft sie quält. Die Selbstverbrennung zusammen mit dem Geliebten erscheint ihr die einzige Erlösung. Dossifej meint, dass es noch zu früh sei, die Waffen zu strecken.
Schaklowity ist besessen von der Idee der Rettung Russlands und setzt alle Hoffnung auf eine starke Alleinherrschaft.
Betrunkene Strelitzen randalieren. Ihre Frauen können sie nicht beruhigen. Als das Handgemenge in vollem Gange ist, verbreitet der Schreiber durch die Nachricht von den sich nahenden Truppen der Petrowzen, der Leibgarde Zar Peters, Panik in den Reihen der Strelitzen. Iwan Chovansky befiehlt den Strelitzen, keinen Widerstand zu leisten und sich in den Häusern einzuschließen.

 

Vierter Akt, erstes Bild

In seinem Haus versucht Iwan Chowansky, seine Todesangst zu betäuben, die durch die Warnung vor seinem baldigen Untergang durch Golizyns Boten noch verstärkt wird. Alle Bemühungen seiner Untergebenen, ihn zu zerstreuen, bleiben erfolglos. Unerwartet überbringt Schaklowity eine ehrenvolle Einladung an Chowansky zum Rat bei der Zarewna Sofia. Doch diese Einladung erweist sich für den Fürsten als Botschaft des Todes.

 

Vierter Akt, zweites Bild

Mit Golizyn ereilt einen weiteren Verschwörer sein Schicksal. Die Moskauer Bevölkerung verabschiedet ihn teilnahmsvoll in die Verbannung. Marfa überbringt Dossifej die Nachricht, dass die Regierung die Vernichtung der Altgläubigen angeordnet hat. Dossifej fasst den Entschluss zur kollektiven Selbstverbrennung. Marfa unterrichtet Andrej Chowansky über den Tod seines Vaters und davon, dass er selbst ebenfalls von den Petrowzen gesucht wird. Andrej glaubt ihr nicht und beschuldigt sie, mit ihrer Hexerei sein Leben zerstört zu haben. Doch die Glockenschläge, die den Beginn der Hinrichtung der zum Tode verurteilten Strelitzen verkünden, bestätigen Andrej, dass Marfa die Wahrheit gesagt hat. Nun ist er bereit, ihr überall hin zu folgen. Im letzten Augenblick begnadigt Zar Peter die Strelitzen.

 

Fünfter Akt

Da sie keinen Ausweg mehr sehen, verlassen Dossifej, Marfa, Andrej und andere Altgläubige ihr irdisches Dasein und finden Erlösung in einer anderen Welt.


Dmitri Tcherniakov / Alexej Parin
© Bayerische Staatsoper