Werther - Inhaltsangabe

Jules Massenet: Werther Jules Massenet: Werther. Marcelo Alvarez, Sophie Koch Jules Massenet: Werther. Massimo Giordano, Vesselina Kasarova

Werther

Jules Massenet
Edouard Blau, Paul Milliet, Georges Hartmann nach Johann Wolfgang von Goethe

 

Die Handlung spielt in Wetzlar

Erster Akt

Der Amtmann lebt seit dem Tod seiner Frau allein mit seinen neun Kindern. Charlotte, die Älteste, führt den Haushalt. Sophie, die Zweitälteste, hilft ihr dabei. Obwohl es erst Mitte Juli ist, übt der Amtmann mit seinen kleineren Kindern bereits ein Weihnachtslied – sehr zum Amüsement seiner Freunde Schmidt und Johann.

Verwandte und Nachbarn kommen, um Charlotte zu einem ländlichen Sommerfest abzuholen. Ihnen zuvorgekommen war Werther, ein melancholischer, naturverbundener Einzelgänger und sensibler Künstler, der in der Kleinstadt fremd wirkt. Als er sieht, wie liebevoll Charlotte ihre kleinen Geschwister umsorgt, verliebt er sich in sie und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Teil dieser Familienidylle zu werden. Charlotte bittet Sophie, sie beim Vater und den Kindern zu vertreten und verlässt mit Werther das Haus.

Während Charlotte mit Werther und den Freunden auf dem Fest weilt, kehrt Albert, Charlottes Verlobter, unangekündigt von einer langen Reise zurück. Er erfährt von Sophie, dass Charlotte an diesem Abend ausgegangen ist, man sich aber sehr auf seine bevorstehende Hochzeit mit ihrer Schwester freut. Zufrieden und beglückt verlässt Albert das Haus.

Werther begleitet Charlotte nach dem Fest heim und gesteht ihr seine Liebe. Charlotte ist von dem Sturm seiner Gefühle so überwältigt, dass sie vergisst, ihre Verlobung zu erwähnen. Sie fühlt sich zu diesem aussergewöhnlichen Mann hingezogen. Als der Amtmann die Nachricht von Alberts Rückkehr bringt, erfährt Werther, dass Charlotte ihrer Mutter vor deren Tod ihr Wort gegeben hat, Albert zu heiraten.

 


Zweiter Akt

Es ist Herbst. Im Ort wird die Goldene Hochzeit des Pastors vorbereitet, im Anschluss an den Festgottesdienst wird zu einer grossen Kaffeetafel geladen. Unter den Gästen sind Albert und Charlotte, die mittlerweile seit drei Monaten verheiratet sind, sowie Werther, der den Verlust Charlottes nicht überwinden kann. Albert spricht ihn direkt darauf an, Werther verleugnet jedoch seine Gefühle und versichert dem Paar seine Freundschaft. Als Sophie hinzutritt, nutzt Albert deren fröhliche Stimmung, um Werthers Interesse auf sie zu lenken. Werther nimmt Sophies Einladung zum Tanz nicht an, sucht stattdessen ein heimliches Gespräch mit Charlotte und erinnert sie an ihre romantische erste Begegnung. Charlotte verweist auf ihre Pflichten als verheiratete Frau und bittet Werther, sich für einige Zeit von ihr fernzuhalten. Mit dem Wunsch, er möge nicht vor Weihnachten zurückkehren, verlässt sie ihn. Werther zwingt sich, ihr zu gehorchen, weiß aber, dass auch die Distanz ihm nicht helfen wird. Eher will er sich umbringen, als auf die Liebe zu dieser Frau zu verzichten. Er verabschiedet sich von Sophie für immer. Während die Gäste das Jubiläumspaar feiern, berichtet Sophie verzweifelt der Schwester von Werthers endgültiger Abreise. Albert sieht sich in seinem Verdacht über Werthers Liebe zu Charlotte bestätigt; Charlotte kann es nicht fassen, dass sie Werther nie wiedersehen soll.

 


Dritter Akt

Es ist Heiligabend. Charlotte bereitet ihr erstes Weihnachtsfest mit Albert vor. Werther hat ihr aus seinem Exil mehrere Briefe geschrieben, die sie immer wieder liest. Ihr wird klar, dass auch sie ihn niemals wird vergessen können. Überraschend kommt Sophie und spürt sofort die Unruhe und Traurigkeit der grossen Schwester. Vergebens versucht sie, Charlotte ein wenig aufzuheitern, bevor sie zu ihrem Vater und ihren Geschwistern zurückkehrt. Wieder allein, bricht Charlotte an ihrer inneren Zerrissenheit zusammen.

Werther hat nicht die Kraft, seinen Vorsatz, Charlotte niemals wiedersehen zu wollen, einzuhalten und sucht sie im Hause ihres Mannes auf. Für kurze Zeit gedenken beide der schönen Stunden, in denen sie gemeinsam musizierten und Werke grosser Dichter gelesen haben. Als Charlotte Werther an die begonnene Übersetzung seines Lieblingsdichters Ossian erinnert, kommt es zum Verhängnis. Werther steigert sich derart rauschhaft in die Melancholie und Verzweiflung dieser Verse hinein, dass er Charlottes Anteilnahme als Liebesgeständnis missversteht und bedrängt sie, sich zu ihrer Liebe zu bekennen. Wieder siegt bei Charlotte ihr Pflichtbewusstsein, sie löst sich aus Werthers Umklammerung und stürzt davon. Werther sieht nun endgültig keinen Sinn mehr in seinem Leben und verlässt das Haus.

Albert kommt nach Hause. Er weiß von Werthers Rückkehr und findet seine Ehefrau in aufgelöstem Zustand vor. Als er sie zur Rede stellen will, kommt ein Bote, der einen Brief von Werther überbringt mit der Bitte, ihm seine Pistolen zu leihen. Albert zwingt Charlotte, die Pistolen auszuhändigen. Obgelich sie gehorcht, hofft Charlotte, das Schicksal doch noch aufhalten zu können...

 


Vierter Akt

Charlotte kommt zu spät: Werther hat sich mit der Waffe bereits schwer verwundet. Ihren Versuch, Hilfe zu holen, wehrt er ab, er möchte in ihren Armen sterben. Jetzt endlich findet Charlotte den Mut, Werther ihre Liebe zu gestehen. Die Stimmen von Charlottes Geschwistern, die man aus der Ferne das im Sommer einstudierte Weihnachtslied singen hört, erscheinen dem halluzinierenden Werther als Zeichen der himmlischen Vergebung. Mit der Bitte an Charlotte, ihn an seiner ersehnten Ruhestätte zu beweinen, stirbt Werther.

© Bayerische Staatsoper