Il turco in Italia - Inhaltsangabe

Il turco in Italia: Nino Machaidze, Chor der Bayerischen Staatsoper Il turco in Italia: Nino Machaidze, Ildebrando D'Arcangelo Il turco in Italia: Ensemble und Chor

Il turco in Italia

Gioachino Rossini
Felice Romani

 

Erster Akt

Die Handlung spielt in und bei Neapel

Der Dichter Prosdocimo hat den Auftrag, das Libretto einer komischen Oper zu schreiben, jedoch fehlt ihm der zündende Einfall. Als er die Ankunft einer Gruppe von Zigeunern beobachtet, entschließt er sich, seine Oper mit einem Zigeunerchor zu beginnen und verwirft seine ursprüngliche Idee, ein Stück über seinen Freund Don Geronio, dessen junge, launenhafte Frau Fiorilla mitsamt Liebhaber Don Narcisio zu verfassen.
Doch wie das Leben so will, sucht eben besagter Don Geronio, verzweifelt über die Capricen seiner Frau, das Zigeunerlager auf, um sich die Zukunft prophezeien zu lassen. Die junge Zaida und ihre Kolleginnen durchschauen die Biografie ihres Kunden und verspotten den gehörnten Ehemann.
Der Dichter, der die Szene beobachtet hat, interessiert sich zunehmend für Zaida und erfährt von ihr, dass sie ehemals die Favoritin eines türkischen Fürsten war. Dieser Fürste hätte sie jedoch in einem Eifersuchtsanfall zum Tode verurteilt, und seitdem lebt sie unerkannt unter Zigeunern in Begleitung des ihr treu ergebenen Albazar. Der Dichter verspricht Zaida, dass sie wieder mit ihrem Fürsten zusammen kommen wird.
Indessen beobachtet Fiorilla aufmerksam am Hafen von Neapel die Ankunft eines reichen Türken, der das italienische Leben kennen lernen will. Zwischen beiden kommt es erstaunlich schnell zur Kontaktaufnahme.
Der Ehemann Fiorillas, aber auch der als Hausfreund getarnte Narciso beraten mit dem Dichter, was angesichts der drohenden türkischen Gefahr zu tun sei. Der Dichter erfährt dabei, dass es sich bei der neuesten Bekanntschaft von Fiorilla um Selim Damelec handelt – eben gerade der ehemalige Geliebte Zaidas. Der Dichter weiß nun, dass er dem richtigen Stoff auf der Spur ist. Geronio und Narciso wehren sich eindeutig dagegen, als Opernfiguren ausgenutzt zu werden.
Fiorilla hat den Türken schon nach Hause eingeladen, um ihm italienischen Kaffee zuzubereiten. Don Geronio, von dem nicht minder eifersüchtigen Don Narciso aufgeheizt, kommt dazwischen, wird aber von seiner Frau angehalten, sich höflich und großzügig zu verhalten. Selim ist verwundert über italienische Ehemänner und ihre Frauen. Er nutzt die allgemeine Konfusion, um mit Fiorilla ein Rendevous am nächtlichen Hafen auszumachen. Fiorilla scheint kurz entschlossen zur Flucht mit dem Türken bereit.
Allein mit seiner Frau versucht Don Geronio, sie zur Rede zu stellen und ihr jeglichen häuslichen Umgang mit Türken und Italienern zu verbieten. Doch Fiorilla stimmt ihren Mann sehr schnell wieder romantisch, um ihm anschließend lautstarke Vorwürfe zu machen, wie ungerecht er mit ihr umgehen würde. Don Geronio ist hilflos.
Der Dichter, der leider sowohl die Ankunft des Türken als auch dessen Besuch bei Fiorilla verpasst hat, bleibt weiterhin Zaida auf der Spur. Zu seinem Dichterglück trifft Selim, der die Flucht mit Fiorilla plant, am nächtlichen Hafen auf Zaida und erkennt in ihr seine ehemalige Geliebte. Schnell sind alte Gefühle wieder geweckt, Fiorilla jedoch, zur Flucht und zu einem neuen Leben fern von Europa bereit, überrascht die beiden und fühlt sich verraten. Beide Frauen bestehen auf ihrem Anrecht auf Selim, und es kommt zu lautstarkem Streit, den auch alle anwesenden Herren nicht schlichten können.
Der Dichter ist begeistert. Besser kann der erste Akt einer opera buffa nicht schließen.


Zweiter Akt

Selim hat sich entschlossen. Er will Fiorilla in die Türkei bringen und möchte sie nach türkischem Brauch dem Ehemann abkaufen. Don Geronio, tatkräftig vom Dichter unterstützt, ist empört und fordert Selim zum Duell heraus.
Der Dichter bangt darum, dass sich die Lösung des Konflikts zu lange herauszögert. Auch eine erneute Konfrontation der beiden Frauen, die Fiorilla initiiert hat, führt zu keiner Entscheidung. Im Gegenteil, vor die Wahl gestellt, wird Selim nochmals wankelmütig. Fiorilla und Selim, beide schon gekränkt und enttäuscht in ihren Erwartungen, sind äußerst angespannt, fallen sich dennoch wiederum in die Arme, um erneut die Flucht zu beschließen. Der bevorstehende Maskenball soll den Plan begünstigen.
Der Dichter arrangiert nun, dass Zaida und Don Geronio in der gleichen Verkleidung wie Fiorilla und Selim auf das Fest kommen und dort den Fluchtplan vereiteln sollen. Don Narciso, der die heimliche Verabredung belauscht hat, entschließt sich ebenfalls, im Kostüm des Türken an Ort und Stelle zu sein.
Auf dem Ball hält Selim nun die verkleidete Zaida für Fiorilla, Fiorilla wiederum Don Narciso für Selim. Don Geronio, selbst als Türke verkleidet, weiß nicht, welches Paar er ins Visier nehmen soll. Die ganze Ballgesellschaft verspottet den verzweifelten, eifersüchtigen Ehemann.
Die Konfusionen auf dem Ball haben schließlich zur endgültigen Aussöhnung zwischen Selim und Zaida geführt. Der Dichter kann nun zur letzten Intrige ausholen. Er überredet – wissend, dass Selim keine Gefahr mehr darstellt – Don Geronio, seiner Frau mit Scheidung und allen Konsequenzen zu drohen. Fiorilla fühlt sich plötzlich von allen Männern betrogen und verlassen. Nun hat der Dichter erreicht, was er wollte: Fiorilla bereut und einem moralischen Ende steht nichts mehr im Wege. Auch das italienische Ehepaar versöhnt sich, selbst der Hausfreund verspricht, nurmehr Hausfreund zu bleiben, und alle Beteiligten scheinen vom Leben gelernt zu haben und fortan auf allzu riskante Lebensausflüge zu verzichten.

Christof Loy

© Bayerische Staatsoper