L'Enfant et les sortilèges / Der Zwerg - Inhaltsangabe

L'Enfant et les sortilèges: Laura Tatulescu Der Zwerg: Hanna-Elisabeth Müller, John Daszak L'Enfant et les sortilèges: Yulia Sokolik, Kevin Conners

L'Enfant et les sortilèges / Der Zwerg

Maurice Ravel /
Alexander Zemlinsky

L'Enfant et les sortilèges
Fantasie lyrique in zwei Teilen
Dichtung von Colette

Der Zwerg
Ein tragisches Märchen in einem Akt
Text von Georg C. Klaren frei nach Oscar Wildes Der Geburtstag der Infantin

 

L’Enfant et les sortilèges

Das Kind möchte keine Schularbeiten machen, sondern lieber unartig sein. Als seine Mutter dies bemerkt, lässt sie es zur Strafe den ganzen Nachmittag allein in seinem Zimmer bei ungesüßtem Tee und trockenem Brot. Kaum ist die Mutter gegangen, bricht im Kind eine Zerstörungswut aus: Es zerschlägt das Teegeschirr, zerstört Möbel, zerschlitzt die Tapete, piesackt die Haustiere und entfacht das Kaminfeuer. Als es berauscht von seiner Wut innehält, beginnt eine albtraumhafte Phantasie, in der die Gegenstände und Tiere menschliche Züge annehmen.

Der Sessel und die Bergère sind froh, dem gemeinen Kind keinen Platz mehr bieten zu müssen. Die Standuhr kann nicht mehr aufhören zu läuten und normal die Stunden zählen. Die Wedgwood-Teekanne und die chinesische Tasse streiten sich und gehen aufeinander los. Nur kurz kann das Kind den Verlust seiner schönen Tasse beklagen, dann springt das Feuer funkelnd aus dem Kamin heraus und droht das Kind zu verbrennen. Angstvoll muss das Kind mit ansehen, wie Schäferinnen und Schäfer von seiner Tapete vorbeiziehen und die Zerstörung ihrer friedlichen Harmonie beklagen. Aus den zerrissenen Seiten des Märchenbuchs steigt die Prinzessin auf, in der das Kind im Traum seine erste Liebe erkannt hat. Das Kind versucht, die versinkende Prinzessin zurückzuhalten und die Liebe zwischen ihnen zu retten – vergeblich. Stattdessen erscheinen ein kleiner Mann und wild durcheinander gewürfelte Zahlen, die dem Kind Satzfetzen von Rechenaufgaben aus dem Mathematikbuch an den Kopf werfen.

Völlig ermattet erblickt das Kind den Kater, der mit der Katze ein erotisches Duett anstimmt. Auf wundersame Weise findet sich das Kind im Garten wieder, wo zahlreiche Tierlaute und ein Chor von Fröschen zu hören sind. Doch die friedliche Naturstimmung wird von der Klage der Bäume jäh beendet, deren Rinde das Kind aufgeritzt hat. Eine Libelle sucht ihre Gefährtin, die das Kind jedoch mit einer Nadel an die Wand gespießt hat. Auch der Fledermaus hat es ihre Partnerin genommen. Das Eichhörnchen wirft dem Kind vor, es nur wegen seiner schönen Augen in den Käfig gesperrt zu haben, und warnt den Laubfrosch vor einem ähnlichen Schicksal. Das Kind spürt die Liebe der Tiere zueinander und ruft alleingelassen nach seiner Mutter. Alle Tiere verbünden sich gegen das böse Kind und stacheln einen wilden Kampf an, bei dem das Eichhörnchen verletzt wird. Als das Kind dessen Wunde liebevoll verbindet und selbst regungslos am Boden liegen bleibt, sind die Tiere gerührt und rufen gemeinsam nach dessen Mutter.

Der Zwerg

Zum achtzehnten Geburtstag der Infantin wird ein großes Fest vorbereitet: Unter Anleitung des Haushofmeisters Don Estoban werden die Geschenke aufgebaut. Die Zofen lassen sich durch Neugier immer wieder von ihrer Arbeit abhalten, Don Estoban ruft sie zur Ordnung. Schon vor Beginn der Zeremonie drängt die Infantin mit ihren Gespielinnen zu den Geschenken und entfacht ein kämpferisches Getümmel. Nur durch intensives Bitten gelingt es Don Estoban, die Infantin und die Damen zu vertreiben. Erleichtert erzählt er den Zofen von den einzelnen Geschenken und kündigt ein ganz besonderes an: Ein lebendiger Zwerg, der die Gesellschaft mit seinen Liedern erheitern soll. Er sei hässlich, doch davon wisse er nichts, weil er sich noch nie im Spiegel gesehen habe. Sämtliche Spiegel werden daraufhin verhängt.

Der Höhepunkt der Zeremonie ist der Auftritt des Zwergs. Dieser verwundert mit seinem traurigen Lied die Gesellschaft, die sich über ihn lustig macht. Die Infantin möchte den Zwerg mit einer ihrer Damen verheiraten, doch dieser verehrt allein sie. Berührt von seinem aufrichtigen Gefühl schickt die Infantin alle Anwesenden fort, um mit dem Zwerg allein zu sein. In einer Phantasie sieht er sich als strahlender Ritter, der die Infantin aus allen Gefahren befreit. Sie stellt ihn sich als wohlgestalteten Helden vor. Beide gestehen sich ihre Liebe. Als er sie küssen möchte, wird die Infantin von ihrer Lieblingszofe Ghita zum Tanz gerufen. Nachdem sie dem Zwerg versprochen hat, mit ihm zu tanzen, fordert sie Ghita auf, ihm einen Spiegel zu zeigen. Doch Ghita bringt dies nicht übers Herz. Beim Tanz schenkt die Infantin dem Zwerg eine weiße Rose. Allein mit sich selbst, erblickt sich der Zwerg in einem Spiegel und muss erkennen, dass er anders als in seiner Vorstellung ist. Beim Kampf mit seinem Spiegelbild sinkt er erschöpft zusammen. Als die Infantin wiederkommt, bezeichnet sie ihn als lachhaftes Ding und geht schließlich zurück zum Tanz. Die herbeieilende Ghita kann ihm nur noch die Bitte erfüllen, mit der weißen Rose im Arm zu sterben.