Die Fledermaus - Inhaltsangabe

Johann Strauß: Die Fledermaus Johann Strauß: Die Fledermaus. Gabriele Schnaut, Michaela Kaune, Thomas Mohr Johann Strauß: Die Fledermaus. Martin Gantner, Diana Damrau

Die Fledermaus

Johann Strauß
Richard Genée nach Henri Meilhac und Ludovic Halévy/Karl Haffner

 

I. Akt. Verwirrung der Gefühle

Im Hause Gabriel von Eisensteins ist der Ausnahmezustand ausgebrochen:

Der längst verschollen geglaubte, voreheliche Verehrer seiner Frau Rosalinde zieht alle Register seiner Stimm- und Verführungskunst, die ihm als Tenor zur Verfügung stehen – nomen est omen, denn schließlich heißt er Alfredo und die Angebetete hat eben doch nur einen Bariton geheiratet … Nach Jahren der Abstinenz erscheint der Italiener nun in diesem verschlafenen Badeort.

Adele, Stubenmädchen mit Stubenmädchenschicksal, ist außer sich: Endlich bietet sich eine Gelegenheit, ihrem Dienstbotenalltag zu entrinnen. Sie hat einen Brief mit einer Einladung zu dem Fest beim Prinzen Orlofsky am selben Abend erhalten – Absender: ihre Schwester Ida. Aber wie kann sie Ausgang bekommen? Sie muß strategisch vorgehen und läßt ihre arme alte Tante für ein paar Stunden todsterbenskrank und pflegebedürftig werden.

In dubio pro reo? Zornentbrannt kommt Gabriel von Eisenstein von einer Gerichtsverhandlung nach Hause, in der er wegen Beamtenbeleidigung für schuldig befunden wurde. Das Plädoyer seines Rechtsanwaltes Dr. Blind führte sogar zu einer Verschärfung der Strafe. Eisenstein muß nun statt fünf Tagen acht Tage hinter Gittern verbringen. Allein die Alternative zum Arrest, die ihm sein Freund Dr. Falke vorschlägt, vermag Eisenstein zu beruhigen: Während Rosalinde meint, er trete bereits am selben Abend die Gefängnisstrafe an, bleibt ihm die Gnadenfrist einer durchzechten Ballnacht beim Prinzen Orlofsky bis zum Antritt der Strafe am nächsten Morgen. Für weibliche Begleitung unter Ausschluß der Ehefrau wird gesorgt …

Und die verlassene Ehefrau? Rosalinde kann nun endlich in aller Ruhe ihren Tenor erhören. Doch das Tête-à-tête findet ein jähes Ende: Gefängnisdirektor Frank vollzieht persönlich seine letzte Amtshandlung, bevor auch er auf das Fest des Prinzen Orlofsky geht: Er inhaftiert Alfredo im Glauben, es handele sich um Gabriel von Eisenstein. Der Verhaftete übernimmt stellvertretend die Rolle des Ehemanns, um die Ehre Rosalindes nicht zu gefährden, und wird von Frank ins Gefängnis abgeführt.

 

II. Akt. Die Rache einer Fledermaus

Prinz Orlofsky läßt sich einen Spaß, über den er endlich einmal wieder lachen kann, etwas kosten – alles langweilt ihn. Deshalb inszeniert Falke für ihn eine Komödie, deren handelnde Personen er selber zu dem Fest eingeladen hat, ohne daß diese von ihrem Part wissen. Der Name des Stückes? »Die Rache einer Fledermaus«, mit der sich Falke für eine durch Eisenstein erlittene Blamage rächen will.

Adele trifft auf Ida, die leugnet, ihr jemals einen Brief geschrieben zu haben, aber verspricht, sie als Schauspielerin mit dem Namen Olga einzuführen. Ihr Talent bekommt auch Eisenstein alias Marquis Renard zu spüren, und er zieht den Spott der gesamten Gesellschaft auf sich mit der Behauptung, Olga sei sein Stubenmädchen.

Eisenstein verbrüdert sich, ohne zu wissen, mit wem er es zu tun hat, mit dem Gefängnisdirektor Frank alias Chevalier Chagrin. Rosalinde erscheint auf die Mitteilung Falkes, ihr Mann amüsiere sich auf dem Feste, statt im Arreste zu schmachten, in Verkleidung einer ungarischen Gräfin. Eisenstein, fasziniert von der vermeintlich Fremden, versucht, die eigene Frau mit seinem speziellen Uhrentrick zu verführen. Statt seinen ihr wohlbekannten Verführungskünsten zu erliegen, erbeutet sie die Uhr als Beweisstück.

Proportional zum Champagnerkonsum schwinden die Berührungsängste unter den Gästen und kulminieren in einer kollektiven Verbrüderung. Doch die Uhrenschläge beenden abrupt weitergehende Ausschweifungen – sechs Uhr morgens, höchste Zeit für die Herren Eisenstein und Frank, ihren Arrest bzw. ihren Dienst anzutreten.

 

III. Akt. Champagner hat’s verschuldet

Italienische Arien treiben den Gefängniswärter Frosch in den Wahnsinn. Sliwowitz contra Puccini: Die notorische Lärmbelästigung des inhaftierten Tenors läßt Frosch zum Äußersten gehen – doch Sänger kann man nicht erschießen …

Kaum ist der Gefängnisdirektor nach der durchzechten Nacht an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt, sprechen auch schon Ida und Adele bei ihm vor. Nach einer Kostprobe ihres Talentes verspricht er, Adele als Schauspielerin ausbilden zu lassen.

Als Eisenstein seinen Arrest antreten will, muß er feststellen, daß ein ihm unbekannter Stellvertreter statt seiner Person bereits einsitzt. Ein fürchterlicher Verdacht drängt sich ihm auf: Sollte etwa seine Frau, während er seinen Arrest abbüßt, Gleiches mit Gleichem vergelten?

Um den Beweis zu erbringen, entkleidet er zunächst den ins Gefängnis bestellten Dr. Blind, um sich dann als dieser zu verkleiden. Inzwischen trifft auch Rosalinde im Gefängnis ein und versucht, mit dem juristischen Beistand Dr. Blinds alias Eisenstein den fälschlich Inhaftierten aus der prekären Situation zu befreien. Die Verteidigung enttarnt sich als Anklage. Bevor sich der Ehemann dem Rausch der blinden Eifersucht vollends hingeben kann, stellt Falke den Getäuschten vor der inzwischen eingetroffenen Festgesellschaft bloß.

Ende gut, alles gut – Falke hat sich gerächt und Orlofsky sich amüsiert. Rosalinde verzeiht ihrem Gabriel, und Adele steht eine Karriere als Schauspielerin bevor …


Kerstin Pöhler

© Bayerische Staatsoper