Limb's Theorem - Inhaltsangabe

Limb's Theorem von William Forsythe Limb's Theorem: Séverine Ferrolier Limb's Theorem

Limb's Theorem

Ballett von William Forsythe. Musik von Thom Willems

 

Uraufführung am 17. März 1990 beim Ballett Frankfurt
Erstaufführung beim Bayerischen Staatsballett am 7. Dezember 2004 im Nationaltheater München


 

Das dreiteilige reine Tanzstück Limb's Theorem, das 1989-1990 entstand, ist eine spannende Demonstration der uneingeschränkten Möglichkeiten des Ballettvokabulars und der erfinderischen Gestaltung der Beziehung zwischen Tanz und der Wahrnehmung des Zuschauers. In der Mitte der Bühne stehen große, architektonische Objekte (von Forsythe und Michael Simon), die den Bühnenraum auf-/zerteilen und durch die Bewegung der Objekte verändern; die Bewegung taucht aus dem Dunkeln auf, einzelne Körper schälen sich aus einem Spinnennetz aus Armen und Beinen in eine kontinuierliche Vermehrung und Verteilung von Pas de deux, Soli, Trios und Gruppentänzen.

Im zweiten Teil Enemy in the Figure ist die Synthese von Funktionalität und Phantasie/Imagination der Grund für außergewöhnlich schöne Bilder: ein Seil pulsiert über dem Boden, Energiequelle und Sender geheimer Botschaften; ein mobiles, auf Rädern fahrendes Flutlicht weitet und verengt den Raum, setzt die Tänzer in einen grellen Schein oder verdunkelt sie mit tiefen Schatten, die die nur kurz andauernde Schönheit ihrer Bewegungen noch unterstreichen; eine Leinwand teilt den Raum,  wie eine aufgestellte Welle diagonal in die Bühne gebaut ; ihre Oberfläche spiegelt sich, ist Grenze und ein Refugium für die Tänzer, die aus der Dunkelheit herausbrechen und in ihr verschwinden wie Eruptionen/Ausbrüche aus dem Unterbewusstsein, herumwirbelnde Körper.

"In den besten Fällen (...), wie z.B. dem kompletten Limbs´s Theorem (...)sind Forsythes Stücke eine wundervolle Einheit von Geist und Körper, Intellekt und Theater, unzweifelhaft dem Besten zuzurechnen, was der Tanz am Ende des 20. Jahrhunderts zu bieten hat." (Jochen Schmidt, Magazin FAZ)

Limb’s Theorem beginnt ruhig. Die Bühne ist dunkel. Nur die Silhouette einer riesigen, einem Segel ähnlichen Skulptur ist zu sehen, unter der sich – und das können die Zuschauer im Parkett gerade noch erkennen – einige Tänzer bewegen. Das Licht kommt von links und reicht gerade zur Beleuchtung dieser Bühnenseite. Je mehr sich das Tempo der Klanginstallation von Thom Willems steigert, umso mehr Tänzer kommen auf die Bühne. Manchmal kann man nur die nackten Arme der Tänzerinnen erkennen (die Betonung der Arme wird durch das Kostüm unterstützt: schwarze, ärmellose Trikots, schwarze, durchsichtige Strumpfhosen und schwarze Spitzenschuhe). Durch das Drehen des Segels wird der Bühnenraum und die Beleuchtung verändert.
Im zweiten Bild wird die Bühne durch ein  großes, gewelltes Wandelement geteilt. Ein weißes Seil spiegelt den Rhythmus der Musik und die Energie auf der Bühne wider, indem es von den Tänzern manipuliert und dadurch in Bewegung gesetzt wird. Das Licht wird heller und die Energie intensiver.
Im dritten Teil heben und senken sich gewaltige Scheinwerfer und ein Element, in seiner Form dem Dach eines Weltraumteleskops ähnlich, bewegt sich über die Bühne.
In Solos, Quartetten, Trios und Duetten strecken sich die Tänzer in den Raum, ziehen sich in sich zurück, drehen sich, kommen zusammen, gehen auseinander und treffen wieder aufeinander. Sie rennen, sie gehen und sie werfen sich gegen Wände, während sie die Dynamik ihrer Bewegungen oft innerhalb eines Wimpernschlages verändern. Forsythe nutzt das klassische Ballettvokabular, allerdings nur als Ausgangspunkt; man kann den Beginn einer Bewegung sehen, bevor sie fließend in eine andere übergeht. Die Arme der Tänzer sind konstant in Bewegung und geben Impulse für die nächsten Schritte.
Keine Vorstellung von
Limb’s Theorem ist wie die andere, denn die Tänzer improvisieren abenteuerlich frei, andererseits innerhalb eines vorgegebenen Konzepts. […].
(Diane Baker, Taipei Times, 20. Oktober 2006)