Rothschilds Geige/Die Entscheidung/Herzland

Rothschilds Geige: Sergei Leiferkus (Bronze) Die Entscheidung: Andreas Christ (Peter Schok) Herzland: Urban Malmberg (Paul), Anna Radziejewska (Gisèle)
Sarah Nemtsov /
Benjamin Fleischmann u. Dmitri Schostakowitsch /
Hanna Krall

Zwei Kammeropern und eine Erzählung blicken auf drei ganz unterschiedliche fiktive und reale Biographien, die alle von einem Schwanken zwischen Glauben und Zweifel, zwischen Selbstbestimmtheit und Schicksalsergebenheit, Erfahrung von Verlust und Endlichkeit und der Lust nach Lebendigkeit gezeichnet sind.

Die Oper Rothschilds Geige des im 2. Weltkrieg gefallenen Komponisten Benjamin Fleischmann, vervollständigt und orchestriert von seinem Lehrer Dmitri Schostakowitsch, basiert auf einer Kurzgeschichte Anton Tschechows. Der Sargmacher Jakow Matwejewitsch Iwanow, genannt Bronze, hilft als Geiger im jüdischen Orchester seines Städtchens aus, das bei Hochzeiten aufspielt. Ständig zankt er mit dem Flötisten Rothschild: Noch die fröhlichste Melodie tauche der in tiefste Traurigkeit. In seinem Groll verlässt Bronze das Orchester. Als seine Frau Marfa stirbt, erscheint ihm das menschliche Leben sinnlos. Doch wandelt sich sein Blick auf die Welt: Er, der sein Dasein ganz auf die Arbeit ausgerichtet hat, bemerkt plötzlich, dass er die Jahre vorüber hat ziehen lassen, ohne am Glück teilzuhaben. Er überlässt seine Geige Rothschild, der auf ihr ganz andere Töne erklingen lässt.

Hanna Krall erinnert sich in einer Erzählung an den an Aids erkrankten Freund eines Freundes: Peter Schock, ein kultivierter Mensch, der ihr aber fremd blieb. Als seine Krankheit unheilbar fortschreitet, wählt der den Weg der Euthanasie und arrangiert bis ins kleinste Teil seinen feierlichen Abschied. Irgendwo zwischen Bette Midler und seiner Identifikation mit dem europäischen Judentum schafft er sich auf kitschige und doch menschliche Weise einen Abglanz von Glauben. Die Entscheidung über Leben und Tod liegt trotz allem nicht in den Händen dieses Menschen, er wählt, wie die Autorin resümiert, nur „Datum, Musik und Menü.“

Für die Kammeroper Herzland griff die 1980 geborene Komponistin Sarah Nemtsov auf den Briefwechsel zwischen dem Dichter Paul Celan und seiner Frau Gisèle Celan-Lestrange zurück. Sie zeigt verschiedene Stationen dieser Beziehung, die trotz der tiefen Liebe zwischen den beiden und zu ihrem gemeinsamem Sohn an den inneren Konflikten des Schriftstellers zerbricht und die Celan, dem nach Krieg und Holocaust Unbehausten, keine Heimat bieten kann.



Eine Koproduktion mit dem Orchester Jakobsplatz München
 
Termin

Freitag, 4. Februar 2011
Marstall
20.00 - ca. 22.00 Uhr
€ 38.-
Freier Verkauf

 
Besetzung

Herzland

Musikalische Leitung Daniel Grossmann
Inszenierung Miron Hakenbeck
Bühne Mirko Hensch
Kostüme Regine Brandl
Video Manuela Hartel
Licht Thomas Wendt

Gisèle Anna Radziejewska
Paul Urban Malmberg
Orchester Orchester am Jakobsplatz

Rothschilds Geige

Musikalische Leitung Daniel Grossmann
Inszenierung Miron Hakenbeck
Bühne Mirko Hensch
Kostüme Regine Brandl
Video Manuela Hartel
Licht Thomas Wendt

Jakow Matwejewitsch Iwanow (genannt Bronze) Sergei Leiferkus
Rothschild George Humphrey
Moissej Iljitsch Schachkes Dean Power
Marfa Heike Grötzinger
Markus Hagenbucher
Fritz Laubscher
Masumi Miura
Maximilian Mühlbauer
Elmar Panzer
Hans Seeberger
Rudolf Steger
Olivier Thomazo
Orchester Orchester am Jakobsplatz

Die Entscheidung

Inszenierung Miron Hakenbeck
Bühne Mirko Hensch
Kostüme Regine Brandl
Video Manuela Hartel
Licht Thomas Wendt
Sounddesign Felix Leuschner

Peter Schok Andreas Christ
Die Autorin Sabine Kastius
Gabriel Markus Schmädicke
Michael Sebastian Schulik
Raphael Marco Montoya
Der Arzt Alexander Keil