Ring-Matinee 2: Arbeit

Richard Wagner (Illustration von Sebastian Hammwöhner und Gabriel Vormstein)

Ganz praktisch charakterisiert der Wagner-Verehrer Thomas Mann in Leiden und Größe Richard Wagners sein Idol durch die Formel Arbeit: „Es ist Solidität, bürgerliche Arbeitsakkuratesse, wie sie sich in seinen keineswegs hingewühlten, sondern höchst sorgfältig-reinlichen Partituren spiegelt“.

Auch im Ring des Nibelungen spielt Arbeit eine zentrale Rolle. Mit der Entwicklung zur industrialisierten Gesellschaft im 19. Jahrhundert wurde das dialektische Verständnis von Arbeit ungeheuer drängend: Der Freiheit zur Arbeit als Selbstverwirklichung des Menschen steht die Notwendigkeit gegenüber, sich durch Arbeit die Grundbedürfnisse des Lebens zu erfüllen. Die Antike konnte Arbeit – so lange man frei und ohne Geldsorgen lebte – noch idealisieren, und Aristoteles meinte immerhin: „Denn manches kann man für sich selbst oder seine Freunde oder um der Tugend willen tun, ohne dass es für einen freien Mann unschicklich wäre; wenn man aber ganz dasselbe für andere tut, wird man häufig als jemand gelten, der Tagelöhner- und Sklavenarbeit verrichtet.“ Spätestens mit dem durch Marxismus geschulten Arbeiterproletariat der Gründerzeit führt die Last und Unterdrückung zur Spaltung der Gesellschaft: „He! An die Arbeit! Alle von hinnen! Hurtig hinab!“ Wie ein moderner Sklavenhalter spornt Alberich seine Untergebenen an – Wagners Ring verwickelt aktuelle Fragen seiner Zeitgenossen in seinen Menschheitsmythos und formuliert Arbeit in Wechselwirkung mit Macht.

„Ganz ohne Lohn?“ muss der ausgebeutete Mime seinem Bruder entgegenschleudern – ohne Erfolg. Egal welche konkreten Parallelen der Werkinhalte man in unserer Gesellschaft sucht und findet – das Thema Arbeit ist und bleibt ein vielschichtiger Dauerbrenner.

 
Termin

Sonntag, 26. Februar 2012
Nationaltheater
11.00 Uhr
€ 10.-
Alle sieben Ring-Matineen im Paket € 56.- (20% Rabatt gegenüber dem Einzelkauf) zzgl. € 3.- Bearbeitungsgebühren
 


Gäste u.a.
Prof. Dr. Armin Nassehi (Lehrstuhl für Soziologie, LMU)
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Küpper (Vorstand des Instituts für Produktionswirtschaft und Controlling)
Michael Glawogger (Filmregisseur)
Felix Leuschner (Komponist)

Mit
Hermann Holler, Dieter Pöll (Schlagwerk), Andreas Bauer, Kilian Krieg, Tobias Schellakowsky, Christian Wurzbacher, Hussein Zarabi (Bühnentechnik), Axel Bauer, Sandra Lau, Daniela Neuhaus (Requisite), Tessa Jones (Repertoireschneiderei)

Moderation
Martina Stütz
Miron Hakenbeck