Remdoogo – Via Intolleranza II

Christoph Schlingensief: Remdoogo - Via Intolleranza II Christoph Schlingensief: Remdoogo - Via Intolleranza II Christoph Schlingensief: Remdoogo - Via Intolleranza II
Christoph Schlingensief

Hat das Wort Intoleranz auf dem afrikanischen Kontinent überhaupt eine Bedeutung? Oder handelt es sich, wenn wir dieses Thema in eine deutsch-afrikanische Zusammenarbeit bringen, wieder um eines unserer humanistischen Steckenpferde, mit dem wir von unserer eigenen Intoleranz ablenken und unser ethnozentristisches Denken legitimieren? Aber auch diese Rede von unserer eigenen Intoleranz gegenüber anderen greift wahrscheinlich zu kurz. Weil das Hauptproblem die Intoleranz gegenüber uns selbst sein könnte, dass wir uns selbst gegenüber lebenslänglich intolerant sind. Dass wir uns zugunsten von Konventionen und Klischees als singuläre Lebewesen verabschiedet haben. Und dass dieser Singularitätsanspruch selbst auch zutiefst fragwürdig ist. Dass wir in einer heillosen Verstrickung aus Spektakel und Rationalisierung existieren, dass unsere Existenz jeden festen Boden verloren hat. Warum wollen wir ständig dem afrikanischen Kontinent helfen, obwohl wir uns selber nicht helfen können? Was kann das Ziel einer Zusammenarbeit sein, wenn sie ohne jegliche Hilfsideologie und Sentimentalität auskommen muss? Schlingensiefs Standpunkt gleicht in der gegenwärtigen Phase seines Schaffens einem Offenbarungseid: die Erkenntnis der Überflüssigkeit der eigenen Interventionen – und dadurch, das ist seine Hoffnung, endlich die Chance auf eine realistische Begegnung. Christoph Schlingensief versucht den Überdruss an der eigenen Lebensform nicht mehr mit der projektiven Idealisierung Afrikas zu kompensieren. Er entwirft mit Remdoogo – Via Intolleranza II das paradoxe musikalische Bilder- und Dunkelphasenszenario einer utopischen Vereinigung durch das Misslingen hindurch. Es wird präsentiert von zwölf Schauspielern, Tänzern und Musikern aus Burkina Faso und Europa und dem Fönix-Orchester unter der Leitung von Arno Waschk.

 
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