Die verkaufte Braut

Ulrich Reß, Irmgard Vilsmaier Petra-Maria Schnitzer, Peter Seiffert Die verkaufte Braut
Inszenierung

Bedrich Smetana
Karel Sabina

Premiere am 16. Mai 1997 im Nationaltheater

 

Thomas Langhoff. Aus Liebe

"Das Volk ist nicht tümlich«, sagt Brecht. Das sollte man bedenken, wenn man auf diese gefühl-, geheimnis-, realitäts- und wundervolle Oper schaut. Gequält und verstümmelt, entstellend übersetzt, zur Operette und zum »Musikantenstadl« deformiert – trotz allem behauptet sich dieses Kunstwerk durch die Zeiten und leuchtet klar und wahr. Die lokale Oper wird Weltoper; Polka, Reggae oder Blues, sie kommen aus dem Boden einer Region, sind Ausdruck einer bestimmten Landschaft, einer bestimmten Gruppe. Und auf einmal fliegen sie davon.

 

Die Geschichte von Marenka, der Braut, die beinahe verkauft wird, ist simpel und überschaubar, zeit- und räumlich gebunden und zugleich auch zeit- und raumlos. Wie vielschichtig aber und kompliziert sind die musikalischen Strukturen, wie reich und geheimnisvoll ist das Geschehen in diesem Mikrokosmos eines Dorfes, in dem sich das ganze Leben spiegelt. Liebe und Geld heißen die Gegenspieler, dazwischen »kleine Leute« mit ihren Sorgen, Widrigkeiten, Sehnsüchten. Und die sind genau so groß wie bei Königinnen und Königen.
 

Nur nett und fröhlich sind sie nicht, die Dörfler. Habgier, Eitelkeit und Egoismus halten diese Geschichten immer auch am Rand eines Abgrunds. Nachher geht’s gut aus. Aber tut’s das wirklich? Viele Fragen stellen sich. Unsere Aufführung versucht, die Geschichte ernst zu nehmen. Aus Liebe.