Trouble in Tahiti

Leonard Bernstein: Trouble in Tahiti. Beth Clayton, Rodney Gilfry Leonard Bernstein: Trouble in Tahiti. Rodney Gilfry, Statisten Trouble in Tahiti. R. Gilfry, B. Clayton, M. Becker, J. Behrens, A. Brower, T. Boyce
Inszenierung

Leonard Bernstein


 

Regisseur Schorsch Kamerun im Gespräch mit dem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Schorsch Kamerun Trouble in Tahiti spielt in den 50er Jahren, in den USA, in der Vorstadt. Das erste Mal ist für eine breite Bevölkerungsschicht im materiellen Sinne alles vorhanden. Die beiden Protagonisten Dinah und Sam besitzen ein kleines Häuschen mit Vorgarten, vollelektrischer Küche und Auto. Auch das mit dem Kind hat geklappt. Aber sie haben einen Fehler begangen, nämlich zu glauben, das reicht.

Wolfgang Schmidbauer Die Illusion, die Bernstein hier beschreibt, ist eigentlich sehr prophetisch. Viele Paare geraten in eine Krise, wenn sie alles haben. Wenn das Haus gebaut, das Kind entstanden ist, dann wird es schwierig mit der Beziehung.

SK Weil man nicht mehr auf dem Weg ist.

WS Die Tatsache, zu einem Zustand unterwegs zu sein, lässt viel mehr Spielraum für Idealisierungen und Utopien. Die meisten Menschen fühlen sich besser, wenn sie zu einem Zustand unterwegs sind, den sie für glücklich halten, nicht mehr aber, wenn sie den Zustand erreicht haben.

SK Wenn das Ziel erreicht ist, muss mit dem Vorhandenen umgegangen werden. Alles hin zu bekommen, ist leider nicht der Garant für Glück, dafür, dass sich dieser Zustand gut anfühlt.

WS Es gibt kein dauerhaftes Glück. Wir sind nur in der Lage, den Kontrast zu genießen. Wer sich nach dauerndem Glück sehnt und denkt, dass andere dieses Glück haben, ist auf dem besten Weg ins dauernde Unglück. Nur die Entladung angespannter Erwartungen wird mit Glücksgefühlen verbunden, ein stabiler Zustand nicht. Aus China stammt die Definition: Glück ist die Abwesenheit von Schmerz. Eine Definition, die uns langweilig erscheint. Für mich ist die chinesische Definition psychologisch zutreffender als die Glücksphantasie, die in Europa verbreitet ist. Diese hat etwas Manisches: Glück beruht auf Verleugnung der Realität. Unterwegs sein, im positiven Sinn, ist erstrebenswert. Sehr viele Menschen sind negativ unterwegs, nämlich all jene, die Angst davor haben, das zu verlieren, was sie im Moment besitzen.

SK Zu glauben, Glück erreichen zu können, ist eine fatale Täuschung. Aber wir leben in einer Glücksindustrie, die nichts anderes macht, als uns mit Glücksbehauptungen zu versorgen. Sie verkauft Zustände, in die wir uns begeben sollen. Der Kapitalismus hat sich dahin entwickelt, alles, was für ihn funktioniert, und vor allem was ihn am Funktionieren hält, auch bereit zu halten. In den 50er Jahren hatte dies seinen Anfang: das Materielle besaß damals eine große Attraktivität, weil es neu war.

WS Der Vorstadtbürger erhebt sich sozusagen wie ein Phönix aus der Asche der Arbeiterklasse. Ich verstehe das als die amerikanische Variante des Mittelschichtideals. Sie führt die Tradition der Landnahme am Rand der Städte fort. Man hat ein Haus mit Garten, ist aber auch jeden Tag unterwegs.

SK Jeder konnte vom Gefühl her seine eigene kleine Farm haben. Das war neu. Aber dieser neue, materiell abgesicherte Zustand machte trotzdem nicht glücklich.

WS Betroffen von dieser Unzufriedenheit waren damals vor allem die Frauen. Das ist das Prophetische an Bernsteins Oper: Die so genannten grünen Witwen, unzufrieden und frustriert wie Dinah, wurden erst später auch von den Psychologen und Soziologen als Problemgruppe entdeckt. Es gibt sie immer noch – man denke an die Fernsehserie Desperate Housewives. Das alles ist in Trouble in Tahiti zu finden, diese überoptimale Vorstellung von Glück, die dicht an Verzweiflung grenzt. Die manischen Visionen spiegeln sich in dem Film, den sich Dinah anschaut – die Südsee als der Traum vom Paradies.

SK Was eben immer nur ein Traum sein kann. Man kann sich nicht darauf verlassen, immer abgeholt, gerettet zu werden. Das, was Bernstein beschreibt, ist ein bisschen die Ursuppe vom Heutigen. Doch heute stehen wir woanders: Durch die Subjektivierung muss man sich ständig noch viel mehr selbst, auch in der Öffentlichkeit, präsentieren. In Bernsteins Oper ist das noch nicht oder nur in Ansätzen vorhanden.

WS Die Paare heutzutage sind auch insofern weiter, als dass es nicht mehr in diesem Maße selbstverständlich ist, als Frau zu Hause zu bleiben, beim Kind.

SK Derzeit ist aber doch auch eine rückläufige Tendenz zu beobachten. Die Jugend wünscht sich wieder traditionellere Werte, weil man Schwierigkeiten hat, sich mit den tausend Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen, in der Welt zu verorten. Man hat Schwierigkeiten mit der Supermobilität – auf allen Ebenen. Es gibt eine in Deutschland gerade sehr erfolgreiche Band, Silbermond, mit einer jungen Sängerin. In deren Song Irgendwas bleibt heißt es: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schnellen Zeit, irgendwas, das bleibt.“ Als ich so alt war, da wollte ich das genaue Gegenteil. Da wollte ich Aufbruch...

WS ...mehr wie im Bob Dylan-Song „Go Away From My Window“. Der Mensch oszilliert immer zwischen Angst und Neugier. Das Grundmodell sieht folgendermaßen aus: Die ersten Schritte des Kindes führen immer von der Mutter weg, sind mit Entdeckung, mit dem Hineingehen in die Welt verbunden. Wenn es zuviel Neues gibt, wenn es gefährlich wird, kehrt das Kind zur Mutter zurück. Je verlässlicher die Rückkehrmöglichkeit zur Mutter ist, desto besser kann ein Kind die Welt differenzieren. Jemand, der bei Problemen nicht das Gefühl hat, zu den Eltern zurückkehren zu können, ist auch psychologisch eher gefährdet. Er kann in andere Abhängigkeiten geraten, muss sich selbst helfen, mit eigenen Mitteln. Droge, Betäubung, Rausch sind solche gefährlichen Hilfsmittel, um Ruhe und Sicherheit zu finden. Der Rausch ist das Streben, subjektiv alles im Griff zu haben.

SK Man verliert sich. Und man fühlt sich normaler vor und in der Welt.

WS Man fühlt sich überlegen, man hat keine Angst mehr, hat alle diffusen Abhängigkeiten durch einen konkreten Stoff ersetzt.

SK Im ersten Moment scheint das natürlich eine angenehme Lösung zu sein, nur leider wissen wir, dass der Rausch auf Dauer sowieso nicht hilft – klar! Aber ich kann für solche Versuche der Problemlösung immer Verständnis aufbringen. Das ist oft mit Jugendbewegungen verknüpft, hängt mit der Suche nach Identität zusammen – man schafft sich seine eigene Identität durch äußere Merkmale und zeigt, jemand anderes werden zu wollen. Ich bin Punker gewesen. Punk war in meiner Jugendzeit eine sehr gut funktionierende Jugendbewegung.

WS Da gab es auch genügend Feinde, die einen wiederum in der eigenen Identität bestärkt haben.

SK Richtig. Manchmal löst eine solche Bewegung auch etwas aus, verändert etwas. Die 68er Generation hat auf verschiedenen Gebieten, gerade hinsichtlich der Emanzipation, positiv gewirkt – Freiräume schaffen, Gleichstellung usw., das waren die Themen. Heute geht es nicht mehr vorrangig um Inhalte. Es geht vielmehr um eine kurze Flucht und dann muss man gleich wieder zurück. Das begann in den 90er Jahren, wo man mal kurz am Wochenende in Love Parades untergetaucht ist, und dann gleich wieder zurück in den Alltag musste. Wir konnten das noch ganz sein – ein Hippie war Hippie, jeden Tag.

WS Ich denke auch, dass sich sehr viel geändert hat. In den 68ern gab es als Lebensmodell den Aussteiger. Heute ist ein solches Modell nur noch verkürzt, in verkleinerter Form zu leben. Ich besuchte einmal in Berlin einen jungen Banker. An der Klotür klebte ein Zettel, auf dem stand, wie oft er Gras rauchen und Speed einschmeißen darf. Ecstasy war nur am Wochenende erlaubt, Kiffen durfte er zweimal unter der Woche – ein gut durchgeplanter Exzess. Man steigt heute nicht mehr aus. „Komplette Garderobe günstig abzugeben. Habe mich den Hippies angeschlossen.“ Das ist eine Kleinanzeige aus den frühen 60er Jahren.

SK Vielleicht fehlt unseren beiden Protagonisten in Trouble in Tahiti diese Alternative. Sie haben nur den Wohlstand, um sich daran festzuhalten. Aber der erfolgreiche Banker läuft bei seiner Frau ebenso ins Leere wie die perfekte Mutter und Hausfrau bei ihrem Mann. Welche Rolle, denken Sie, spielt das Kind für den Zustand, in dem Dinah und Sam feststecken? Bei Bernstein taucht das Kind kaum auf, er lässt es aber immer wieder in Gesprächen der beiden präsent werden.

WS Das Kind spielt eine große Rolle. Die Geburt eines Kindes ist die häufigste Ursache von argen Krisen und Scheidungen in den ersten Ehejahren, auch wenn die Ehe gerade deshalb geschlossen wurde, um einen Kinderwunsch zu verwirklichen. Während im Erleben der werdenden Mütter und Väter nach wie vor der Glaube vorherrscht, ein Kind sei Ausdruck der Liebesbeziehung und werde diese festigen, zeigt die Realität, dass eine belastbare Beziehung die Beschädigungen durch das Baby mühsam verkraftet, während eine weniger belastbare sich oft nicht mehr davon erholt. Man geht wohl mit der Vermutung nicht fehl, dass die Liebe zu einem Kind noch stärker idealisiert wird als die erotische Liebe. Wenn ein Kind geboren wird, zieht es wie ein Magnet die von den jungen Eltern früher gegenseitig erfüllten Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit, Bewunderung, Anerkennung an sich. Die Eltern fangen an, sich vernachlässigt zu fühlen, wissen nicht, was ihnen geschehen ist und geben dem Partner die Schuld.

SK Aber der Zustand des Paar-Seins, die Konzentration auf diese Mini-Gemeinschaft, bei der das Außen verschwindet, ist an und für sich ein schwieriger Zustand – auch ohne Kind.

WS Sicher, aber zugleich auch ein grandioser, weil das Gefühl vorherrscht, das Paar kann eine bessere Welt bauen, besser sein als Mama und Papa.

SK Kommen Frauen eigentlich erstmal besser damit klar, wenn sich die Gesellschaft verändert?

WS In der Moderne sind es tatsächlich die Frauen, die sich besser anpassen können, wie auch in den neuen deutschen Bundesländern zu beobachten ist. Viel mehr junge Frauen gehen in den Westen und finden dort einen besseren Job. Frauen sind heute das Geschlecht, das auf die Jagd zieht, während die Männer lieber in der Höhle bleiben. Ein Kind ist für Frauen meist eine wichtigere Komponente der Selbstverwirklichung als für Männer, aber es fällt ihnen immer schwerer, ihre Freiheit und ihre Selbstverwirklichungsmöglichkeiten dafür aufzugeben. Dann steigen die Erwartungen an den Mann. Er soll jeden Abend den Ersatz für die aufgegebene eigene Karriere mitbringen.

SK Dinah und Sam stecken in einer solch fatalen Situation und es scheint, als würde dies schon eine lange Zeit so gehen – Bernstein spricht in seinen Regieanweisungen von einem neun Jahre alten Kind.

WS Bei den beiden fragt man sich als Paartherapeut sofort: Warum haben die nur ein Kind? Mit mehreren Kindern wäre Dinah viel besser beschäftigt. Was macht die Frau mit den brachliegenden Energien? Ich habe vorhin von den Scheidungen in den ersten Jahren nach der Geburt des Kindes gesprochen. Es gibt noch eine zweite, typische Veränderung in den Ehen: Scheidungen nach langer Ehe, wenn die Kinder volljährig sind. Solche Spätscheidungen sind in der Regel ebenfalls durch eine nicht verarbeitete Belastung der Ehe durch das Kind verursacht worden. Die Schäden in der Liebesbeziehung der Eltern sind in der Zwischenzeit durch die gemeinsame Zuneigung zum Nachwuchs verschleiert und notdürftig kompensiert worden. Sie haben aber die Kränkungsverarbeitung zwischen den Partnern so geschwächt, dass diese den Belastungen der Wiederannäherung nicht standhält. Wenn die Kinder fort sind, müssen die Partner Zuversicht angesichts eines gemeinsamen Lebensabends entwickeln. Das schaffen viele nicht mehr. Im Stück ist ein Trennungsgedanke nicht auszumachen. Dinah und Sam denken nicht daran, die Familie aufzulösen, obwohl sie sich auf die Nerven gehen. Bei den beiden herrscht Ratlosigkeit. Ungewöhnlich ist, dass Sam immer wieder zu einer Aussprache ansetzt. Dinah hingegen steigt nicht wirklich darauf ein. Sie hat in der Rolle der nörgelnden, unzufriedenen, träumenden Ehefrau resigniert. In der paartherapeutischen Praxis ergreifen heute öfter Frauen die Initiative, während die Männer glauben, ihre Ehe sei völlig in Ordnung, so lange sich die Partnerinnen nicht beklagen.

SK Der Kleinbürger hat sich in den 50er Jahren von heute auf morgen in der neuen Situation wiedergefunden, so auf sich gestellt plötzlich die volle Lebensverantwortung zu tragen: „Hier ist dein Leben. Jetzt macht mal.“ Es gibt keinen Halt in Tradition oder Religion.

WS Religionen werden heute wieder attraktiv, weil sie versprechen, die bedrohlichen Erscheinungen der Moderne rückgängig zu machen und wieder ganz einfache Regeln und Gebote zu finden. Dass die Religion eine solche Zukunft haben würde, hätte die 68er Generation nie geahnt. Freud auch nicht. Vereinfachung ist attraktiv, wenn die Welt immer komplizierter wird. Das Projekt der Konsumgesellschaft, dass jeder Mensch alles haben und glücklich sein kann, überfordert den Menschen.

SK Zu einer anderen Zeit mit einem anderen Selbstbewusstsein, auch aus einer anderen Sicherheit heraus, aus einem gesicherten  Bürgertum heraus, konnte man noch radikaler sein und sagen: „Leute, ist mir doch scheißegal“ Ich komme aus solch einem Bürgertum, wie übrigens die meisten Jugendrebellen. Aber heute hat man das Gefühl: „Oh, oh, ist aber riskant. Versuch mal lieber diese paar Dinge, die das konventionelle Modell bereit hält, zu festigen.“

WS Bei einer Rebellion muss eine Struktur vorhanden sein, gegen die man rebellieren kann. Wenn sich alles auflöst, verschwinden auch die Rebellionsmöglichkeiten. Das einzige, was man tun kann, ist, sich eine begrenzte Welt zu schaffen – Cocooning – sich einspinnen, Rettungsflöße bauen.

SK Dabei geben wir freiwillig unsere Privatsphäre auf – aus Angst und weil wir uns davon Sicherheit versprechen. Dadurch wird der Masse das Selbstbewusstsein und dem Solidaritätsgedanken der Boden entzogen. Ein wirklich selbstbewusstes Gemeinschaftsempfinden gibt es nicht mehr. Oder vielleicht noch nicht wieder, weil es noch nicht schlimm genug ist. Man hält die Leute gerade noch so am Existieren und darum gehen sie noch nicht auf die Straße. Es gibt Vorzeichen in Reykjavik, Riga und Athen, in Paris ja immer wieder mal. Aber erst, wenn es völlig unerträglich ist, gehen die Leute auf die Straße. Bei uns ist es gerade noch nicht soweit. Das System wird interessanterweise noch nicht in Frage gestellt, obwohl das System ja schon einen Schaden hat. Stattdessen sucht man überall nach kleinen, alten Modellen – nicht umsonst verkauft sich Marx’ Kapital gerade wieder sehr gut. Aber die Grundaufstellung ändert sich deshalb nicht. Sind nicht die 50er Jahre auch der Beginn der „Befindlichkeit“? Gerade leben wir in einer Zeit der ungeheuerlichen „Befindlichkeit“. Die Menschen sind ständig dabei, sich selber zu befinden und sich selbst zu reflektieren.

WS Ja, ich denke das Aufkommen von Befindlichkeit hängt mit dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Die 50er Jahre sind deshalb so ein wichtiger Abschnitt, weil der Krieg noch ganz frisch in Erinnerung war, der Frieden sehr idealisiert wurde. Und seither gibt es „nur“ noch kleinere Kriege und wachsenden Wohlstand, im Westen zumindest. Das Angebot an Befriedigungen wird größer und deshalb haben die Möglichkeiten, sich über etwas zu beklagen, zugenommen. In den 50er Jahren hat sich die Konsumgesellschaft am Horizont abgezeichnet. Alle Dinge, die einem das Leben schön machen, kann man seither anschaffen. Und wenn man nicht zufrieden ist, fehlt einem immer nur noch ein weiteres Konsumgut zum Glück.

SK Nach dem Motto: Uns geht es nicht gut, das liegt daran, dass die Nachbarn auf Hawaii in Urlaub fahren und wir immer nur in den Schwarzwald. Nicht nur, dass es Freizeit gibt, plötzlich wird Freizeit veredelt. Das schaffte der Kapitalismus wie selbstverständlich und die Werbeindustrie hat sich das zunutze gemacht. Das Produkt sagt: Das kannst du auch. Wenn du irgendwo ein Defizit spürst, sagt dir das Produkt beziehungsweise die Werbung: „Wenn Du das hast, dann ist deine Befindlichkeit wieder in Ordnung.“

WS Die Werbung macht keine Produktwerbung mehr, sondern Lebensgefühlwerbung. Alles, was man sieht, sind superschicke Menschen, die etwas ganz Tolles irgendwo im Sonnenuntergang oder am Strand machen und wahnsinnig viel Spaß am Leben haben. Was das mit dem Produkt zu tun haben soll, lässt sich die meiste Zeit gar nicht sagen, es kann ein Mobiltelefon sein oder ein Softdrink. Ich denke, das ganze Lebensgefühl hat sich in die Richtung solcher pathetischen Anstrengungen verändert, die Realität zu verleugnen. Es gibt keine sozialen Veränderungen mehr, keine Revolution, sondern Events: Wir leben von einem Event zum nächsten. Dabei leben wir eigentlich am Rand von Katastrophen, indem wir sie erst einmal übertreiben und dann wieder aufatmend vergessen.

aufgezeichnet von Andrea Schönhofer in München im Mai 2009