Elektra - Further information

Richard Strauss: Elektra. Agnes Baltsa, Gabriele Schnaut Richard Strauss: Elektra. Agnes Baltsa
Elektra
Richard Strauss
Hugo von Hofmannsthal

World Première on 25th January 1909 at the Königliches Opernhaus, Dresden

 

Schon mit dem ersten Werk, das Richard Strauss zusammen mit Hugo von Hofmannsthal nach dessen Schauspieltragödie Elektra auf die Bühne brachte, schufen die beiden Künstler eine der aufregendsten Opern unseres Jahrhunderts. Die Geschichte der mykenischen Königstochter Elektra, die den Mord an ihrem Vater Agamemnon durch die eigene Mutter und deren Liebhaber rächen will, gestaltete Hofmannsthal von der starren antiken Tragödie zum psychologischen Drama. Der vom Haus verstoßenen Elektra stehen ihre ängstliche, vorsichtige Schwester Chrysothemis und ihre von Alpträumen geplagte Mutter Klytämnestra gegenüber, an der Elektra trotz aller Anstrengung keine Rache üben kann und die erst vom ersehnten, heimgekehrten Bruder Orest erschlagen wird.

Unverkennbar haben die frühen psychologischen Forschungen der Jahrhundertwende in dieser Fassung des antiken Stoffes ihre Spuren hinterlassen. Den getriebenen, beinahe pathologischen Charkter der Titelfigur, die sich selbstzerstörerisch an ihren Wunschvorstellungen festhält, loten Text und Musik gleichermaßen aus. So bemerkte auch Strauss selbst über die im Herbst 1908 in Garmisch vollendete einaktige Oper, daß er in der gespannten Tonwelt der Elektra "bis an die Grenzen der Harmonik und psychischen Polyphonie" gegangen sei.

Seine anfängliche Sorge, daß mit dem Elektra-Stoff eine zweite Salome entstehen könnte, wurde bald zerstreut. Mit einer klangsprachlichen Kühnheit, zu der Strauss in seinen späteren Opern nie wieder zurückkehrte, zeichnete er das Schicksal seiner Titelfigur, deren Suche nach persönlicher Substanz und Selbstverwirklichung in einer feindlichen Umwelt zur Unmöglichkeit gerät. Eine äußerst umfangreiche Orchsterbesetzung läßt zudem monumentale Klangeffekte von ungeheurer Wirkung entstehen. Die im Januar 1909 in Dresden aufgeführte Elektra wurde schon bald darauf in München unter Felix Mottl herausgebracht und ist seither eines der meistgespielten Werke von Richard Strauss im Nationaltheater.

Sir Peter Jonas
März 1997