I puritani - Further information

Edita Gruberova I puritani: Edita Gruberova
I puritani
Vincenzo Bellini
Carlo Pepoli

World Première on 24th January 1835 at the Théâtre-Italien, Salle Favart, Paris

 

Die Opern des bedeutenden italienischen Romantikers Vincenzo Bellini überwältigten seine Zeitgenossen vor allem durch ihre üppige melodische Schönheit. I puritani, das letzte Bühnenwerk des früh verstorbenen Komponisten, überrascht mit einem Belcanto in avancierter Harmonik und Instrumentation, der das Pariser Uraufführungspublikum zu Beifallsstürmen hinriß. Nach dem unerwarteten Mißerfolg seiner Beatrice di Tenda in Italien hatte sich Bellini mit seinem langjährigen Librettisten Felice Romani zerstritten und seine Heimat verlassen, um in London und Paris, den damaligen Musikzentren Europas, mit seinen Kompositionen zu reüssieren. Die Lebensart in der französischen Hauptstadt und ihre Theater gefielen ihm besonders gut, und zu seiner musikalischen Entwicklung, die in I puritani unüberhörbar ist, haben nicht zuletzt diese vielseitigen Eindrücke in der Seine-Metropole beigetragen.

"Die Oper muß Tränen entlocken, Leute erschrecken und sie durch Gesang sterben lassen." Diesem künstlerischen Credo, das er seinem neuen Librettisten Carlo Pepoli ans Herz legte, folgte Bellini in der tragischen Liebesgeschichte der Puritanerin Elvira und ihrem königstreuen Bräutigam Arturo, die in der bewegten Zeit der englischen Bürgerkriege um 1650 in Konflikt zwischen Liebe und Pflicht geraten. Ein Zwiespalt, der die unglückliche Elvira in geistige Umnachtung treibt und dem Publikum damit eine – nicht nur in ihrer zentralen Wahnsinnsszene – besonders anrührende Frauengestalt der romantischen italienischen Oper schenkte.

Der triumphale Premierenerfolg des Werkes, das auf Empfehlung keines Geringeren als Gioacchino Rossinis für das Théâtre Italien geschrieben wurde, war zudem ein Verdienst der erstklassigen Virtuosen. So sehr wurden die damaligen Gesangsstars mit dieser Oper identifiziert, daß sie bald in London wie auf dem europäischen Kontinent als Puritani-Quartett zum Begriff wurden. Auch in München, wo im November 1840 erstmals I puritani auf dem Spielplan standen, beherrschte der belkantistische Wohllaut von Bellinis Opern zwischen 1830 und der Jahrhundertmitte das italienische Repertoire.

Sir Peter Jonas
März 1999