Strange Days - Weitere Infos

Ralph Fiennes in 'Strange Days'. USA 1995 © Cinetext Ralph Fiennes in 'Strange Days'. USA 1995 © Cinetext Ralph Fiennes in 'Strange Days'. USA 1995 © Cinetext
Strange Days


 

„Filme sind wie Flugbenzin“
Albert Ostermaier im Gespräch

Oper und Science-Fiction haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, wie kommen diese beiden künstlerischen Formen in Ihrer und Peter Eötvös’ „komisch-utopischer Oper“ „Die Tragödie des Teufels“ zusammen?

Ist es nicht eine Utopie und Zukunftsmusik, wenn alle singen, fliegt dann nicht alles verkehrte Wesen fort? Gut, das kann auch ein Horrorszenario sein, wenn sie nicht den richtigen Ton treffen; aber vielleicht ist ja der falsche der richtige, setzt erst Dissonanz Resonanz und Dissidenz frei, kann die Ironie als Lachen auf der Klinge die Stimmbänder des Zukünftigen zum Schwingen bringen in den Klangräumen der Gegenwart und Vergangenheit. Die Oper ist eine Mutation der Realität, sie ist wie Surfen im All auf einem abgebrochenen Flügel, sie kennt Schwarze Löcher, Aliens, Liebeselexiere und Türen, die sich aus dem Albtraumlärm in Sphärenklänge öffnen. Kubrick gehört zur Oper wie Kubin. Die Oper ist ein Lauschangriff auf die Zukunft, wie wir sie hören mögen und nicht, wie wir sie zu hören bekommen werden. Eigentlich ist Oper und Science-Fiction kein Gegensatzpaar, sondern eine Mission auf der Suche nach unbekannter Liebe.

„Strange Days“ ist ein grandioser Thriller zur Jahrtausendwende, ein Action-Film um virtuelle Realitäten. Was reizt Sie besonders an diesem Streifen?

„Strange Days“ ist eine apokalyptische Apotheose, es ist ein Film von antiker Wucht, er ist Poesie, Pop und Politik, er ist ein rebellisch romantisches Roadmovie, eine ohnmächtige Odyssee und ein düsterer Datenhighway für googlegnostische Geisterfahrer. Er ist eine Zeitbombe für das verzögerte Bewusstsein, was möglich sein wird und was noch möglich war, als wir nicht daran glauben wollten.

In „Soylent Green“ begegnet der Zuschauer einer albtraumhaften Welt von morgen mit Überbevölkerung und Unterernährung, welche Rolle spielt dieses Szenarium von 1973 für Sie heute?

"Soylent Green" ist eine Schulung und Schärfung der Wahrnehmung, dass jede Sonnen- eine Schattenseite hat, dass es immer die Geschichte hinter der Geschichte gibt, dass unsere Täuschungen Tauschgeschäfte sind und unser gegenwärtiges Glück das zukünftige Unglück der anderen ist oder sein kann. "Solyent Green" heißt: nur wenn wir das Andere sehen, können wir uns anders sehen und uns treu werden in der Veränderung statt statisch im Selbstbetrug.

In vielen Ihrer Texte finden sich Spuren zum Film, ein Gedichtband widmet sich dem französischen film noir. Welchen Wandlungen unterwerfen Sie diese unterschiedlichen künstlerischen Sprachen Film und Literatur?

Das wird man hoffentlich hören und sehen nach den Filmvorführungen. Ich möchte Gedichte zu den Filmen schreiben und die verschiedenen Mutationsstufen und Metamorphosen von Film zu Text zeigen.

Wann und wie gehen Sie am liebsten ins Kino? Und was stellt ein Film mit Ihnen an?

Ich bin eigentlich fast immer im Kino, denn wenn ich schreibe, sehe ich Filme, und wenn ich gute Filme sehe, möchte ich sofort schreiben. Filme sind wie Flugbenzin. Ich liebe Kinos, die auch Theater sind und liebe Theater, wenn es auch Kino ist, ohne es sein zu wollen. Manchmal bin ich im falschen Film. Ich hoffe, das ändert sich.

Das Gespräch führte Olaf A. Schmitt.