Fidelio (Production: 1999) - Further information

Ludwig van Beethoven: Fidelio. Waltraud Meier
Fidelio (Production: 1999)
Ludwig van Beethoven
Joseph von Sonnleithner, Stephan von Breuning, and Georg Friedrich Treitschke based on Jean-Nicolas Bouilly

World Première on 23rd May 1814 at the k.k. Hoftheater nächst dem Kärnthnerthor, Vienna

 

Nur ein Werk kam für uns in Frage, um als Neuinszenierung das neue Jahrtausend anzukündigen: Beethovens Fidelio. Aus der Fülle seines Gesamtwerks, geprägt vom Bewußtsein absoluter Meisterschaft, ragt des Komponisten einzige Oper eindeutig heraus. Es hat lange gedauert, bis sie zu der Form entwickelt wurde, die wir kennen und die so charakteristisch und kraftvoll gearbeitet ist wie alles, was Beethoven je komponiert hat. Dadurch hat diese Oper eine heute unumstrittene Größe erlangt.

 

Die Mischung aus heroischem Melodrama und singspielhafter Familienkomödie hat den Fachleuten oft Kopfzerbrechen bereitet. Sie bildet jedoch das Fundament für ein Konzept, demzufolge Liebe, Treue, Schicksal und Mut auf der Bühne nicht als göttliche Attribute oder als Mythen präsentiert werden sollten, sondern ebenso in den einfachsten menschlichen Verhältnissen erblühen können. Zu Beginn der Oper sehen wir Marzelline beim Bügeln – menschlich einfacher geht es nicht. Nach und nach erfahren wir von Leonores gefährlicher und mutiger Suche, und wir begleiten sie auf ihrem Weg bis zum Höhepunkt der Handlung im Kerker-Quartett. Nach der Leidenschaft im darauffolgenden Duett mahnt der festliche Marsch, mit dem die Finalszene eröffnet wird, zu Realität und Normalität. Doch Realismus soll und darf nicht das letzte Wort behalten, und so kulminiert Fidelio in einer machtvollen Hymne auf die Tugenden Standhaftigkeit, Geduld und Entschlossenheit; auf die Freiheit; auf eine tapfere, durchsetzungsfähige und edle Frau. Diese Seligpreisung verwandelt das Drama, politisch und menschlich, in eine musikalische Vision von allumfassender, ewiger Liebe.

 

Trotz ihrer Schönheiten und Qualitäten fiel die erste Fidelio-Fassung, bekannt als Leonore, bei ihrer Uraufführung im November 1805 in Wien durch; nicht zuletzt deshalb, weil die Stadt zu jener Zeit von den napoleonischen Truppen besetzt war und die meisten Anhänger Beethovens geflohen waren. Die Premiere unserer Neuproduktion am 29. Oktober 1999 wird unter anderen Vorzeichen stattfinden, nämlich zwei Monate vor dem Ende des Jahrhunderts – zu einer Zeit, in der unsere Gesellschaft mehr als je zuvor über die Werte nachdenken sollte, mit denen dieses große Werk Beethovens sich unmittelbar und eindringlich befaßt.

 

Sir Peter Jonas
März 1999