Die Walküre (2003) - Further information

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Die Walküre (2003)
Richard Wagner

Uraufführung am 26. Juni 1870, Königliches Hof- und Nationaltheater München

 

Richard Wagners Der Ring des Nibelungen, die vielschichtige Tetralogie über die mythologische Götter-welt und den Weltenherrscher Wotan, bedeutet eine Herausforderung für Regie, Sänger, Musiker und für den gesamten Produktionsapparat. Denn dieses "Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend" ist das umfangreichste Werk des Opernrepertoires.

Die Entstehungsgeschichte des Zyklus ist kompliziert, aus Münchner Sicht jedoch besonders interessant. Die Fertigstellung des Ring des Nibelungen läßt sich ohne den bayerischen König Ludwig II. und sein Münchner Hof- und Nationaltheater kaum denken. Bereits 1848 hatte sich der Komponist mit dem Nibelungenzyklus beschäftigt. Es dauerte dann aber noch 26 Jahre, bis die Tetralogie abgeschlossen werden konnte. Nach zahlreichen Unterbrechungen - Wagner komponierte in den Zwischenjahren Tristan und Isolde sowie Die Meistersinger von Nürnberg - zog er erst 1874 den letzten Taktstrich.

Vor allem finanzielle Nöte brachten die Arbeit immer wieder ins Stocken. Erst 1864 bekam Wagner Unterstützung: Ludwig II., der den verehrten Komponisten sogar steckbrieflich suchen und nach München beordern ließ, verpflichtete ihn vertraglich zur Komposition der Ring-Tetralogie und sorgte für die entsprechenden Rahmenbedingungen. So verbrachte Wagner infolgedessen die Jahre 1864/65 ganz in München. Er wollte alle anderen Arbeiten zurückstellen und sich ganz der Vollendung seines Hauptwerkes zuwenden, das er dem jungen König, Freund und Mäzen widmete: "Im Vertrauen auf deutschen Geist entworfen / und zum Ruhme seines erhabenen Wohltäters / des Königs / LUDWIG II. / von Bayern / vollendet von / Richard Wagner", lautet sein Eintrag in die Partitur.

Im November 1864 faßte Ludwig II. den Entschluß, für die Aufführung des Rings ein besonderes Theater in München erbauen zu lassen. Gottfried Semper wurde beauftragt, ein prunkvolles Gebäude, das oberhalb der Isar, in der Nähe des heutigen Friedensengels, entstehen sollte, zu entwerfen. Doch das Projekt wurde nie in die Tat umgesetzt.

Als Wagner im Dezember 1865 aus München abreiste, waren die vollendeten Partituren von Das Rheingold und Die Walküre im Besitz des bayerischen Königs. Dieser ordnete die Aufführung beider Werke am Münchner Hof- und Nationaltheater an. Richard Wagner, dem die Uraufführung des gesamten Zyklus in einem eigens dafür gebauten Theater vorschwebte und der außerdem ein Mitspracherecht bei der Umsetzung seines Werkes forderte, versuchte, diese Aufführungen zu verhindern. Doch er mußte nachgeben, denn noch immer war er auf die Unterstützung seines Wohltäters angewiesen. Nach zahlreichen Reibereien zwischen Komponist und König über Probenbedingungen und Besetzungsfragen blieb Wagner denn auch der Uraufführung beider Werke demonstrativ fern.

Die Uraufführung von Das Rheingold, dem 'Vorabend' und der Exposition der Tetralogie, fand am 22. September 1869 im Münchner Hof- und Nationaltheater statt. Trotz der vorangegangenen Streitereien war die Aufführung beim Publikum so erfolgreich, daß Ludwig II. sogleich auch das Stück des 'ersten Tages', Die Walküre, auf den Spielplan setzen ließ. Den Komponisten informierte er nicht über das genaue Uraufführungsdatum. Wagner erfuhr eher zufällig davon und schrieb erbittert an seinen Verlag Schott: "Sie werden’s bald erfahren, daß die Sauereien des Rheingolds sich auch an der Walküre wiederholen sollen!" Er erbat sich, wenigstens die Proben im Hof- und Nationaltheater anhören zu dürfen. Allerdings koppelte er daran die Forderung, für diese Zeit Intendantenfunktion ausüben zu dürfen, ein Anspruch, dem der König nicht nachgeben wollte. Wagner versuchte daraufhin vergebens, Ludwig II. zu einer Separatvorstellung ohne öffentliches Publikum zu überreden. Er sah seine Ansprüche an die Realisierung des Stückes nicht erfüllt und fürchtete – wie schon beim Rheingold – um seinen Ruf. Dennoch ging die Uraufführung am 26. Juni 1870 über die Bühne – ohne Mitwirkung des Komponisten. Insgesamt dreimal in Folge wurde der halbe Zyklus anschließend in München aufgeführt.

Die Bayerische Staatsoper beginnt in der Spielzeit 2001/2002 mit einem neuen Ring-Zyklus. Am 24. Februar 2002 geht die Premiere von Das Rheingold über die Bühne. Mit der Walküre werden am 30. Juni 2002 die Opern-Festspiele eröffnet. Siegfried und Götterdämmerung folgen in der Spielzeit 2002/2003 und vervollständigen die Tetralogie. Der Regisseur und Ausstatter Herbert Wernicke, dem Münchner Publikum bekannt durch seine aufsehenerregende Inszenierung von Richard Strauss' Elektra, wird den gesamten Ring des Nibelungen realisieren. Zu hören sind in der ersten Hälfte der Tetralogie John Tomlinson als Wotan und Marjana Lipovsek als Fricka; dazu Philip Langridge als Loge und Franz-Josef Kapellmann als Alberich im Rheingold. In der Walküre singen Peter Seiffert (Siegmund), Waltraud Meier (Sieglinde) sowie Gabriele Schnaut (Brünnhilde). Es dirigiert Generalmusikdirektor Zubin Mehta.

Sir Peter Jonas
März 2001

 

Herbert Wernicke starb unerwartet am 16. April 2002 kurz vor Beginn zu den Proben von Die Walküre. Zusammen mit dem Regisseur Hans-Peter Lehmann hat die Bayerische Staatsoper versucht, die Walküre in der kurzen Zeit bis zum Premierentermin 30. Juni 2002 mit Hilfe der von Wernicke hinterlassenen Ideen, Andeutungen und Ausstattungs-Skizzen in seinem Sinn auf die Bühne zu bringen. Der Versuch gelang in vielerlei Hinsicht; doch als Verbindungswerk zwischen Wernickes Rheingold und David Aldens danach entstandenen Inszenierungen von Siegfried und Götterdämmerung war diese Walküre weder von der Inszenierung noch von den technischen Voraussetzungen her geeignet. Um dem neuen Münchner Ring-Zyklus trotz seiner ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte eine geschlossene künstlerische Konzeption zu geben, tritt an die Stelle der Walküre von 2002 eine Neuinszenierung von David Alden (Die Walküre: Premiere am 7. Mai 2003). Damit wird die Lücke geschlossen und München in die einmalige Situation versetzt, einen Ring zu haben, bei dem ein Regisseur seine Arbeit aus der Exposition eines anderen entwickelt und so zwei unterschiedliche Ansätze ineinander greifen und schließlich eine Einheit bilden.