Roméo et Juliette - Weitere Infos

Angela-Maria Blasi, Marcelo Alvarez Marcelo Alvarez Roméo et Juliette
Roméo et Juliette
Charles Gounod
Jules Barbier und Michel Carré

Uraufführung 1867, Paris, Opéra lyrique

 

Was für ein Stoff! Ein junges Paar, frisch und unsterblich ineinander verliebt, dessen Weg in eine gemeinsame Zukunft aber wegen der erbitterten Feindschaft seiner Familien ausweglos erscheint, findet nach rasanten Ballszenen, überhitztem Duell, heimlicher Hochzeit und durch unglückliche Verstrickungen den Tod. Alles weitere vorzustellen ist müßig, denn die Geschichte von Romeo und Julia ist die Liebesgeschichte schlechthin und längst Synonym für ein Liebesideal, das keine Grenzen akzeptieren will.

Und obwohl wir heute vor allem von Shakespeares Stück von 1596 als authentischer Urfassung ausgehen, sind die Wege der Inspirationen und
Adaptionen sehr verschlungen, denn schon der englische Theaterfürst hatte sich aus verschiedenen Quellen seine Version zu-sammengestellt. Und die angeblich historisch verbürgten Orte in Verona, der Julia-Balkon und das Grabmal, haben dazu beigetragen, dass diese Geschichte fest in unserem kulturellen Bewusstsein verankert ist. Es ist daher kein Wunder, dass sich die Kunstgattung Oper über Jahrhunderte hinweg des Stoffes regelmäßig bediente. Charles Gounod selbst war beispielsweise fasziniert von der Vertonung Berlioz‘, dessen Adaption er als Konservatoriumsschüler 1839 kennen gelernt hatte.

Doch erst über zwanzig Jahre später nahm sein Opernplan konkrete  Formen an, und er beauftragte Jules Barbier und Michel Carré, ihm ein Libretto zu schreiben. Und gerade weil sich zuvor verschiedene Opernversionen in abenteuerlicher Weise von Shakespeare entfernt hatten, betonten Gounods Librettisten als Merkmal ihrer Adaption die Nähe zum Theatermann aus Stratford-upon-Avon. Sie besannen sich wieder auf die Handlungsstruktur Shakespeares, nahmen aber dennoch markante Änderungen vor. So verwiesen sie den politischen Rahmen in den Hintergrund und konzentrierten sich auf die Liebeshandlung, gaben dieser verstärkt eine religiöse Dimension und verließen damit bewusst die Tradition der französischen Grand Opéra, die inzwischen schon ihren Höhepunkt hinter sich hatte. So weist Roméo et Juliette den Weg hin zum Drame-Lyrique, das seinen Fokus voll und ganz auf die Schilderung der Seelenlage der Protagonisten richtet.

Die Oper war schon bei der Uraufführung am Théâtre Lyrique am 27. April 1867
ein unbestrittener Erfolg, nicht zuletzt weil zwei der größten Sänger der Zeit auf der Bühne standen: die Sopranistin Caroline Carvalho und der Tenor Pierre Jules Michot. Aber unsere Protagonisten bei der Premiere am 30. Mai 2004 müssen sich da keineswegs verstecken: Angela-Maria Blasi und Marcelo Alvarez stehen nach ihrer erfolgreichen Gestaltung von Gounods Marguerite und Faust nun als Juliette und Roméo erneut zusammen auf der Bühne des Nationaltheaters. Für die Inszenierung sorgt Andreas Homoki, bekannt aus seinen Produktionen von Idomeneo, Arabella und Manon Lescaut an der Bayerischen Staatsoper. Das Bühnenbild und die Kostüme werden von Gideon Davey gestaltet, der nicht zuletzt wegen seiner aufregenden Bilder für den Ring des Nibelungen und seiner Kostüme für Il ritorno d’Ulisse in patria den Münchnern ein Begriff ist. Das gleiche gilt für Marcello Viotti, der nach I puritani nun erneut eine Premiere an unserem Haus als musikalischer Leiterbetreut.

Sir Peter Jonas
Staatsintendant
März 2003