Il ritorno d'Ulisse in patria - Further information

Il ritorno d'Ulisse in patria Guy de Mey Vivica Genaux, Rodney Gilfry
Il ritorno d'Ulisse in patria
Claudio Monteverdi
Giacomo Badoaro

World première 1640, supposedly at the Teatro di San Cassiano, Venedig

 

Nach den beiden erfolgreichen Produktionen der Monteverdi-Opern L'incoronazione di Poppea und L'Orfeo setzen wir den Zyklus mit Il ritorno d‘Ulisse in patria, dem dritten, nicht ganz vollständig überlieferten Werk Monteverdis fort. Die Reise zu den Anfängen der Oper ist zugleich eine Entdeckungsfahrt zu den Wurzeln dieser Kunstgattung. Was uns heute an Monteverdis musikalischem Theater verblüfft, ist seine genaue Charakterisierung der Renaissance-Gesellschaft, die sich in einer Umbruchszeit mit grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens auseinandersetzte.

 

Dabei wurden die Authentizität des Librettos von Bodoaro und selbst die Musik lange angezweifelt. Die Uraufführung fand wahrscheinlich 1640 in Venedig statt. Schon damals war die Oper ein teurer Spaß und konnte nicht ohne tatkräftige finanzielle Unterstützung einiger reicher Patrizier über die Bühne gehen. Der Stoff ist den Gesängen XIII bis XXIV von Homers Odyssee entnommen und schildert die Heimkehr des Helden Odysseus (im Italienischen: Ulisse), dem es nach jahrzehntelangen Irrfahrten endlich vergönnt ist, nach Ithaka zurückzukehren. Seine Frau Penelope - von schmarotzenden Verehrern umgarnt - hat ihrem Gatten die Treue gehalten. Doch sie erkennt Ulisse nicht wieder und ist erst nach mehrfachen Proben von der Identität des Heimgekehrten überzeugt.

 

Die Geschichte des Ulisse ist bei Bodoaro mehr als eine gefällige Adaption eines Stoffes aus der antiken Mythologie. Sie fokussiert den Blick des Zuschauers auf den zweifelnden Menschen, der den Lauf der Welt nicht durchschaut und mit den Göttern hadert. Dies formulieren auch die Allegorien im Prolog. Im Verlauf der Oper zeigen sich die Götter Minerva, Neptun, Jupiter und Juno dem Menschen gnädig und greifen helfend in den Lauf der Dinge ein. Trotz Leiden und scheinbarer Willkür, so die Botschaft der Götter, folgt die Welt einem großen, vernünftigen Plan – ein Gedanke, dessen Überprüfung heute, zu Beginn eines neuen Jahrhunderts, noch immer lohnt.

 

Doch bei Monteverdi erscheinen noch weitere Figuren, die in ihrer Lebendigkeit und scharfen Charakterisierung das gesellschaftliche Spektrum der Ulisse-Oper - mehr noch: der venezianischen Renaissance-Gesellschaft überhaupt - ausmachen. Etwa der Vielfraß Iro, ein Parasit bei Penelopes Verehrern, der sich nach deren Tod um sein leibliches Wohl betrogen sieht. Für ihn hat Monteverdi ein Lamento komponiert, das in seiner Mischung aus Ernst und Ironie in der Operngeschichte seinesgleichen sucht.

 

Auf der Bühne des Prinzregententheaters wird die Festspiel-Premiere von Monteverdis Il ritorno d‘Ulisse in patria am 17. Juli 2001 stattfinden. David Alden, bekannt durch die Produktionen von Tannhäuser, L'incoronazione di Poppea, Ariodante und Rinaldo, inszeniert das Werk. Die Ausstattung besorgt, wie bei Ariodante, Ian MacNeil. Ivor Bolton dirigiert ein Ensemble, das von Rodney Gilfry als Ulisse angeführt wird. In weiteren Rollen wirken u.a. Vivica Genaux, Anthony Rolfe Johnson, Dominique Visse, Christian Baumgärtel und Toby Spence mit.

 

Sir Peter Jonas
März 2000