La forza del destino (Inszenierung 2005) - Weitere Infos

La forza del destino (Inszenierung 2005)
Giuseppe Verdi
Francesco Maria Piave

Uraufführung der ersten Fassung am 10. November 1862, Bolschoi-Theater, St.
Petersburg

Uraufführung der zweiten Fassung am 27. Februar 1869, Teatro alla Scala, Mailand

 

Auf dem Gipfel seines Ruhmes, der sich nach der Trias von Rigoletto, Il trovatore und La traviata in ganz Europa eingestellt hatte, konnte sich Giuseppe Verdi aussuchen, wo und für wen er komponieren wollte. Nach den Querelen, die er mit Theaterleitungen, Librettisten und Zensurbehörden sowohl bei den Vêpres Siciliennes in Paris als auch bei der Entstehung des Ballo in maschera in Rom gehabt hatte, kam 1860 die Einladung, ein Werk für die kaiserliche Oper in St. Petersburg zu schreiben, höchst willkommen. Verdi wurde die Wahl des Sujets überlassen: Er entschied sich schließlich für eine Adaption des populären spanischen Mantel-und-Degen-Dramas Don Alvaro o La fuerza del sino, das der Herzog von Rivas 1835 verfasst hatte. Auch wenn der Stoff die handelnden Figuren durch eine Reihe von geradezu unwahrscheinlichen Zufällen verbindet, schuf Verdi zusammen mit seinem Librettisten Francesco Maria Piave in La forza del destino ein Werk des Übergangs, das seine bis dato entwickelte Operndramaturgie der direkten und intimen Situationen um die vielfältigen und feingliedrigen Tableaux der späteren Werke bis hin zum Falstaff bereichert.

Don Alvaro, der dem Marchese von Calatrava als Schwiegersohn nicht standesgemäß ist, will seine Geliebte Leonora entführen. Als der Marchese die beiden auf der Flucht stellt und Alvaro sich friedlich entwaffnet, löst sich aus seiner Pistole unbeabsichtigt ein Schuss, der den Marchese tödlich verwundet. Im Sterben verflucht er seine Tochter, die von nun an nicht nur vom Schicksal, sondern auch von ihrem rachsüchtigen Bruder Don Carlo verfolgt wird. Während es Leonora gelingt, in einem Kloster Aufnahme zu finden, begibt sich Don Alvaro unter die spanischen Truppen, die in Italien gegen die Habsburger kämpfen. Auf dem Schlachtfeld begegnet er Don Carlo, der ihn bis zurück zu Leonoras Kloster in Spanien verfolgt, wo alle drei gemäß der Macht des Schicksals zusammentreffen und in einem hollywoodreifen Showdown zuerst der Bruder, dann die Geliebte und schließlich Alvaro ums Leben kommen. Der Uraufführung 1862 im Kaiserlichen Theater in St. Peterburg, deren Proben der Komponist wie üblich selbst beaufsichtigte, war anfangs nur ein mäßiger Erfolg beschieden. Verdi, der sich selbst der strengste Kritiker war, revidierte das Werk für die Mailänder Aufführung 1869 zusammen mit Antonio Ghislanzoni und komponierte zu diesem Anlass auch die mitreißende Ouvertüre.

Es ist nicht übertrieben, La forza del destino als wohl melodienreichste Oper Verdis zu bezeichnen: Neben den großen Arien und Duetten der drei Protagonisten, die trotz oder gerade wegen der Unwahrscheinlichkeit der Situation mit ihren Kantilenen zutiefst berühren, komponierte Verdi breit angelegte Ensembles für die Genre-Szenen im Kloster und auf dem Schlachtfeld. Dabei ging der Italiener weniger nach dem durchkalkulierten System der französischen Grand Opéra vor, die alles auf einen effektvollen Höhepunkt zustreben lässt. Verdi war es entschieden wichtiger, dem Zuschauer und Zuhörer ein breites cinemascope-ähnliches Panorama zu vermitteln und dies auch durch zwielichtige Charaktere wie die Marketenderin Preziosilla und den buffonesken Klosterbruder Melitone zu unterstützen.

Unsere Neuproduktion unter der Stabführung von Fabio Luisi, die erstmals am
28. Juni 2005 als Festspiel-Premiere im Nationaltheater gezeigt wird, wird
David Alden inszenieren. Violeta Urmana singt die Leonora, Sergej Larin ihren Geliebten Don Alvaro und Mark Delavan den auf Rache sinnenden Don Carlo.

Sir Peter Jonas
Staatsintendant
März 2004