Rigoletto (Inszenierung 2005) - Weitere Infos

Giuseppe Verdi: Rigoletto. Mark Delavan, Diana Damrau Giuseppe Verdi: Rigoletto Giuseppe Verdi: Rigoletto. Mark Delavan
Rigoletto (Inszenierung 2005)
Giuseppe Verdi
Francesco Maria Piave

Uraufführung am 11. März 1851, Teatro La Fenice, Venedig

 

"La donna è mobile" trällert Verdis Herzog von Mantua in Sparafuciles Osteria und sorgt damit für den Ohrwurm des Opernabends. Die Frauen seien unbeständig und flatterhaft, behauptet er und verkehrt damit seine Abenteuerlust in die angebliche Begehrlichkeit derer, die sich seinem Temperament und seiner Macht nicht entziehen können.

Le Roi s'amuse, Victor Hugos Drama im brodelnden Zeitgeist der Pariser Juli-Revolution, bewirkte bei Verdi eine Initialzündung, durchfuhr ihn "wie ein Blitz, wie eine plötzliche Erleuchtung". Dieser Stoff bot ihm die Möglichkeit, große Gesten des Aufbruchs und der Revolte aus den frühen Werken hinüber zu retten in ein neues Konzept der figura scenica, der Gestaltung plastischer szenischer Strukturen und Situationen.

Ohne Zweifel, dieser Herzog von Mantua ist ein Frauenheld, nicht zu domestizieren, ruhelos, selbstsicher, immun gegen Skrupel oder Gewissensbisse. Aber in seinem Dunstkreis hat sich eine Gesellschaft eingerichtet, die, selbst einfallslos, parasitär und sensationslüstern, esnie zulassen würde, dass die Begegnung mit einer außergewöhnlichen Frau den Herzog verändern und ihnen den Spaß nehmen könnte. Denn Spaß muss sein. Nichts fürchtet die Gesellschaft mehr als Melancholie und Langeweile. Wo die sich breit zu machen droht, muss Unterhaltung her, ein Hofnarr, ein Entertainer. In Verdis Oper hat Rigoletto diese Aufgabe übernommen. Man lacht mit dem und über den Buckligen, dessen körperliches Gebrechen ihn zum Außenseiter stempelt. Diese Stigmatisierung verwehrt jede Chance, dazu zu gehören, treibt in die Isolation und in den Wahn, sich im Geheimen ein Stück eigenes, unverdorbenes Leben retten zu können.

Mit Rigoletto hatte Verdi seine Lehr- und Gesellenjahre als Opernkomponist
abgeschlossen und war seinem Ziel, in Figuren und Situationen ein Abbild der
Wirklichkeit zu schaffen, entscheidend näher gekommen. Diese Wirklichkeit als gegenwärtig zu begreifen, ist die größte Offerte dieses Stücks. Wir geben sie weiter an die Regisseurin Doris Dörrie, die nach ihrem Berliner Operndebüt nun im Zusammenwirken mit dem Bühnen- und Kostümbildner Bernd Lepel zum ersten Mal an der Bayerischen Staatsoper inszenieren wird. Zubin Mehta wendet sich nach den Wagner-Neuproduktionen der letzten Spielzeiten nun dessen großem Antipoden Verdi zu. Er hat die musikalische Leitung dieser neuen Produktion, in der Mark Delavan in der Titelpartie sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper geben wird. Die in München als Zerbinetta, Adele und Königin der Nacht gefeierte Diana Damrau wird seine Tochter Gilda sein, die in Ramon Vargas ihrem unwiderstehlichen Herzensbrecher begegnet. Premiere ist am 21. Februar 2005.

Sir Peter Jonas
Staatsintendant
März 2004