Norma - Weitere Infos

Norma: Edita Gruberova Vincenzo Bellini: Norma Vincenzo Bellini: Norma. Edita Gruberova, Elina Garanca
Norma
Vincenzo Bellini
Felice Romani

Uraufführung am 26. Dezember 1831, Teatro alla Scala, Mailand

 

Nur wenige Sopranistinnen nehmen die Herausforderung an, welche die Partie der Norma in der gleichnamigen Oper von Vincenzo Bellini an die Sängerin stellt. Denn die extreme stimmliche Virtuosität, die diese Rolle der Interpretin abverlangt, steht seit der Uraufführung des Werkes am 26. Dezember 1831 an der Mailänder Scala außer Frage. Umso mehr freuen wir uns, dass die Primadonna assoluta des
Belcanto unserer Tage, Edita Gruberova, diese wohl schwierigste Partie ihres
Faches übernehmen und sich zum ersten Mal in ihrer erfolgreichen Karriere an
deren szenische Realisierung wagen wird.

Mit der Adaption der Tragödie Norma von Alexandre Soumet entschied sich Bellini für ein zeitgenössisches französisches Drama. Bereits ein halbes Jahr nach dessen Uraufführung im Frühjahr 1831 vollendete Bellini die Komposition seiner Oper. Wie in der literarischen Vorlage spielt die Handlung von Norma vor dem geschichtlichen Hintergrund der Eroberung Galliens durch die Römer. Die Historie verliert dabei zugunsten ganz individueller Konfliktsituationen an Bedeutung und erscheint in einem romantisch-mystischen Ambiente. Die Priester und Krieger der Gallier
warten auf einen günstigen Zeitpunkt, um den Aufstand gegen die verhassten
Römer zu wagen, und vertrauen dabei auf die magische Wirkung des Druidenkults. Doch bildet weniger die offene Konfrontation mit den Besatzern den Kern des
Handlungsgeflechts als vielmehr die verzweifelte Situation Normas, die ein Doppelleben als Oberpriesterin der Druiden und heimliche Geliebte des römischen Prokonsuls Pollione führt.

Die Titelpartie verlangt nicht nur eine exzellente Koloraturtechnik, darüber hinaus bedarf die Interpretin der Fähigkeit zu eindringlicher Deklamation und großer dramatischer Steigerung. Die melodische Intensität, welche die kompositorische Meisterschaft Vincenzo Bellinis in besonderem Maße auszeichnet, ist kaum jemals eindrucksvoller komponiert worden als in der Arie "Casta diva ch'e in argente". Durch die vielfarbigen Möglichkeiten zur vokalen Gestaltung gewinnt der Konflikt Normas an Authentizität: Als Norma erfährt, dass Pollione, der Vater ihrer beiden Kinder, sich in die Novizin Adalgisa verliebt hat und mit ihr nach Rom gehen will, bricht eine Welt für sie zusammen. Verzweifelt und blind vor Rache entfacht sie die
Kriegsbegeisterung der Druiden von neuem. Der gefangene Pollione soll geopfert werden. Doch am Ende muss sich Norma vor dem Volk verantworten und offenbart sich ihm als wortbrüchige Priesterin. Zusammen mit Pollione besteigt sie den Scheiterhaufen. Angesichts der hohen Emotionalität und Dramatik des Werkes scheint es unbegreiflich, dass das Publikum die Uraufführung so zurückhaltend aufnahm. Der persönlichen Einschätzung Bellinis, der überzeugt war, mit Norma die beste aller seiner bisherigen Opern geschrieben zu haben, hat man sich jedoch bald angeschlossen. Für den ungebrochenen Siegeszug des Werkes steht auch unsere neue Produktion der Norma in der Inszenierung von Jürgen Rose. Die Premiere ist am 21. Januar 2006.

Sir Peter Jonas
Staatsintendant
März 2005