Ariodante - Weitere Infos

Georg Friedrich Händel: Ariodante Georg Friedrich Händel: Ariodante Georg Friedrich Händel: Ariodante
Ariodante
Georg Friedrich Händel
Unbekannter Librettist nach einem Text von Antonio Salvi

Uraufführung am 8. Januar 1735, Covent Garden Theater in London

 

Wenn sich Georg Friedrich Händel heute als einer der größten Opernkomponisten durchgesetzt hat, dann muß Ariodante eines seiner größten Werke genannt werden. Es ist zugleich eine seiner attraktivsten und zugänglichsten Opern mit einer unkomplizierten romantischen Handlung und warmen, lebendigen Charakteren. Die Musik aus Ariodante gehört zum Ausdrucksvollsten und Brillantesten, das Händel je komponiert hat. Für die Zuschauer ist die Oper spannend; an die Sänger aber stellt sie enorme technische und emotionale Anforderungen.

Politische Querelen vertrieben Händel 1734 aus dem Londoner Haymarket Theatre und zwangen ihn, sein Ensemble in dem Theaterneubau von John Rich bei Covent Garden unterzubringen, der erst zwei Jahre zuvor eröffnet worden war. Es fiel ihm schwer, das Haymarket Theatre zu verlassen, das ein Vierteljahrhundert seine musikalische Heimat gewesen war, und nun an einen anderen Ort zu wechseln, der später jedoch noch sehr viel berühmter werden sollte als das alte Theater. Immerhin folgten ihm ausgezeichnete Sänger und eine Gruppe guter französischer Tänzer. Das erklärt die vokalen Bravourstücke in Ariodante ebenso wie die Tanzelemente in dieser Oper, die sorgfältige und unerläßliche choreographische Anteile fordern: Für Ariodante, Händels erstes Werk für das Covent-Garden-Theater, stand ihm ein exzellentes Ensemble zur Verfügung.

Die Geschichte geht auf Ariosts Gedicht Orlando furioso zurück. Antonio Salvi jedoch, der einem nicht mehr bekannten Librettisten Händels die Vorlage lieferte, wählte als Schauplatz den Edinburgher Hof des schottischen Königs und seiner Tochter Ginevra. Der Handlungskern war schon lange ein beliebtes Motiv für viele Dramatiker gewesen, nicht zuletzt in Shakespeares Komödie Viel Lärm um nichts.

Ariodante gilt als eine der dankbarsten Opern Händels, was unweigerlich die Frage aufwirft, warum sie sich trotzdem keinen festen Platz im Repertoire erobern konnte, zumal im Zuge der Händel-Renaissance während der letzten Jahre. Die Gründe sind vermutlich ausschließlich praktischer Natur: Das Stück ist nicht gerade kurz, man braucht gute Tänzer für die ausgedehnten Tanzepisoden und Sängerschauspieler mit extrem emotionalem Atem. Trotz dieser Hindernisse – und vorausgesetzt, man kann Händels Anforderungen gerecht werden – gehört Ariodante zu den besten aller barocken Musikdramen.

Sir Peter Jonas
März 1999