Die Entführung aus dem Serail - Weitere Infos

Die Entführung aus dem Serail: Bernd Schmidt, Maria Bengtsson Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail Die Entführung aus dem Serail
Die Entführung aus dem Serail
Wolfgang Amadeus Mozart
Johann Gottlieb Stephanie d.J.

Uraufführung am 16. Juli 1782, Burgtheater Wien

 

In einer Mitteilung an die Leipziger Zeitung von 1782 war zu lesen: "Ein gewisser Mensch names Mozart in Wien hat sich erdreistet, mein Drama Belmont und Constanze zu einem Operntext zu mißbrauchen. Ich protestiere hiermit feierlich
gegen diesen Eingriff in meine Rechte und behalte mir weiteres vor." Der Verfasser dieses Zitates, Christoph Friedrich Bretzner, konnte nicht ahnen, daß er schließlich als einer der Librettisten Mozarts in die Geschichte eingehen würde.

Der "gewisse Mensch" Mozart war, als Johann Gottlieb Stephanie, der Direktor des National Singspiels in Wien, ihm den Text Bretzners übergab, noch nicht der berühmte Opernkomponist, der er nach der Premiere der Entführung aus dem
Serail am 16. Juli 1782 schlagartig werden sollte. Der große Erfolg machte den
Sechsundzwanzigjährigen über die Grenzen Österreichs hinaus auf dem Gebiet der Oper bekannt, und es hieß, daß die Entführung bereits zu Mozarts Lebzeiten seine erfolgreichste und meistgespielte Oper war.

Bevor Mozart den Text Bretzners kannte, hatte dieser selbst schon sein Drama in ein Singspiel umgearbeitet, das von dem Komponisten Johann André vertont worden war. Mozart veränderte zusammen mit Stephanie den Text für sein Libretto. Die Geschichte zweier getrennter Paare spielt irgendwo im Orient in einem Serail, das wie alles Türkische und Exotische damals in Wien Mode war: Die von Seeräubern geraubte Konstanze ist zusammen mit ihrer Zofe Blonde an den Bassa Selim verkauft worden. Belmonte und Pedrillo, die Geliebten der beiden Frauen, wollen sie befreien. Doch der Haremsaufseher Osmin vereitelt ihre Flucht aus dem Serail. Obwohl der Bassa in Belmonte den Sohn seines Todfeindes erkennt, entläßt er alle vier großmütig zurück in ihre Heimat. Der moralisch-aufklärerische Ausgang der Geschichte weist schon eindeutig auf die humanistischen Züge in der Zauberflöte hin.

Mit der Entführung ebnete Mozart auch der deutschen Sprache auf der Opernbühne den Weg. Die Musik, angesiedelt zwischen Opera buffa und Opera seria, zeugt von der Kraft und Eigenständigkeit des Mozartschen Ausdrucks. Er reicht von Osmins Wutausbrüchen bis zur virtuosen Martern-Arie Konstanzes. Mozart komponierte menschliche Charaktere und Empfindungen, die bis dahin in
keinem Singspiel zu hören gewesen waren. Kaiser Joseph II. war von der Intensität der Musik beeindruckt und soll anläßlich der Uraufführung der Entführung gesagt haben: "Zu viele Noten, Mozart", worauf Mozart geantwortet haben soll: "Gerade so viel, als nötig sind, Majestät!"

Unsere Neuinszenierung übernimmt Martin Duncan, der Regisseur von The Rake's Progress, Xerxes und La clemenza di Tito. Bühnenbild und Kostüme entwirft Ultz. Unter der musikalischen Leitung von Daniel Harding singen Sandrine Piau die Partie der Konstanze, Deborah York die Blonde, Roberto Saccà den Belmonte, Kevin Conners den Pedrillo und Paata Burchuladze den Osmin. Premiere ist am 15. Januar 2003.

Sir Peter Jonas
März 2002