Roberto Devereux - Weitere Infos

Roberto Devereux. Edita Gruberova Roberto Devereux. Albert Schagidullin, Edita Gruberova Roberto Devereux. Roberto Aronica, Jeanne Piland
Roberto Devereux
Gaetano Donizetti
Salvatore Cammarano

Uraufführung 1837, Neapel

 

Die britische Geschichte – und die bühnenreifen Kabalen und Lieben im englischen Herrscherhaus im Besonderen – dienten den italienischen Belcanto-Komponisten als unerschöpfliche Quelle für Opernsujets. Ganz besonders Gaëtano Donizetti bediente sich immer wieder aus dieser Fundgrube und machte die ihr Zeitalter nachhaltig prägende Königin Elizabeth I. gleich dreimal zur Protagonistin. Nachdem die Monarchin bereits in Elisabetta al Castello di Kenilworth und Maria Stuarda ihre Bühnenwirksamkeit unter Beweis gestellt hatte, schuf Donizetti 1837 für das Teatro San Carlo in Neapel mit Roberto Devereux ein drittes Werk, in dem ihr eine Schlüsselrolle zuteil wurde.

Donizettis Librettist Salvatore Cammarano, der schon den Text zu Lucia di Lammermoor verfasste, baute die Geschichte des Todes von Elizabeths Günstling Robert Devereux, Graf von Essex, zur veritablen Opernhandlung aus. Wir begegnen Devereux am Ende seiner Laufbahn, er ist von seinen politischen
Widersachern des Hochverrats angeklagt und wird nur noch durch seine Beziehung zur Königin vor dem Schafott bewahrt. Unklugerweise widmet er sich
aber wieder verstärkt seiner ehemaligen Geliebten Sara, die zudem von der
Königin mit seinem besten Freund, dem Herzog von Nottingham, zwangsverheiratet wurde. Die sich aus dieser Illoyalität entwickelnden Spannungen enden für den Günstling – ganz wie in der Historie – tödlich. Ein
Ende, das die betrogene Königin in einer ergreifenden Vision heraufbeschwört
und uns damit ein weiteres Beispiel von operneigener Bewältigungsstrategie
in puncto Liebesleid gibt.

Der Komponist konzipierte die Rolle der Elizabeth für die Primadonna Ronzi-De Begnis, der einige Züge des Sujets durchaus bekannt gewesen sein dürften – war sie damals doch die Geliebte des neapolitanischen Königs Ferdinando II. Nachdem Donizettis zweiundfünfzigster Oper besonders in Italien und Frankreich großer Erfolg beschieden war, verschwand das Werk Ende des 19. Jahrhunderts vollständig aus dem Repertoire und wurde erst 1964 durch die türkische Diva Leyla Gencer wiederentdeckt.

Edita Gruberova, unsere Primadonna assoluta des Belcanto, die an der
Bayerischen Staatsoper in den letzten Jahren unter anderem als Lucia di Lammermoor, Anna Bolena (übrigens Elizabeths Mutter) und als Elvira in I puritani brillierte, wird nun die zwischen persönlicher Zuneigung und Staatsräson unentschiedene Herrscherin verkörpern. Ihr zur Seite stehen Zoran Todorovich als untreuer Liebhaber, Jeanne Piland als seine heimliche Liebe Sara und Paolo Gavanelli als deren rachsüchtiger Ehemann. Der junge deutsche Regisseur Christof Loy und sein Bühnenbildner Herbert Murauer, die in der Spielzeit 2002/2003 mit Händels Saul an der Bayerischen Staatsoper debütierten, setzen Donizettis „tragedia lirica” in Szene, die musikalische Leitung übernimmt Friedrich Haider. Premiere ist am 19. Januar 2004.

Sir Peter Jonas
Staatsintendant
März 2003