La clemenza di Tito (Inszenierung 1999) - Weitere Infos

La clemenza di Tito (Inszenierung 1999)
Wolfgang Amadeus Mozart
Caterino Tommaso Mazzolà nach dem Text von Pietro Metastasio

Uraufführung am 6. September 1791, Gräflich Nostizsches Nationaltheater in Prag

 

Die Uraufführung von La clemenza di Tito am 30. September 1791 – Mozart schrieb die Oper für die Kaiserkrönung Leopolds II. in Prag – war ein Mißerfolg. Im Tagebuch eines Besuchers ist von dem "langweiligsten Schauspiel" zu lesen, und die Kaiserin bezeichnete das Werk gar als "deutsche Schweinerei". Das lag sicher nicht am Stoff. Schließlich war das Libretto von Pietro Metastasio schon fast fünfzig Mal vertont worden, also zum echten Repertoire-Renner avanciert. Grund für den Mißerfolg war die Art, wie Mozart und sein Librettist Caterino Mazzolà den beliebten Stoff bearbeitet hatten. Die beiden enttäuschten die Erwartungshaltung des Publikums, weil sie keine der damals gängigen Opere serie boten, sondern die fest geformte Gattung durch die psy-chologische Ausleuchtung der Figuren, durch konfliktgeladene, von der Opera buffa beeinflußte Ensem-bleszenen und nicht zuletzt durch eine stellenweise nach innen gekehrte, persönliche, gänzlich "inoffizielle" Musik geradezu aufsprengten.

 

Was dem höfischen Publikum als einigermaßen skandalös, eben als "deutsche Schweinerei", erschien, macht für den heutigen Betrachter und Hörer gerade den Reiz des Werkes aus. Metastasios reichlich verwickelte Hofintrige im römischen Kaiserhaus, die nach vielem Hin und Her allein durch herrscherliche Gnade zu einem glücklichen Ende gelangt, bedeute-te Mozart nicht viel mehr als eine Folie, vor der er menschliche Gefühle offenbaren konnte. Diese berühren uns heute genauso, wie sie seine Zeitgenossen hätten berühren können:

 

Freundschaft, Treue, aber auch Rache, verzeihende Güte, Einsamkeit, Entsagung, Aufrichtigkeit, Großmut und Integrität fern jeder Staatsräson. Politische Herrschertugenden nach altem Muster hätten in den Wirren der Französischen Revolution ohnehin kaum mehr überzeugt, nicht einmal im Rahmen einer Krönungsfeierlichkeit.

 

Nach dem Uraufführungsdesaster erlebte Mozarts Oper zunächst eine Blüte, die mit der Romantik wieder gänzlich erlosch. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Werk quasi wiederentdeckt. Unter anderem war es Jean-Pierre Ponnelles bahnbrechender Inszenierung von 1971 an der Bayerischen Staatsoper zu verdanken, daß La clemenza di Tito vom Publikum wieder angenommen wurde. 

Sir Peter Jonas
März 1998