Die Meistersinger von Nürnberg - Weitere Infos

Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg. Kevin Conners, Jan-Hendrik Rootering Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
Die Meistersinger von Nürnberg
Richard Wagner

Uraufführung am 21. Juni 1868, Königliches Hof- und Nationaltheater München

 

Was wären die Münchner Opern-Festspiele ohne Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg? Seit Jahren enden die Festspiele traditionell mit diesem Werk, in der Spielzeit 2003/2004 werden sie nun mit einer Neuinszenierung dieses Musikdramas auch eröffnet. Nachdem die Bayerische
Staatsoper in der vergangenen Spielzeit die Neuproduktion von Wagners Ring
des Nibelungen an seinem historischen Ursprungsort München mit großem Erfolg abgeschlossen hat, wendet sie sich nun einem weiteren Werk Wagners zu, das
seine Wurzeln ebenfalls in München hat und zugleich unmittelbar aus der Entstehungszeit des Rings hervorgegangen ist.

Zwar reicht die Idee, ein „Satyrspiel” zum Tannhäuser zu schreiben, bis in das Jahr 1845 zurück, eine kontinuierliche Arbeit an der Komposition setzte jedoch erst in den Jahren 1866/67 ein. Das angespannte Verhältnis zu seinem Gönner und Ring-Enthusiasten König Ludwig II. und der Druck der Münchner Öffentlichkeit führten dazu, dass Wagner die Stadt verlassen musste, die Arbeit am Ring niederlegte und statt dessen in seinem Schweizer „Asyl”, dem Landhaus in Tribschen bei Luzern, Die Meistersinger zu Ende komponierte. Die Uraufführung am 21. Juni 1868 am Königlichen Hoftheater München, bei der auf ausdrücklichen Wunsch des Komponisten Christian Wank, der spätere Entwurfzeichner für Neuschwanstein und Linderhof, als Bühnenbildner verpflichtet wurde, war ein sensationelles Comeback und der größte künstlerische Erfolg Wagners zu seinen Lebzeiten.

Dieses Musikdrama Wagners kann auf Grund seiner komödiantisch-lustspielhaften Elemente wohl als sein untypischstes gelten. Im Zentrum steht die Frage nach der wahren Kunst, nach dem richtigen Verhältnis von Konservativismus und Progressivität – in der Kunst wie auch im Leben. Der Gilde der an ihrem überkommenen Regelwerk starr festhaltenden Meistersinger steht der junge Stürmer und Dränger Walther von Stolzing gegenüber. Stolzing, der sich in Eva Pogner verliebt, gilt als Außenseiter in dieser Gesellschaft. Veit Pogner aber stellt seine Tochter gerade demjenigen in Aussicht, der sich im Sängerwettstreit den Regeln der Meister besonders verpflichtet. Während der unglückliche Bewerber Sixtus Beckmesser vor dem Gelächter des auf der Festwiese versammelten Nürnberger Publikums kapitulieren muss, beeindruckt Stolzing mit einer neuen Weise: Lebendigkeit und Leidenschaftlichkeit seines Preisliedes siegen über konventionelle Regel-Pedanterie. Dem Sujet entsprechend strebte Wagner bei der Komposition eine musikalische Sprache an, die altertümelnde Stilelemente ironisch zitiert, gleichzeitig aber Lied- und Choralformen frei in das Musikdrama integriert.

Mit dem Bayerischen Generalmusikdirektor Zubin Mehta, in den vergangenen beiden Spielzeiten als Ring-Dirigent gefeiert, steht einer der bedeutendsten
Wagner-Interpreten unserer Zeit am Pult dieser Festspiel-Premiere, die am 29. Juni 2004 im Nationaltheater stattfinden wird. Die Meistersinger werden angeführt von Jan-Hendrik Rootering als Hans Sachs, Eike Wilm Schulte als Sixtus Beckmesser und Kurt Moll als Veit Pogner. Michaela Kaune wird als Eva Pogner und Robert Dean Smith als Walther von Stolzing zu hören sein. Regisseur Thomas Langhoff gab mit Berlioz’ La damnation de Faust (die erste Premiere unter meiner Intendanz) sein umjubeltes Regie-Debüt an unserem Haus im Oktober 2003 und sorgte mit dieser Inszenierung, die vom San Francisco Opera House übernommen wurde, für weltweite Aufmerksamkeit. An der Bayerischen Staatsoper inszenierte er außerdem Webers Freischütz und Smetanas Die verkaufte Braut. Bühnenbild und Kostüme gestaltet Gottfried Pilz, der an der Bayerischen Staatsoper unter anderem die Ausstattung für die Opern Prinz Friedrich von Homburg, Schlachthof 5 und Falstaff entwarf.

Sir Peter Jonas
Staatsintendant
März 2003