Chamber Symphony / Das Lied von der Erde - Weitere Infos

Chamber Symphony/Das Lied von der Erde Chamber Symphony/Das Lied von der Erde Chamber Symphony/Das Lied von der Erde
Chamber Symphony / Das Lied von der Erde


 

Die 1940 geborene Amerikanerin Lucinda Childs, eine der renommiertesten Protagonistinnen des Post-Modern-Dance und Wegbereiterin des Minimal Dance, ist heute längst eine Ikone des Tanzes und kreiert für die großen Ballettcompagnien der Welt. Begonnen hat sie ihre Karriere beim legendären Judson Dance Theatre in New York, bevor sie ihre eigene Compagnie gründete und mit Robert Wilson („Einstein on the Beach“), Philip Glass und Sol LeWitt („Dance“) zusammenarbeitete. Ausgangspunkt ihrer Stücke ist die Musik, deren fließende Muster den Raumwegen der Tänzer korrespondieren. Abweichungen, Verschiebungen, minimale Differenzierungen prägen die fließenden Bewegungsfolgen, die sich – auch wenn sie auf die Theaterbühne zurückgefunden haben – räumlich nicht auf die gängige Zentralperspektive beschränken. Der Raum wird nach allen Seiten ins Unendliche erweitert, die Tänzer fliegen gleichsam hinaus und hinein in den sichtbaren Ausschnitt des Raumes.

Für das Bayerische Staatsballett schuf Lucinda Childs 1994 „Chamber Symphony“ zu Musik von John Adams. Meditative und repetitive Bewegungen evozieren fließende, geheimnisvolle Bilder. Ständige Wiederholungen können eine unglaubliche Faszination auslösen und die Tänzerinnen und Tänzer zur lebenden Plastik, zu einer getanzten Skulptur werden lassen, was von der gläsernen Optik der Kostüme und des Bühnenbildes von Ronaldus Shamask noch unterstrichen wird.

1965, lange ehe das Choreographieren ganzer Sinfonien Gustav Mahlers Selbstverständlichkeit wurde, kreierte Kenneth MacMillan seine Choreographie zum Lied von der Erde. Es wurde zu seinem vielleicht bedeutendsten Werk und zu einem der maßstabsetzenden Ballette der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mahlers großes Abschieds- und Alters-Opus, seine eigentliche 9. Sinfonie, der er abergläubisch diesen Titel verweigerte, inspirierte MacMillan zu einem Ballett, das die abgründige emotionale Tiefe der Musik, den dramatischen Gestus der dem Werk zugrunde liegenden Gedichte und die formale Strenge der Komposition genial umsetzt. Er gibt dem anekdotischen Anteil des Geschehens: Das Trinklied vom Jammer der Erde, Der Einsame im Herbst, Von der Jugend, Von der Schönheit, Der Trunkene im Frühling, Der Abschied – sein ganzes Recht, um das Anekdotische dann doch ganz in reinen Tanz zu transzendieren. Dazu brauchte es das Genie eines der wesentlichen Choreographen des vergangenen Jahrhunderts, der im Münchner Repertoire bisher nur sparsam vertreten war, zuletzt mit seinem erzählerischen Hauptwerk Manon.