Tamerlano - Weitere Infos

Georg Friedrich Händel: Tamerlano Georg Friedrich Händel: Tamerlano Georg Friedrich Händel: Tamerlano. David Daniels
Tamerlano
Georg Friedrich Händel
Nicola Francesco Haym nach Agostino Piovene und Ippolito Zanelli

Uraufführung am 31. Oktober 1724 im King's Theatre Haymarket, London

 

Die erfolgreiche Händel-Renaissance an der Bayerischen Staatsoper verhalf den Bühnenwerken dieses großen deutsch-britischen Komponisten in den letzten Jahren auch zu ungeahnter internationaler Popularität. Seither gehört Händel zu München und ist nach Mozart, Wagner und Strauss zu einem vierten Hauskomponisten avanciert.
Mit dem Librettisten Nicola Haym schuf Händel für sein Theater, die Londoner Royal Academy, zwischen „Giulio Cesare“ und „Rodelinda“ 1724 die Oper „Tamerlano.“ Viele seiner Sujets handeln im Kern vom Verhalten von und gegenüber politischen Autoritäten. So geht es auch in „Tamerlano“ um das Selbstverständnis des titelgebenden Tartarenfürsten, der seine Macht missbraucht – was zu äußerst bühnenwirksamen Spannungen zwischen der Aktion des Despoten und der Reaktion der Beherrschten führt. Mit diesem Stoff traf Händel den Nerv seiner Zeit, denn London war eine Stadt des Umbruchs, die zu einer Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Monarch, Adel und Bürgertum drängte.
Dass Tamerlano im letzten Moment zur Einsicht gelangt, die Liebe Asterias nicht erzwingen zu können, hängt mit einem bis dato auf der Opernbühne ungesehenen Theatercoup zusammen. Denn Bajazet, Gefangener Tamerlanos und Asterias Vater, wählt den Freitod als einzigen Weg aus der Unterdrückung. Es scheint beinahe, als ob Händel mit der großen Tenorarie des Bajazet unmittelbar vor dessen Bühnentod die belcantesken Sterbeszenen bei Bellini und Donizetti um hundert Jahre vorweg nimmt.