Die Bassariden - Weitere Infos

Hans Werner Henze: Die Bassariden. Michael Volle, Gabriele Schnaut, Eir Inderhaug Hans Werner Henze: Die Bassariden Hans Werner Henze: Die Bassariden. Nikolai Schukoff
Die Bassariden
Hans Werner Henze
Wystan Hugh Auden, Chester Kallman nach Euripides

Uraufführung am 6. August 1966 im Großen Festspielhaus, Salzburg

 

Zu den Grundkonflikten des Menschen zählt der ewige Kampf zwischen Vernunft und Trieb, wie ihn Euripides exemplarisch in seinen „Bakchen“ gestaltet hat. Dionysos, Gott des Rausches, ist nach Theben gekommen und fordert Gefolgschaft. König Pentheus, der asketische Verfechter von Disziplin und Gehorsam, verbietet diesen Kult, lässt sich aber auf den Berg Kytheron locken, wo Dionysos’ Anhänger dem Gott huldigen. Dort wird er erkannt und von seiner rasenden Mutter Agaue und deren Schwester Autonoe zerrissen.
Die Librettisten W.H. Auden und Chester Kallman interpretierten Euripides’ fast 2500 Jahre altes Drama mit unserem heutigen Wissen und unseren Erfahrungen, verdichteten die mythische Handlung durch christliche Themen wie die Himmelfahrt des Dionysos am Ende und psychoanalytische Motive. Letztere sind besonders deutlich in dem Intermezzo „Das Urteil der Kalliope“, das Pentheus’ innere Zwänge allegorisch illustriert.
In bewusster Abwendung von der damals vorherrschenden Avantgarde bereichert Hans Werner Henze seit den 1950er Jahren das Musiktheater durch unterschiedliche und außergewöhnlich vielfältige Werke. „Die Bassariden“, 1966 als Auftragswerk der Salzburger Festspiele uraufgeführt, sind eine Auseinandersetzung mit dem durchkomponierten Musikdrama. Bezugnehmend auf die Symphonie, die klassische Form musikalischer Konfrontation, gestaltet Henze zwei gegensätzliche musikalische Welten, die den beiden Antipoden zugeordnet werden. Dabei geht es ihm nicht um einseitige Parteinahme oder simple Erklärungsmodelle: „In jedem Menschen leben ein Pentheus und ein Dionysos“.