Arabella (Inszenierung 2001) - Weitere Infos

Richard Strauss: Arabella Richard Strauss: Arabella Richard Strauss: Arabella
Arabella (Inszenierung 2001)
Richard Strauss
Hugo von Hofmannsthal

Uraufführung am 1. Juli 1933, Opernhaus Dresden

 

Als "Lyrische Komödie in drei Aufzügen" haben der Komponist Richard Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal ihre letzte gemeinsame Arbeit Arabella bezeichnet. Seit 1922 dachten die beiden über ein neues komödiantisches Sujet nach, das dem des Rosenkavalier ähneln sollte, allerdings "ohne dessen Schwächen und Längen" und "etwas feiner, lustiger und gemütsvoller," so der Komponist. Diesmal siedelten sie die Handlung im Wien des Jahres 1866 an, also in jener Zeit, in der das Genre Operette seinen angeblich "goldenen" Höhepunkt erlebte. In der Hauptstadt der k.u.k. Donaumonarchie gefiel man sich in pompösen Salons, genüßlicher Opulenz und Walzerseligkeit. Doch trotz all dem Glanz ließ sich der Niedergang der Metropole nicht mehr verschleiern. Daher nimmt sich das Schicksal des Rittmeisters Graf Waldner und seiner Familie in der Oper durchaus typisch aus. Durch seine Spielsucht ist Waldner finanziell in Bedrängnis geraten. Eine gute Partie für die Tochter Arabella könnte die Lösung bringen - hoffentlich auch für die zweite Tochter Zdenka, die sich in der Öffentlichkeit als Junge ausgeben muß, weil das Geld fehlt, beide Töchter standesgemäß auszuführen. Rettung ist in Sicht, als sich Mandryka, ein steinreicher kroatischer Grundbesitzer, in das Bildnis Arabellas verliebt und sie sogleich heiraten will.

Doch Arabella wäre kein Stück von Strauss und Hofmannsthal, wenn die beiden dieser Komödie nicht sanftere, eben "lyrischere" Momente abgewönnen. Die meist kammermusikalisch und psychologisierend eingesetzte Musik unterstreicht die Ernsthaftigkeit, die der Komponist dem leichten Stoff angedeihen läßt. Gerade mit der Arabella schuf Strauss eine Figur, die kurz davor steht, die von ihr geforderte Rolle in der Gesellschaft einzunehmen, also ein Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Trotzdem hat sich die Oper von den Vorwürfen, eine Neuauflage des Rosenkavalier zu sein, nicht komplett befreien können. Der Tod Hugo von Hofmannsthals am 15. Juli 1929 - wenige Tage zuvor hatte er noch eine Überarbeitung des Librettos an Strauss gesandt - beendete die Zusammenarbeit der beiden abrupt. Richard Strauss mußte das Stück allein zu Ende bringen. Unglücklicherweise bekam die Uraufführung vom 1. Juli 1933 einen zeitgeschichtlich faden Beigeschmack, hatte doch Hitler in diesem Jahr die Weimarer Republik aus den Angeln gehoben. Der Erfolg der Strauss-Oper paßte dementsprechend gut in die kulturpolitische Propaganda. Für den Komponisten folgte jene Zeit in seinem Leben, die zwischen Auflehnung und Anpassung an das Unrechtsregime schwankte. Der Beliebtheit seiner Arabella tat das keinen Abbruch, und gerade in München gibt es eine große Aufführungstradition des Werkes.

Sir Peter Jonas
März 2000