Tristan und Isolde - Weitere Infos

Tristan und Isolde: Waltraud Meier, Kwangchul Youn, Robert Dean Smith Tristan und Isolde: Petra Lang, Waltraud Meier Tristan und Isolde: Waltraud Meier, Robert Dean Smith
Tristan und Isolde
Richard Wagner

Uraufführung am 10. Juni 1865, Königliches Hof- und Nationaltheater München

 

Ein einfaches Werk sollte diese Oper werden, leicht nachspielbar und so für ihren Komponisten am Ende profitabel. Auch mit diesen durchaus pragmatischen Überlegungen unterbrach Richard Wagner 1857 die Arbeit am Ring des Nibelungen und widmete sich dem altkeltischen Tristan-Stoff, aus dem er schon einige Jahre zuvor erste Entwürfe zu einem Drama konzipiert hatte. Wagner, der in diesem großen Liebesdrama auch Parallelen zu seiner Verbindung mit der verheirateten Mathilde Wesendonck sah, versenkte sich nach eigenem Bekunden "in die Tiefen der inneren Seelenvorgänge, und gestaltete zaglos aus diesem intimsten Zentrum der Welt ihre äußere Form". In verhältnismäßig kurzer Zeit entstanden Dichtung und Komposition, 1859 war die "Handlung in drei Akten" Tristan und Isolde vollendet, doch mußte das Werk noch sechs Jahre auf seine Uraufführung warten, stand es doch spätestens nach den abgebrochenen Proben an der Wiener Oper im Ruf der Unspielbarkeit. 1865 erlebte der Tristan auf Geheiß Ludwigs II. im Münchner Nationaltheater seine sensationelle Uraufführung unter der musikalischen Leitung Hans von Bülows.

"Sehnsucht, Sehnsucht, unstillbares, ewig neu sich gebärendes Verlangen, Dürsten und Schmachten; einzige Erlösung: Tod, Sterben, Untergehen, Nimmererwachen!" So umschreibt Wagner den Kern der Tristan-Handlung, die unerfüllte und im Leben unerfüllbare Liebe zweier Menschen. Aber die Liebe Tristans und Isoldes scheitert nicht an der Gesellschaft – sogar der betrogene Marke ist zur Verzeihung bereit –, sondern an der Unmöglichkeit einer Verschmelzung der Liebenden, deren höchste Lust das Ertrinken, Versinken im namenlosen All ist.

In seinem Musikdrama arbeitet Wagner mit äußerst reduziertem Motivmaterial. Ein Blick, ein Trank, eine Wunde. Die szenische Verdichtung wiederholt sich musikalisch in den übereinandergelagerten Harmonieschichten, ausgelöst durch den berühmten Tristanakkord. Zugleich ist Tristan und Isolde aber auch ein Stück scharfer Gegensätze: Tag und Nacht, Liebe und Haß, Meer und Land. Ein Stück, dessen Frage nach der Unbedingtheit der Liebe zu immer neuen Antworten auf dem Theater reizt.

Sir Peter Jonas
März 1997