Eine solche Zuhör-, Hinschau-, Mitdenklust hat lange keine Opernpremiere mehr geweckt. Kurz vor Saisonschluss gelingt der Staatsoper im Prinzregententheater mit Straussens Ariadne auf Naxos als zweiter Festspielpremiere der Glücksfall einer Aufführung, bei der sich eine glänzende Besetzung in einem spritzigen, gedankenreichem, theatersinnlichen Regiekonzept entfaltet und den „Liebling unter den gemeinsamen Kindern“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal unter einem neuen, frischen Blickwinkel betrachtet, ohne dem Stück Gewalt anzutun. (…) Das alles glaubt erst mal nicht, wer zuvor ein paar Fotos gesehen hat: Himmel, schon wieder Kerle in schwarzer Unterwäsche! Aber keine Angst: Der Regisseur Robert Carsen kann zwar Effekte setzen – Effekte haschen tut er nie. Dazu ist er zu stücksicher, zu klug, zu fantasievoll.
Beate Kayser, tz, 26./27.07.2008
Wohl kaum je hat man in einer Aufführung der „Ariadne auf Naxos“ von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss einerseits so viel lachen können und war andererseits immer wieder derart tief berührt wie jetzt bei der grandiosen Münchner Festspiel-Premiere im Prinzregententheater. (…) Carsen wandelte mit stupender musikalisch-szenischer Fantasie virtuos auf dem schmalen Grat zwischen Klamauk, Komödie und Tragödie.
Klaus Kalchschmid, Stuttgarter Nachrichten 26.07.2008
Es beginnt das Vorspiel, das Kent Nagano symphonisch objektiviert, mit zurückhaltender Emotion darstellt: Leicht und rasch fließt das fein gewobene Linienspiel dahin, die artistische Formkunst des zur Reife gelangten Meisters Strauss. Nagano und das filigran arbeitende Bayerische Staatsorchester verstehen es scheinbar mühelos, Intensität und Spannung des gemeinsamen Musizierens mit den Sängern zu halten, wenn nötig zu steigern. Und Robert Carsen steuert mit reflektiert virtuoser Regie ein betörend lebhaftes Spiel der Korrespondenzen, der Gefühle, Irrungen und Wirrungen eines äußerst gelenkigen Personals. (…) Carsen geht es um die Komplexität meinschlicher, Komisches wie Tragisches umfassender Beziehungen und darum, das Geheimnis menschlicher Verwandlung subtil oder auch drastisch den Darstellern einzuschreiben.
Wolfgang Schreiber, Opernwelt, Sep./Okt. 2008