Macbeth - Pressestimmen

Giuseppe Verdi: Macbeth. Nadja Michael, Zeljko Lucic Giuseppe Verdi: Macbeth. Nadja Michael, Zeljko Lucic Giuseppe Verdi: Macbeth. Nadja Michael
Macbeth
Giuseppe Verdi
Francesco Maria Piave nach William Shakespeare

Premiere am 2. Oktober 2008 im Nationaltheater

 

In vereiste Felsenlandschaften gehauene Seelennöte sind die Spezialität des Regisseurs Martin Kusej. Je näher ein Stück seiner zutiefst pessimistischen Haltung kommt, umso stärker sind seine Bühnenarbeiten. (…) Denn Kusej entwickelt mit einer Serie von grell und statisch hingewuchteten Tableaus jene Bühnenwelt, nach der Verdis desillusionierte Dramatik verlangt, aber die sie selten bekommt. (…) Keinen Augenblick kümmert sich Verdi um Psychologie, Entwicklungen, Erklärungen. In fulminant aus einem Kontinuum herausgebrochenen Erzählsplittern will er Wahrheiten über die menschliche Seele aussprechen – schnörkellos berichtend ist diese Musik. (…) Nadja Michael gibt die Lady Macbeth und wird vor allen anderen bejubelt. Dieser Triumph ist ein vor allem schauspielerischer. Michael, erst kürzlich vom Mezzo zum Sopran aufgestiegen, ist eine blendend aussehende Frau, die hinreißend spielen kann. Fulminant gelingt ihr die von ihrem Mann zutiefst enttäuschte Lady, die diesen rechtschaffenen tumben General mit ungebremster Leidenschaft in ihre hemmungslosen Aufstiegsambitionen einspinnt.
Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung, 4./5.10.08

Shakespeares Macbeth in Verdis genialer Opernversion. Martin Kusej zeigt es kompromisslos in seiner radikalsten Form. Das Publikum ist drei Stunden im Klammergriff einer ihrem Ende zustürzenden Obsession von Macht- und Tötungsrausch. Der Bühnenbildner Martin Zehetgruber arbeitet mit klugen Kunstzitaten vom Höllenbreughel bis zu den Nude-Fotos von Vanessa Beecroft (…). Bevor die knappe Ouvertüre einsetzt, hat Kusej schon eine unheimliche, verstörende Atmosphäre geschaffen, die nicht mehr nachlassen wird. Und dann erlebt man, in genauer Umsetzung von Verdis knapper, sprunghafter, sich um logische Dramaturgie nicht scherender Musik in rasanten Filmschnitten, wie sich das unselige Paar Macbeth und Lady Macbeth, von Ehrgeiz und Machtgier besessen, skrupellos hochmordet bis zum Fall. Kusej erzählt das auf mehreren Ebenen und findet kompromisslose Bilder für jeden Gedanken.
Beate Kayser, tz, 4./5.10.08

Die Bilder Kusejs und seines Ausstatters Martin Zehetgruber rücken dem Zuschauer auf den Leib. Wer sich darauf einlässt, statt verlegen zu lachen, wird sie nicht willkürlich finden. Zur Geschlossenheit der Aufführung trägt auch die gute Besetzung bei. (…) Als Lady, die machtberauscht im Lüster turnt und ihren Blues nachtwandelnd mit Schnaps und Zigarette ertränkt, ist Nadja Michael ein Elementarereignis.
Robert Braunmüller, Abendzeitung, 4./5.10.08