„Naganos Lohengrin-Interpretation ist perfekt auf die Bedürfnisse und die inhaltlichen Weichenstellungen der Regie abgestimmt. Sie kommt zupackend und ohne weihevolle Klanggestik daher, (...) ohne dass der Eindruck von Eile oder gar Oberflächlichkeit entstünde, und wenn auf der Bühne ein baustellenhafter Tumult entsteht, widmet sich die Musik mit Hingabe dem Tumult. Gleichwohl gibt es prägnant gesetzte, dramatisch effektvolle Entschleunigungen und Generalpausen, und die Dynamik der Orchesterarbeit ist von bewundernswerter Präzision. (…)
Die Herrscher sind das Gegenpaar und das Hauptpaar. Wolfgang Koch ist ein ausdrucksreicher Telramund von Statur und Durchsetzungsfähigkeit, voller Bitterkeit und Brutalität und selbstüberzogener Rechthaberei, Michaela Schuster als Ortrud eine ihm ebenbürtige, scharf intonierende (…) Intrigantin. Jonas Kaufmann als Lohengrin (…) ist ein markiger und im dritten Akt überaus eindrucksvoll auftrumpfender Wagner-Tenor mit einer großen Palette an Ausdrucksnuancen. (…) Anja Harteros fächert ihr lyrisches Ausdrucksspektrum ohne Leidensmiene auf, ihre Verträumtheit ist mit Unnachgiebigkeit gepaart, ihre Bühnenpräsenz ohne zurückweichende Introvertiertheiten.
So dass man sich fragt, was an dieser stimmigen und ausgezeichnet besetzten, zudem von Andrés Másperos Chorarbeit vorbildlich mitgestalteten Inszenierung die Münchner so aufbringt. Vielleicht ist es das realistische Bild unvermeidlichen Scheiterns, das Lohengrin in die Nähe eines kleinbürgerlichen Lebensentwurfs rückt und ihn damit lächerlich zu machen droht. Helden sind immer in Gefahr, aus der Nähe lächerlich zu erscheinen.“
Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau vom 7. Juli 2009
„Der britische Regisseur Richard Jones nimmt das Stück ziemlich auseinander, setzt es aber auch wieder zusammen. (…) Nikolaus Bachler nun aber will genau das: Keinen netten Schmu über die Bühne bringen, sondern wissen, was das Werk im Innersten zusammenhält. (…)
Vom Vorspiel an, das der Dirigent Kent Nagano und das Bayerische Staatsorchester mit absolutem Schönheitssinn begreifen, ist eines klar: Dies da oben war nie Elsas Welt und wird es nie werden. „Lohengrin“ ist eine vorprogrammierte Katastrophe. Dass man in München dennoch manchmal glauben mag, sie ließe sich abwenden, liegt an zweierlei: Zum einen hat die Aufführung eine überwältigende Musikalität. Wurde je erfüllter und unstilisierter gesungen? Zum anderen führt die Regie diese seltsame Mischung aus schepperndem Historiendrama und mit dem Silberstift gezeichneter Märchenoper zurück auf ein erfreuliches menschliches Maß. Utopie ist in der kleinsten Hütte. Das heißt: schön wär’s. (…)
Kent Nagano, das auch solistisch herausragende Bayerische Staatsorchester (Oboe, Klarinette, Hörner!) und die das exzellente Ensemble noch einmal überragenden Solisten Harteros und Kaufmann tragen viel zu der Natürlichkeit bei, die dem Abend eigen ist. Keine Outriertheiten, kein Forcieren: Trotz der gebotenen Ausbrüche, namentlich in der Brautgemachsszene, bleibt der Grundnenner, dass der Gesang aus jenem „symphonischen Gewebe“ heraus entsteht, den Wagner selber als konstitutiv für diese Oper empfand. Vollkommen, aber klug zurückgenommen entwickelt Nagano zusammen mit Kaufmann die Gralserzählung. „In fernem Land“ klingt zunächst fast wie ein Schubert-Lied, und das ist so wenig zum Schaden der Aufführung wie die Besetzungen von Ortrud und Telramund, beide die Bösewichter vom Dienst. In München sind sie keine Monster, sondern ganz alltägliche Machtknochen, er schon mürbe, sie noch mächtig: allein Wolfgang Kochs und Michaela Schusters Textverständlichkeit ist eine kleine Sensation.
Richard Jones (und sein Bühnenbildner Ultz) machen sich nicht lustig über das Personal. Sie gewinnen es einem lieb, und das will viel heißen. (…). Die Würde jedoch, mit der Jonas Kaufmann die Figur ausstattet, verliert sich nimmermehr: Selten war der Brautchor, dem Lohengrin und seine Frau nachwinken, so wenig befremdliches Lachstück, sondern vielmehr schwebender, das Existenzielle treffender Trauermarsch.“
Mirko Weber, Der Tagesspiegel vom 7. Juli 2009
„Den besten „Lohengrin“ hört man derzeit in München. Jonas Kaufmann triumphiert in der Titelpartie, und das Publikum schwelgt im opernfestspielwürdigen Glanz luxurierender Stimmen.“
Holger Noltze, FAZ vom 7. Juli 2009
“Man muss mindestens bis in die goldenen Siebzigerjahre zurückweichen, um sich an eine ähnlich großartige, perfekte, jugendlich packende, wie für einander geschaffene Sängergarde zu erinnern, wie sie jetzt die Münchner „Lohengrin“-Festspielpremiere veredelte und überstrahlte. Im Nationaltheater herrschte über fünf Stunden lang pures, herrliches Wagner-Vokalglück, die Bayerische Staatsoper war ein Walhall auf Erden.“
Manuel Brug, Die Welt vom 7. Juli 2009