Jenufa - Pressestimmen

Probe zu „Jenufa“: Eva-Maria Westbroek Leoš Janáček: Jenůfa. Deborah Polaski, Eva-Maria Westbroek, Stefan Margita Leoš Janáček: Jenůfa. Eva-Maria Westbroek, Deborah Polaski, Stefan Margita
Jenufa
Leoš Janáček
Leoš Janácek nach Gabriela Preissová

Premiere am 8. April 2009 im Nationaltheater

 

Eine schauerliche Geschichte ist es, die das Leben hier schreibt. Im Münchner Nationaltheater ereignet sie sich nicht in ferner Vergangenheit, sondern genau neben uns. Immer wieder denkt man an die Gesichter auf der Strasse, in denen sich diese schwierigen Zeiten eingegraben haben. Dass das so ist, dazu trägt auch das Bayerische Staatsorchester bei, das seinen Part unter der Leitung von Kirill Petrenko, einem der aufregensten Dirigenten seiner Generation, in hellen, feingliedrigen Klang setzt. Nichts rauscht hier orchestral auf, die Partitur ist vielmehr nach kammermusikalischer Art solistisch aufgegliedert. Das Instrumentale erhält dadurch einen Farbenreichtum und eine Expressivität, die immer wieder die ärgste Beklommenheit auslösen. Da treffen sich Dirigent und Regisseurin. Am Ende freilich, so darf, ja muss es sein, gehen sie auseinander: setzt das Orchester auf laute Affirmation, während das junge Paar schwer gezeichnet und zutiefst verunsichert in die Zukunft aufbricht.
Peter Hagmann, Neue Zürcher Zeitung, 11./12.04.2009

Zürichs künftige Schauspielhaus-Intendantin hat (…) als ihre erste Operninszenierung nun nach langen Jahren im Münchner Nationaltheater wieder einmal ein Janacek-Werk zur Premiere gebracht. Und sie lässt am Ende Eva-Maria Westbroeck, die so anrührend sopranintensive, starke und doch ihren Schicksalsschlägen kaum gewachsene Jenufa, und den tenordurchschlagskräftigen Laca Stefan Margitas auf einem fragilen Plankengerüst sitzend einander vorsichtig näher rücken. Ein Weiberschicksal von allgemeiner Gültigkeit. Das betonen auch das Bühnenbild von Bettina Meyer und Bettina Walters ärmliche, diffus altmodische, doch heutige, wenig folkloreüberhauchte Kostüme.
Manuel Brug, Die Welt, 14.04.2009

Dem Dirigenten Kirill Petrenko ist daran gelegen, die Partitur ohne theatralische Kraftakte zum Klingen zu bringen. Immer wieder signalisiert er dem mit virtuoser Hingabe musizierenden Staatsorchester, sich zurückzuhalten. (…) Insgesamt jedoch wird Petrenko auf eindrucksvolle Weise den vielfältigen Differenzierungen der Musik gerecht. Ein Dirigent der Extraklasse. (…) Eva-Maria Westbroeck singt wie schon vor zwei Jahren in Calixto Bieitos Stuttgarter Inszenierung, die Titelpartie mit überzeugendem Ausdruck: verletzlich und selbstbewusst, eine Frau, die leidet, aber dabei reift und verzeiht. Rührend Helga Dernesch als alte Buryia. Hervorragend beide Tenöre: Joseph Kaiser als tapsiger Macho Steva, Stefan Margita als zärtlich-zorniger Laca. Musikalisch ist diese Produktion kaum zu toppen.
Volker Boser, Abendzeitung, 11./12./13.04.2009

So, wie Barbara Frey „Jenufa“ inszeniert, ist nichts eindeutig. Alles ist offen wie die kleine Wohnzelle im dritten Akt, der Dach und Seitenwände fehlen und die das Ausgesetztsein ihrer Bewohner noch unterstreicht. (…) Aber eine Regie, die gerade nicht Sozialkritik wie eine Monstranz vor sich herträgt und die einem keine Erklärungen und Einfälle aufreizend entgegenstreckt, ist ja letztendlich anderen „Jenufa“-Deutungen überlegen. (…) Mit ihren phänomenalen Sängern erfühlt sie die emotionale Temperatur jeder Szene. Und dass sie die Körpersprache reduziert, den Figuren mit nur wenigen Gesten und Blicken ein ganzes Schicksal gibt, macht diese Aufführung so glaubhaft, so wahrhaftig. (…) Denn Dirigent Kirill Petrenko denkt nicht daran, die Schärfen und Energiefelder der Partitur zu mildern. Es ist ein grandioser Abend für ihn. Ein Abend auch, an dem das Bayerische Staatsorchester über sich hinauswächst. Keine Sekunde läuft da in begleitender Gleichgültigkeit dahin.
Markus Thiel, Münchner Merkur, 11./12./13.04.2009

Denn diese Aufführung ist aus einem Guss, voller wunderbarer Sänger, erzvolkstümlich choreografierten Chor-Szenen mit einem hervorragenden Staatsopernchor (Einstudierung: Andrés Máspero) und einem wunderbaren Staatsorchester.
Matthias Bieber, tz, 11./12./13.04.2009