Mit einfachen, genauen Gesten macht der Regisseur diese merkwürdig aus der Zeit gefallenen Karmelitinnen durchsichtig auf die Traumata, die sie ins Gehäuse getrieben haben […]. Zum Gewinn der famosen Besetzung dieser Münchener „Dialogues des Carmélites“ gehört, wie hier nicht bloß Typen hingestellt werden, sondern dabei sehr verschiedene Spielarten des weiblichen Singens zu hören sind. Dies wird, weil hier fast durchgehend ums Leben zu singen ist, zum Ereignis. Es wird auch deutlich, das Poulencs sehnsuchtsvoll vibrierende Musik für den Dirigenten Kent Nagano eine Herzenssache ist: eine späte Musik der Erschöpfung, auch des tonalen Materials, dem noch einmal unvermutete Farben abgewonnen werden. Ruhig atmend gelingt ihm mit dem Bayerischen Staatsorchester eine sensible Binnendifferenzierung, und wo auf der Szene schon keine Kreuze zu sehen sind, wird auch im Graben kein falscher Weihrauch abgebrannt.
Holger Noltze, Frankfurter Allgemeine, 10.04.2010
[D]iese „Karmeliterinnen“ sind in Musik und Szene stupend aufeinander abgestimmt. Musikchef Kent Nagano ist der ideale Sachverwalter dieser formal glasklar gebauten und nie auf Sentiment erpichten Musik, die in manchen Chorszenen dennoch das Leidenspathos eines Mussorgski zu revitalisieren weiß. Und Regisseur Dmitri Tcherniakov hört in jedem Moment auf diese Musik, statt sich durch den leicht geschwätzigen und durchaus auch katholisch reaktionären Text von Georges Bernanos ablenken zu lassen.[…]Denn Tcherniakov nimmt das Stück nicht nur durchgehend ernst, er interpretiert die aufgeworfenen Themen sehr viel umfassender als das Autorenteam Poulenc & Bernanos. […] Gerade weil die Bühne konkrete Assoziationen unmöglich macht, werden die großen Themen der „Carmélites“ kongenial erlebbar.
Reinhard Brembeck, Süddeutsche, 30.03.2010
In den deutlich kontrastierenden Timbres wurden die jeweiligen Charaktere hörbar gemacht. Hier vermochte auch Kent Naganos Orchesterleitung durch die zwingende Ausgestaltung der Effekte und Farben zu punkten.
Marco Frei, Die Welt und Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2010
Der Frauen-Chor und das Damen-Ensemble sind überragend […]. Gespielt wird intensiv wie im Schauspiel, aber auch die kontrollierte Klarheit des französischen Gesangsstils treffen alle gut. […] Kent Nagano, der Spezialist fürs Interessante mit Schwächen bei der Tradition, war bei dieser Musik in seinem Element.
Robert Braunmüller, Abendzeitung, 30.03.2010
Tscherniakov jedenfalls, umjubelt und von wenigen schwach bebuht, soll wiederkommen. Seine klare Theatersprache ist ein Gewinn.
Beate Kaiser, tz und Münchner Merkur, 30.03.2010