Der Freischütz - Pressestimmen

Carl Maria von Weber: Der Freischütz Carl Maria von Weber: Der Freischütz Carl Maria von Weber: Der Freischütz
Der Freischütz
Carl Maria von Weber
Friedrich Kind

Premiere am 31. Oktober 1998 im Nationaltheater

 

So gelehrt und werkkundig hat man den Freischütz wohl noch nie gesehen. Man ist beeindruckt.
Zumal Langhoff natürlich auch wunderbar Theater spielen lassen kann. Es gibt ganz schrecklich viel zu sehen, und alles hat seine Bedeutung. Das streift sogar die Betulichkeit. Nur da, wo die Bühne alles geben müßte, dieses alles sogar noch zu wenig wäre, beim Pandämonium der Wolfsschlucht, da stößt das Theater an die Grenzen seiner Möglichkeiten und versteckt sich hinter Symbolik, wenn etwa die schweinsköpfige Komparserie aufzieht und ihr Menschenopfer durch den Wald trägt. Oder Max am Försterhaus seine Horrorvisionen entwickelt. Das Haus übrigens gleicht Roses Bayreuther Holländer-Hütte aufs Haar.
Reinhard Beuth, Die Welt, 03.11.98

 

Doch, sie wollen. Ihren Zuschauern eine Lektion erteilen. Eine Lektion vom deutschen Wesen, wie es immer noch in den Menschen steckt. Von unerbittlichen Bräuchen, wie sie auf dem bayerischen Land auch heute noch üblich sind, vom Autoritätsglauben, an Staat, an Kirche, der fest in den Köpfen steckt und die Glieder lenkt. Das Volk tanzt einen Schuhplattler, die Jäger formieren sich zum Chor eine artigen, wadlstrammen Pyramide, jeder einen Humpen in der Hand und singen ihrem Herrn ein Lied: Langhoff tut kaum mehr als drauf zu deuten, was ist. Er hat die Oper seiner Umgebung abgeschaut, dem bayerischen Oberland, wo die Welt noch in Ordnung ist.
Diese Inszenierung, diese Produktion ist gelungen. Sie ist schön, weil sie Kitsch als Kitsch und Wahrheit als Wahrheit preisgibt. Sie ist klug, weil sie zwar den Zeigefinger erhebt, aber in den Augen die Ironie funkeln läßt. Und, auch das darf in der Oper sein: sie ist so spannend, daß man sich wünschte, das Ende der Geschichte noch gar nicht zu kennen. Denn was kann so alles passieren im bayerischen Tann...
László Molnár, Salzburger Nachrichten, 03.11.98

 

Etwas fürs Auge: der Wald als Silhouette schwarz und schweigend, die Jäger grün und aufgeräumt, das Volk tümelnd im trachtenähnlichen Outfit – mit herzigen Kindern dazwischen und einer herzhaften Rauferei gleich zu Beginn. Leicht stilisiert, kaum ironisch das Ganze. Doch auch saftig: die Hirschgeweihe und Eberköpfe, Fledermäuse, ausgestopfte Vögel und Kruzifixe zuhauf am inneren Bühnenportal.
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung, 02.11.98

 

Aber wie das Waldhaus sich dreht (die atmosphärische Ausstattung stammt wiederum von Jürgen Rose), gibt es Einblick in die Sehnsüchte der Menschen, die Gefühle, die in Webers Musik aufklingen.
Auch wo die Naivität des Werkes schwer erträglich ist, versucht die Inszenierung, von Menschen und ihren Sorgen zu erzählen – der Musik zuliebe.
Sybill Mahlke, Tagesspiegel Berlin, 02.11.98