Schlüssiger, aufregender erzählt haben wir den gewaltigen Parsifal-Höhepunkt der Gralsliturgie, das "letzte Liebesmahl" auch bei Berghaus, Mussbach oder Grüber nicht erlebt.
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung, 03.07.95
Ungemein viel an Enstehungs-, Wirkungsgeschichte und Zeitkritik ist hier eingefangen in Peter Konwitschnys Münchner Parsifal-Inszenierung und mit der Bühnenausstattung von Johannes Leiacker: Wagners eigene, unterm Diktat Cosimas kaum ausgelebte Frauen-Wünsche ("alle 5000 Jahre gelingt es"); seine Ängste, als eine Art neuer Kirchenstifter mißverstanden zu werden, die ihm sogar seine Bayreuth-Gründung am Ende als absurd erscheinen ließen; aber auch die "Unerlöstheit" der Geschlechterbeziehungen heute, die sich Ersatz sucht auf vielerlei Umwegen.
Zum ersten Mal hat Peter Konwitschny Wagner inszeniert, zum ersten Mal war er eingeladen nach München. Es wurde eine in ihrer intellektuellen Schärfe, menschlichen Wärme wie Musikalität bestechende Arbeit – seine bisher wohl reifste. Definitiv hat er sich damit eingereiht am Opern-Firmament ganz hoch oben.
Georg-Friedrich Kühn, Frankfurter Rundschau, 03.07.95