Parsifal - Pressestimmen

Richard Wagner: Parsifal

Parsifal
Richard Wagner
Premiere am 1. Juli 1995 im Nationaltheater

 

Schlüssiger, aufregender erzählt haben wir den gewaltigen Parsifal-Höhepunkt der Gralsliturgie, das "letzte Liebesmahl" auch bei Berghaus, Mussbach oder Grüber nicht erlebt.
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung, 03.07.95

In der Tat ist Konwitschny eine Interpretation gelungen, die in ihrer Kühnheit und Perfektion an die Großtaten von Berghaus (Frankfurt), Mussbach (Brüssel), Grüber (Amsterdam) und Wilson (Hamburg) erinnert und die in ihrer Sicht auf Wagners Opus ultimum mit diesen Deutungen die gänzlich pessimistische Perspektive teilt.
Konwitschny und der Bühnenbildner Johannes Leiacker sehen in Parsifal das Endzeitstück schlechthin, bei weitem fatalistischer als der Ring.
Konwitschny ist nicht primär Bilderregisseur, sondern in hohem Maße auch Personenbeweger. Wie Parsifal sich auf Kundry wirft, hochschreckt, dann sich wieder an sie klammert: ein Psycho-action-Wechselbad.
Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.95

Ungemein viel an Enstehungs-, Wirkungsgeschichte und Zeitkritik ist hier eingefangen in Peter Konwitschnys Münchner Parsifal-Inszenierung und mit der Bühnenausstattung von Johannes Leiacker: Wagners eigene, unterm Diktat Cosimas kaum ausgelebte Frauen-Wünsche ("alle 5000 Jahre gelingt es"); seine Ängste, als eine Art neuer Kirchenstifter mißverstanden zu werden, die ihm sogar seine Bayreuth-Gründung am Ende als absurd erscheinen ließen; aber auch die "Unerlöstheit" der Geschlechterbeziehungen heute, die sich Ersatz sucht auf vielerlei Umwegen.
Zum ersten Mal hat Peter Konwitschny Wagner inszeniert, zum ersten Mal war er eingeladen nach München. Es wurde eine in ihrer intellektuellen Schärfe, menschlichen Wärme wie Musikalität bestechende Arbeit – seine bisher wohl reifste. Definitiv hat er sich damit eingereiht am Opern-Firmament ganz hoch oben.
Georg-Friedrich Kühn, Frankfurter Rundschau, 03.07.95


 
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