Billy Budd - Pressestimmen

Benjamin Britten: Billy Budd

Billy Budd
Benjamin Britten
E. M. Forster und Eric Crozier nach der Erzählung von Herman Melville

Premiere am 15. Januar 2005 im Nationaltheater

 

Aus dem Orchestergraben klang Hochmotiviertes, akribisch Geprobtes, schlicht Perfektes. Brittens feimaschiges Klanggewebe, oft filmmusikalisch geschnitten, herb, aber dramatisch schmiegsam - es leuchtet konturenscharf.
Manuel Brug, Die Welt, 18.01.2005

 

Der Dirigent, Kent Nagano, ab 2006 Münchner Opern-GMD und jetzt schon lebhaft gefeiert, führte vom ersten Ton an in eine eigenartig verhangene musikalische Atmosphäre, die, nach klar markierten Höhepunkten, sich in den langen Schlussphasen zu requiemartiger Schönheit und Entrücktheit (auch mittels klangfarblich ausgehörter "nichtfunktionaler" Akkorde) verdichtete. In ihrer sanft flutenden Beredtheit dürfte diese Partitur zu den bleibenden aus dem 20. Jahrhundert zählen. […]
Die sängerische Dreifaltigkeit einer der perfektesten, exzellentesten, perspektivenreichsten Opernaufführungen der letzten Zeit überhaupt.
Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau, 17.01.2005

 

Nagano verführt das Staatsorchester zu einer wohltuenden Zurückhaltung und Leichtigkeit und schreckt auch nicht vor jenem leicht religiösen Kitsch zurück, den etwa das Zwischenspiel nach der Bekenntnisszene des Kapitäns kurz vor Ende unbedingt braucht. Nagano widmet sich mit nachdenklicher Leichtigkeit Brittens Verdüsterung, diesen fast immer nur andeutend Atmosphäre malenden Klängen, die in ihrem illustrativen Gestus viel besser Melvilles andeutendes Erzählen treffen als das zwar bühnenwirksame, aber doch allzu direkt gegen Melvilles Intentionen geschriebene Libretto von Foster/Crozier.
Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung, 17.01.2005

 

Peter Mussbach, ehemals Neurologe und nun Intendant der Berliner Staatsoper, setzte sich zum ersten Mal mit Benjamin Britten auseinander. Dabei ist ihm Erstaunliches gelungen. Mit analytisch-sezierendem Blick und feinem Gespür für menschliche Abgründe löst er die Probleme dieses Psychodramas auf die zunächst befremdende, aber vielleicht einzig adäquate, nämlich minimalistische Weise. Das Bühnenbild, das klaustrophobisch enge Innere eines Schiffrumpfes, ändert sich den Abend über nicht. Dank einer raffinierten Lichtregie, in der Schatten, Klarheit und Zwielicht ständig changieren, spielen sich sämtliche Konflikte weitgehend im Inneren der Figuren und in den Köpfen des Publikums ab, und das schicksalhaft Unausweichliche zeigt sich auf erschreckende Weise.
Florian Hauser, Neue Züricher Zeitung, 17.01.2005


 
© Bayerische Staatsoper
 
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