Der fliegende Holländer - Pressestimmen

Richard Wagner: Der fliegende Holländer Richard Wagner: Der fliegende Holländer. Anja Kampe Richard Wagner: Der fliegende Holländer. Anja Kampe, Juha Uusitalo
Der fliegende Holländer
Richard Wagner
Premiere am 26. Februar 2006 im Nationaltheater

 

Matti Salminen ist ein Traum von Dalands schlechten Eigenschaften, Juha Uusitalo ein wilder Herzenssegler wüster Sagengröße. Doch das gesamte, auch in den kleineren Rollen herrlich anzuschauende Solistenensemble, wird überstrahlt von Anja Kampe.
Diese Senta hat den Teufel im Leib, schon deshalb kann sie niemanden erlösen, sie vibriert vor Leben und Leidenschaft. Die tröge kleine Welt ist ihr viel zu eng, die Bühne auch, auf der sie tobt, als gäbe es kein Morgen. Dazu singt sie alles in Grund und Boden, strahlend, brillant, umwerfend, mit müheloser Leichtigkeit. Sie ist Mädchen und Frau, Gestern und Zukunft, voller Charme. Wer sie nicht gesehen hat, hat Senta nie gesehen.
Egbert Tholl, Bayerische Staatszeitung, 03.03.2006

 

Drei Mal nunmehr – zuvor bei „Parsifal“ und „Tristan und Isolde“ – hat Konwitschny die Münchner Wagner-Freunde, die Sir Peter zuweilen auch gern W.–Fundamentalisten nennt, herausgefordert durch brüske Zurschaustellung von Wagners Botschaft, der Liebesutopie zwischen Männern und Frauen (…) Nun der „Holländer“ eines Regisseurs, der, obwohl am Anfang seines siebten Lebensjahrzehnts stehend, sich jenen Enthusiasmus bewahrt, der ihn befähigt, das Feuer der Oper auf andere Künstler zu übertragen – beispielhaft auch hier wieder auf den Chor. Diese Sänger müssen Konwitschny allein dafür lieben, dass er mit ihnen so ausführlich, spielerisch, genau und leidenschaftlich arbeitet wie kein Opernregisseur auf der Welt.
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung, 28.02.2006

 

Nicht nur Salminen hat sich begeistert in Konwitschnys Regie geworfen, auch der hochmotivierte und spiellustige Chor, besonders aber Anja Kampe: eine Senta von enormer darstellerischer Kraft und Präsenz. Dazu ist sie gesegnet mit einem gehaltvollen, im Mezzo-Timbre verankerten Sopran, bei dem sich die spätere Brünhilde abzeichnet – ein phänomenales München-Debüt.
Juha Uusitalo, dieses einschüchternde Mannsbild macht sich stimmlich dagegen gern auf die Suche nach dem Zarten, Empfindsamen. Dass ihm das typische Helden-Erz (noch) fehlt, dass er nicht auf klangliche Überwältigung abzielt, ist also gar nicht entscheidend, eröffnet vielmehr neue, jugendliche Facetten.
Auch Stephen Gould (Erik), obgleich schon für den Bayreuther Siegfried gerüstet, hat Mut zum Differenzieren. Das unangenehm gelagerte Finale gelingt ihm ebenso mühelos wie Lyrismen oder sogar kleinere Verzierungen. Kevin Conners munterer, stimmschöner Steuermann ergänzt diese grandiose Sängerriege, von der zudem fast jedes Wort zu verstehen ist.
Adam Fischer begann mit dem Staatsorchester molto furioso, ließ sich später in Solo-Szenen viel Zeit für Melos und Phrasen und bäumte den Kampf der Mannschaften zu ohrenbetäubender Wucht auf. (…)
Dass sich Szene und Graben zweieinhalb Stunden lang ergänzten, war indes auch Fischers Verdienst – und brachte die Premierengäste aus dem Häuschen: fast ungetrübte Ovationen für eine Produktion, die vieles an diesem Hause turmhoch überragt.
Markus Thiel, Münchner Merkur, 28.02.2006