Norma - Pressestimmen

Norma: Edita Gruberova Vincenzo Bellini: Norma Vincenzo Bellini: Norma. Edita Gruberova, Elina Garanca
Norma
Vincenzo Bellini
Felice Romani

Premiere am 21. Januar 2006 im Nationaltheater

 

„Edita Gruberova singt zum ersten Mal die Norma – so heißt es, obwohl dieser szenischen Darbietung konzertante Aufführungen in Baden-Baden, Wien und Japan vorausgingen. Aber sei’s drum: Sie gilt immer noch als die größte Koloratur-Wunderfrau dieser Welt. Bereits nach ihrer ersten Arie, nach „Casta Diva“, der „keuschen Göttin“, wird gejubelt und getrampelt. Darin ist sich das Publikum einig: Edita ist die Beste, auch als Druidenpriesterin.“

Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung, 23.01.2006


„Gruberovas Norma ist eine etablierte Hohepriesterin (…) die aber über eine ungemeine natürliche Autorität verfügt (unbeeindruckt auch von den ungeheuren Anforderungen der Partie), über einen fabelhaften, großartig zum Einsatz gebrachten Schatz an Können und Wissen: Eine Virtuosität, die weniger im stürmisch-leidenschaftlichen Anspringen der Melodiegipfel ihre Erfüllung findet als im fein nuancierten Seufzer-Abstieg danach.
Wunderbar sich ergänzend der Kontrast zur Novizin Adalgisa, bei der dank Sonia Ganassi jeder Ton mit frischem, emotionalem Brennen bebte – ohne dass sie dabei den Vibrato-Bogen überspannte oder undifferenziert wurde.
(…) Bei Roberto Scandiuzzis mächtig schönem, schön mächtigem Bass kam keinerlei Zweifel am Führungsanspruch des Chef-Druiden Oroveso auf. Und Gruberovas Hausdirigent Friedrich Haider ließ sich und den Sängern Zeit, überhitzte den Aufruhr der Gefühle nicht äußerlich, sondern lotste das Staatsorchester zu redlicher innerer Wärme.“

Thomas Willmann, tz, 23.01.2006


„Eingeschnürt in einen bedrohlich wirkenden, kobalt-blauen Bilderrahmen zeigt Jürgen Rose bereits in seinem in symbolisch-mystische Düsternis getauchten, zweigeteilten Bühnenbild den inneren Zwiespalt der Druiden-Onerpriesterin Norma zwischen ihrem Amt und ihren Gefühlen auf: Oben ist der öffentliche Raum, das Heerlager und der Opferaltar im heiligen Tempel der Gallier zu Zeiten der römischen Besatzung im ersten vorchristlichen Jahrhundert, während eine Treppe in das darunter liegende Privatissimum, in ein klaustrophobisches „Fidelio“-Verlies führt. (…) Zwischen Realismus und Abstraktion, ganz ruhig und getragen, ohne aufgesetzte Regiegags oder gar Asterix und Obelix-Mätzchen inszenierte Jürgen Rose diese hyperdramatische Liebesgeschichte als ungemein beklemmende Seelensezierung (…). Klug ausgezirkelte Massenszenen und raumfüllende, ebenso würdevolle wie voll innerer Hochspannung geradezu vibrierende Auftritte der Protagonisten gestaltete der Regisseur, als sei Bellinis Musikdrama ein „Tannhäuser“- oder „Parsifal“-Vorläufer von Richard Wagner.

Hannes S. Macher, Neue Presse Coburg, 24.01.2006