Otello - CD Tip

Otello
Giuseppe Verdi
Arrigo Boito

Aufnahme vom 18.12.1948, New York, Metropolitan Opera, live, Preiser Records 90377 (2 CD)

Musikalische Leitung: Fritz Busch



 


Ramon Vinay (Otello)
Leonard Warren (Iago)
John Garris (Cassio)
Thomas Hayward (Roderigo)
Nicola Moscona (Lodovico)
Clifford Harvuot (Montano)
Philip Cinsman (Un araldo)
Licia Albanese (Desdemona)
Martha Lipton (Emilia)

Orchestra and Chorus of the Metropolitan Opera, New York

Verdis Otello, eine der stimmigsten und berührendsten Adaptionen eines klassischen Dramas für die Opernbühne, gehört zu den Werken, deren Spannung und dramatische Zuspitzung nur durch eine gelungene Bühnenaufführung adäquat erzeugt wird. Keine technisch noch so perfekte Studio-Einspielung kann die perfide Interaktion Otello /Iago im zweiten Akt oder gar die zunächst psychische, dann buchstäbliche Vernichtung Desdemonas im dritten und vierten Akt glaubhaft vermitteln.

Fritz Busch, der legendäre Dresdner Operndirektor in den zwanziger Jahren, 1933 unter schmählichen Umständen von den Nazis vertrieben und später vor allem in Buenos Aires tätig, erweist sich in diesem klangtechnisch erstaunlich guten Mitschnitt als Verdi-Dirigent und Operndramatiker allerersten Ranges, der trockenen Starrheit Toscaninis weit überlegen. Vom geradezu aberwitzig gestalteten Seesturm des Anfangs bis zum herzzerreißenden Schluß dirigiert Busch einen Opernabend aus einem Guß, traumwandlerisch sicher in der rabiaten Gewalt und der so schmerzlich kontrastierenden unendlichen Zartheit des Werks. Seine Sänger stehen ihm dabei gerade in diesem Kontrast kongenial zur Seite: einen besseren Otello als Ramon Vinay, der jeden Tonfall vom morendo bis zur buchstäblich furchterregenden Gewalttätigkeit trifft, kann man sich nicht vorstellen, Leonard Warrens stimmliche und darstellerische Intelligenz ist seinem Iago in jeder Szene anzuhören - und Licia Albanese gestaltet die Desdemona als reife, alle Leiden durchlebende Frau, nicht als dummes, passives Blondchen. Die Comprimarii stehen auf dem an der alten Met üblichen Niveau, bilden ein authentisches Ensemble. Fazit: einer der großartigsten Opernmitschnitte überhaupt und die spannendste Otello-Aufnahme.

Ludwig Robeller