Zugvögel - Biographien

Zugvögel, Filmszene Jiří Kylián: Zugvögel Zugvögel

Zugvögel

Jiří Kylián

Eine choreographische Inszenierung
Musik von Dirk Haubrich, Han Otten u.a.
Wiederaufnahme

Nationaltheater

Freitag, 15. Februar 2013

Bühne und Licht


Michael Simon. ©Jochen Quast
Michael Simon
Michael Simon, geboren 1958 in Neumünster, begann nach seinem Bühnenbildstudium bei Jürgen Rose in Stuttgart als Performance- und Installationskünstler in New York, zeigte dort 1981 seine erste Theaterarbeit Memories Can’t Wait in der Performing Garage, SoHo.
1982-1990 arbeitete er als Bühnenbildner und Lichtdesigner für den Choreographen William Forsythe beim Frankfurter Ballett und für verschiedene Regisseure an Schauspielhäusern in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Wien und Zürich. Mit dem Choreographen Jiří Kylián arbeitet er seit 1988 bis heute zusammen für Ballettkompanien u.a. in Den Haag, Stuttgart, Paris, Tokio, New York, Madrid, Montreal, Melbourne und München. Seit 1990 arbeitet er für die Oper Amsterdam mit dem Regisseur Pierre Audi, u.a. am Monteverdi Cycle, der in Sydney, New York und Los Angeles aufgeführt wurde. 2000 entstand in Zusammenarbeit mit Peter Greenaway und dem Komponisten Louis Andriessen die Oper „Writing to Vermeer“ aufgeführt in Amsterdam, Adelaide und New York. Als letzte Bühnenbildarbeit in Amsterdam entstand im September 2011 das Bühnenbild zum Gluck-Doppelabend Iphigenie en Aulide und Iphigenie en Tauride mit Pierre Audi und im November 2011 Die Stadt der Blinden von Anno Schreier am Opernhaus Zürich inszeniert von Stephan Müller.

Erste Schritte als Regisseur und Autor machte Simon gemeinsam mit dem Komponisten Heiner Goebbels ab 1990 am Frankfurter Theater am Turm mit Newtons Casino und Römische Hunde. Darauf folgten Narrative Landscape für einen Sänger/Tänzer und Pferd und Real Life, einem a cappella Stück für 40 köpfigen Chor. Ab 1993 kamen Inszenierungen von Opernklassikern dazu wie Der fliegender Holländer, Lohengrin, Orfeo, Moses und Aaron aber vor allem zeitgenössische Musiktheaterarbeiten u.a. am Theater Basel Die Menschen von Detlef Müller-Siemens, an der Bonner Oper Narcissus von Beat Furrer, von dem er auch Die Blinden in Aachen inszenierte. Dort entstand auch Woyzeck kehrt zurück von Helmut Oehring. 2004 inszenierte er die Uraufführung von L'Espace Dernier von Matthias Pintscher an der Opéra Nationale de Paris und 2008 Fashion von Giorgio Battistelli an der Düsseldorfer Oper. Im Mai 2012 hatte The Outcast von Olga Neuwirth am Nationaltheater Mannheim unter Protesten der Komponistin die Uraufführung.

Im Schauspiel sorgte seine Inszenierung The Black Rider in Dortmund 1994 für Furore und wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Es folgten Regiearbeiten an der Berliner Volksbühne, dem Wiener Burgtheater, am Staatsschauspiel München und an der Schaubühne Berlin, in Hannover, Dresden und Düsseldorf, wo er zwischen 2000 und 2005 regelmäßig arbeitete und Karlsruhe, wo zwischen 2003 und 2011 vier Inszenierungen entstanden. 2006 choreographierte Simon an der Staatsoper München In the country of last things, eine Arbeit für 4 Tänzer, Raum und Licht mit Musik von Heiner Goebbels. Seitdem arbeitete er in Köln, Nürnberg, Brüssel und Peking. Am Schauspiel Frankfurt inszenierte er 2010 Cabaret und 2011 Orphée nach Cocteau. Simons Interesse an Shakespeare zeigt sich an seinen Inszenierungen von Macbeth, Hamlet, Romeo und Julia, Ein Sommernachtstraum und Richard der Dritte (zuletzt 2010 am Theater Basel). Die Beschäftigung mit Texten Elfriede Jelineks fing 2005 an mit der Inszenierung der Prinzessinnendramen und setzte sich fort mit Ulrike Maria Stuart, der Winterreise und 2012 Rechnitz am Schauspielhaus Graz.
 
Simons Lehrtätigkeit umfasst eine Professur für Szenographie von 1998 bis 2004 an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, Dozententätigkeit an der TTPR Singapur 2003 und an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater 2005 und 2007. Seit 2008 leitet er das Profil Bühnenbild Master of Arts in Theater an der ZHdK; Zürcher Hochschule der Künste.

Kostüme


Yoshiki Hishinuma
Yoshiki Hishinuma
Yoshiki Hishinuma wurde 1958 in Sendai, Japan, geboren und studierte am Bunk College of Fashion in Tokio. Er arbeitete zunächst für das Miyake Design Studio,
später  als freier Designer, in dem er vor allem Kollektionen für Frauen entwirft und Bühnenproduktionen auszustatten beginnt. Ab 1992 zeigt er Kollektionen unter seinem eigenen Label „Yoshiki Hishinuma“.  Seine Kollektionen, in denen er mit neuester Materialtechnologie arbeitet, werden u.a. bei den großen Shows in Paris gezeigt und 1996 erhält er den renommierten „Mainichi Fashion Award“, ein Preis, der an innovative japanische Designer verliehen wird.
Hishinumas Kollektionen sind entweder von sprühender Farbigkeit, oder schwarz-weiss. Er entwirft großzügige skulpturale Mode, die oft in die bildende Kunst und in Installationen im öffentlichen Raum münden. Er experimentiert mit Luft und Wind, nennt seine Arbeiten „Kite Clothes“ (Drachenkleider) und „Air Clothes“ (Luftkleider)“. Er entwarf auch einen eigenen weiblichen Duft, „De la Rose“. Es erschienen beeindruckende Fotobände über seine Arbeiten, unter anderem von Nobuyoshi Araki. Hishinuma zählt heute zu den wichtigsten Designern Japans.

1999 fand eine Retrospektive im Gemeentemuseum Den Haag mit den Arbeiten aus 10 Jahren Yoshiki Hishinuma statt. HIshinuma entwirft heute Kostüme u.a. für Produktionen der Pariser Oper und arbeitet seit 2000 („Arcimboldo“) eng mit Jiri Kylian zusammen.


Unterbühneninstallation und -choreographie


Karine Guizzo
Karine Guizzo
Karine Guizzo wuchs in Annecy, Frankreich, auf und unterzog sich einer professionellen Tanzausbildung in der Ecole Supérieure de Danse de Cannes, Rosella Hightower, wo sie sich auf Jazz Dance sowie modernen und klassischen Tanz konzentrierte. Nach einem Jahr beim Jeune Ballet de France schloss sie sich der Nachwuchscompagnie des Nederlands Dans Theaters und danach dem Nederlands Dans Theaters 1 (1987-2002) unter der Leitung von Jiří Kylián an (wichtigste Choreographen: Jiří Kylián, Ohad Naharin, Mats Ek, William Forsythe, Hans van Manen, Nacho Duato).
Sie lebt zurzeit in Den Haag, Niederlande.Wegen ihres Interesses an „body work“ nahm sie parallel immer wieder an vielen Workshops und Projekten teil – so zum Beispiel bei Ko Morobushi, Min Tanaka (Butoh dance), Lloyd Newson, Michel Raji und Yuval Pick.Ihre Arbeit als freiberufliche Choreographin beinhaltet Auftragsarbeiten für Theater und Festivals (Holland Festival, CodArts, Donlon Dance Company, CaDance Festival usw.) sowie die Gründung des Dans Laboratorium in Den Haag und freie Projekte.

Im Jahre 2002 inszenierte und choreographierte Jiří Kylián zum ersten Mal ein Projekt, in dem die Unterbühne eine wichtige Rolle spielte: Arcimboldo für das Theater des NDT in Den Haag. Er übertrug Karine Guizzo die Gestaltung dieses Parcours durch die Unterbühne. Die Produktion wurde danach in Amsterdam, Basel, Berlin, Baden-Baden, den Opernhäusern in Prag und Paris sowie auf dem Edinburgh Festival gezeigt. Auch die Parcours für das Königliche Theater in Kopenhagen und für die Norwegische Nationaloper gestaltete Karine Guizzo in Zusammenarbeit mit ihrem ehemaligen Tänzerkollegen Yvan Dubreuil, entwarf die Kostüme und Bühnenausstattung als Teil der unterirdischen choreographischen Landschaft.  

Unterbühneninstallation und -choreographie (Assistenz)


Ivan Dubreuil
Yvan Dubreuill
Bevor er als Tänzer zum Nederlands Dans Theater ging, absolvierte Yvan Dubreuil zunächst eine Tanzausbildung am Conservatoire National Supérieur de Paris. Er arbeitete als künstlerischer Mitarbeiter und Dramaturg mit verschiedenen Choreographen für Projekte in den Niederlanden zusammen und mit Karine Guizzo an den Unterbühnenparcours.

Filmmusik


 

Filmkostüme


 

Musik


Dirk Haubrich
Dirk Haubrich
Dirk Haubrich wurde in Saarbrücken geboren. Nach vier Jahren in London, wo er unter anderem von Philipp Wachsmann in Komposition und freier Improvisation ausgebildet wurde, studierte er Sonologie mit Schwerpunkt Komposition am Königlichen Konservatorium in Den Haag, Niederlande. Ab dem Jahre 1994 arbeitete er mit dem Ballett Frankfurt und ging mit William Forsythes „Eidos: Telos“ auf Welttournee. Er hat viele Bühnenstücke komponiert, unter anderem für Jiří Kylián („Click Pause Silence“, „Far Too Close“, „Sleepless“, "Zugvögel", „Gods & Dogs“) und arbeitete mit Bruno Listopad, Krisztina de Châtel, Sjoerd Vreugtenhill sowie Michael Schumacher zusammen. Seine Kompositionen wurden unter anderem an der Opera Garnier Paris, Saitama Arts Center Japan, Nederlands Dans Theater Den Haag und Het Nationale Ballet Amsterdam gespielt.

Künstlerische Gesamtleitung und Choreographie


Jirí Kylián
Jiří Kylián

„Ich denke, dass es meine Aufgabe als Choreograph ist, den Grund unserer Seele zu erforschen”, sagt Jiří Kylián. Seit den frühen 70ern hat der  tschechische Choreograph mehr als 100 Werke kreiert – dreiviertel davon für das  Nederlands Dans Theater (NDT). Seine Kreationen sind von vielfältigen Quellen inspiriert, kombinieren Elemente unterschiedlichster Kunstformen und  trotzen jedem Versuch einer Kategorisierung.

Zuerst hingerissen von der Magie des Zirkus, begann der junge Kylián sein Studium als Akrobat. Im Alter von neun Jahren ging er an die Ballettschule des Prager Nationaltheaters. Sechs Jahre später, im Jahre 1962, wurde er am Prager Konservatorium aufgenommen und erhielt von 1967-68 ein Stipendium für die Londoner Royal Ballet School. Dort traf er auf John Cranko, der ihm den Kontakt zum Stuttgarter Ballett ermöglichte und ihn ermutigte, dort zunächst als Tänzer, aber sehr bald auch als Choreograph zu arbeiten.

Im Jahr 1975 verließ Kylián Deutschland, um als künstlerischer Co-Direktor für das Nederlands Dans Theater zu arbeiten, für das er bereits zuvor verschiedene Stücke als Gastchoreograph kreiert hatte. 1978, nach dem großen Erfolg seiner leidenschaftlichen und lebensbejahenden Choreographie Sinfonietta beim „Festival of Two Worlds“ in Charleston, South Carolina, wurde er alleiniger künstlerischer Leiter des NDT. Psalmensymphonie (auch 1978) war das zweite bedeutende Werk während dieser Zeit. Dieses sollte entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Entwicklung des NDT und dessen internationalen Ruf  haben. Mitte der 80er Jahre wurden Kyliáns Werke abstrakter, was vor allem anhand der Reihe seiner Black and White - Choreographien zu erkennen ist. Darüber hinaus spielte seine Begegnung mit den australischen Aborigines während dieser Zeit eine wichtige Rolle in seinem Verständnis von Tanz  als signifikantem „Eckstein“ unserer Sozialstruktur und unserer „künstlerischen Identität“. Kylián würdigte den 35ten Geburtstag des NDT mit der Schaffung von Arcimboldo (1994) für alle drei Compagnien des NDT und unter Einbeziehung der Unterbühnenbereiche des Den Haager Theaters.

Jede der Compagnien des NDT beschäftigt Tänzer unterschiedlicher Altersgruppen. Diese einzigartige und preisgekrönte dreidimensionale Compagnie-Struktur, die eine Erfindung Kyliáns ist, umfasste bis 2006 alle Phasen einer Tänzerkarriere zwischen 17 und 70 Jahren. NDT III, die Compagnie der Tänzer  über 40, musste 2006 aus finanziellen Gründen abgeschafft werden, obwohl regelmäßig die größten Choreographen der Welt mit diesem Ensemble zusammenarbeiteten und NTD III auf der ganzen Welt gastierte.

Kylián trat im Jahre 1999 als künstlerischer Leiter des NDT zurück, blieb aber noch weitere zehn Jahre als Choreograph am Hause.

Für seine Arbeit  wurde er vielfach geehrt, unter anderem mit dem Titel „Officer of the Orange Order“, einem Doktorat an der Juillard School New York, drei Nijinsky Preisen in den Kategorien „Bester Choreograph“, „Beste Compagnie“ und „Bestes Stück“, dem Prix Benoit de la Danse, der Ehrenmedaille des Präsidenten der Tschechischen Republik und der Mitgliedschaft in der Legion d’honneur in Frankreich. Im Jahr 2008 erhielt er von Königin Beatrix persönlich den Oranje-Orden, einer der höchsten Auszeichnungen in den Niederlanden.

2009 kreierte Kylián Zugvögel für das Bayerische Staatsballett. Drei Jahre später nimmt die Compagnie nun ein weiteres Ballett des tschechischen Choreographen in ihr Repertoire auf: Gods and Dogs.